Welschkornfelder links und rechts des Rheins nennt ihr oft Maiswüsten. Riesige Wasserwerferfontänen zischen neben den Fahrstrassen über die Fluren und ihre Blütenstände. Im Ried, neben hohen Schilfhalmen, finde ich gar blühende Seerosen. Der Flügellaut im Überflug von Wildgänsen, Reihern, Störchen und Schwänen - besonders wenn die Welschkornfelder ruhen - trug den Moment in sich von Zeit und Horizont, um ihre möglichen Anfänge in der Regio aufzuspüren. 

Welschkorn mischt sich in welsche Regionalgeschichte ein (3)

Index Streifzüge
Welschkorn regional geschichtlich Seite 15.+16.Jh.  (1) 
 Welschkorn 17. Jh. - Seite (2)
 

 

 

  eurer Erzählung nach seien:

(Text-links: A-Z)

Achtzehntes Jahrhundert:

absolutistische Mächte im Zeitalter der Aufklärung der Sansculotten (die ohne Kniehosen) Spottname für die revolutionären Republikaner

Baba:

im Lichtspiel der Erdfarben in den Oberrheinauen

Baden:

anno 1849 Zentrum erster Freiheitskämpfer und Demokraten

Badische Revolution:

1848-1849 verdanken wir einem Badener, der als Advokat in Mannheim, über dies er ab 1842 als jüngstes Parlamentsmitglied Abgeordneter der Zweiten Badischen Kammer wurde, wo er zur Gruppe der äußersten Linken gehörte.

Badischer Landtag:

gefordert in der badischen Ortenau - damals schon mit einem zu kopf- und steuerlastigen verfassungsgebenden Landtag?

Bayrisch-Österreichische Erbfolgekrieg:

anno 1744 war das älteste Barockschloss der Region, Schloss Munzingen, vom französischen König Ludwig XV. besetzt, der von hier aus die Belagerung Freiburgs verfolgte. Als Souvenir hinterließ er 4 groteske Gartenzwerge und den Spargelanbau.

Büchner Georg:

Lenz im elsässischen Steintal, bei Papa Oberlin in Waldersbach, im Ban de la Roche am Champ du Feu (Mittel-Vogesen) Sein starkes Fragment dieser Begegnung: Den 20. ging Lenz durchs Gebirg. Die Gipfel und hohen Bergflächen im Schnee, die Täler hinunter graues Gestein, grüne Flächen, Felsen, und Tannen.

Bühl:

1813 wurde aus dem Amt Bühl das Bezirksamt Bühl - 1822/23 Bau der Synagoge, der sog. 'neuen Judenschule' - Großherzog Leopold von Baden verlieh 1835 dem Flecken Bühl das Stadtrecht. 1846 Anschluss an die neu eröffnete Eisenbahnlinie zwischen Oos und Offenburg.

Elias Canetti:

(*25.7.1905-14.8.1994) dt. Schriftsteller - 1944: "Wie hätte eine Bibel aussehen müssen, dass sie die Selbstvernichtung der Menschheit aufhält ?"

Französische Revolution:

90% des Einkommens für den Broteinkauf - europäische Könige, Adel und Klerus lebten in Saus und Braus. Die Bürger bewaffneten sich mit humanistischen und nationalistischen Idealen gegen den königlichen Absolutismus, ehe sie diese köpften.

Gerhart Hauptmann:

(* 15. November 1862 † 6. Juni 1946 in) war Schlesier und wichtigster deutscher Schriftsteller der Philosophie des Naturalismus (1880-1900) - der Darstellung der Wirklichkeit - und mit diesem Thema - heute unvorstellbar -einer der erfolgreichsten Autoren seiner Zeit. Die Tragikomödie Die Ratten, wurde 1911 zur deutschen Sozialkritik - 1912 erhielt er den Nobelpreis für Literatur.

Hansjakob Heinrich :

kath. Pfarrer aus Haslach, zeitkritischer Demokrat als unbequemer Schriftsteller. Er hat euch das Andenken an den bemerkenswerten Pandur des Öler-Joken bewahrt.

Johann Peter Hebel:

ein Visionär der heutigen Mais-Monokulturen ? Mehr als nur Lesenswertes zum Thema Welschkorn aus dem Jahre 1809 -

Friedrich Hecker:

 

 

 

 

 

zum "Guckkaste-Lied" über den ersten badischen Freiheitskämpfer "Seht da der große Hecker eine Feder auf dem Hut ..."

1842 wurde er als bisher jüngstes Mitglied der Liberalen Oppositionspartei in die zweite Kammer des badischen Landtags gewählt. Es wurde nach dem Zensuswahlrecht verfahren. Der Großherzog konnte sich über die Beschlüsse des Parlaments hinwegsetzen. Sehr schnell fiel Hecker als radikaler Redner auf.

In der badischen Ortenau noch heute geehrt mit der Bezeichnung "heckrisch!, wenn ein Aufmüpfiger gehänselt wird.

Heinrich Heine:

seine Werke waren Mahnungen, und dieses an Frankreich gerichtete, gleichte den Dämonen des russischen Dichters Dostojewskj: "Das Christentum – und das ist sein schönstes Verdienst – hat jene brutale germanische Kampflust einigermaßen besänftigt, konnte sie jedoch nicht zerstören, und wenn einst der zähmende Talisman, das Kreuz, zerbricht, dann rasselt wieder empor die Wildheit der alten Kämpfer, die unsinnige Berserkerwut" (...) Der deutsche Donner ist freilich auch ein Deutscher und ist nicht sehr gelenkig und kommt etwas langsam herangerollt; aber kommen wird er, und wenn ihr es einst krachen hört, wie es noch niemals in der Weltgeschichte gekracht hat, ...Es wird ein Stück aufgeführt werden in Deutschland, wogegen die französische Revolution nur wie eine harmlose Idylle erscheinen möchte.

Hunger:

"Ein Schrei übertönte die Marsaillaise: Brot! Brot! Brot!"  Émile Zola (1840-1902) im Rückblick auf auf eine herrschende Klasse, die bereits berechtigte Angst vor ihrem aufstrebenden Bürgertum hatte, und die endlose Gier nach Geld und Macht.

Kleber Jean-Baptiste:

"Dieser Bonaparte", sagte Kléber, "der ist kaum größer als mein Stiefel, aber er wird Frankreich unterjochen." Ihm zu Ehren der Place Kléber in Straßburgs Stadtmitte

Kleberplatz:

historisches Zentrum, das Herz der Stadt Straßburg, benannt nach dem hier geborenen Generalfeldmarschall Napoleons im Ägypten-Feldzug, das Denkmal in der Mitte des Platzes. Hinten das Münster‚ Place Kléber‘, oder wie die Elsässer sagen: dr‘ Kleberplatz. Vormals Militärplatz, Waffenplatz, Paradeplatz, gut drei Fußballfelder groß, rings umbaut. Bis in die neunziger Jahre ein Platz für den Autoverkehr.

Klimaveränderung:

die Landschaft des heutigen Oberrheins entstand in dieser Form erstmals nach den habsburgisch-europäischen Erbfolgekriegen

Krieg:

Der erste Tote ist es, der alle mit dem Gefühl der Bedrohtheit ansteckt. Aus der Klagemeute um einen Toten bildet sich eine Kriegsmeute, die ihn zu rächen hat. Aus der Kriegsmeute die gesiegt hat, bildet sich die Vermehrungsmeute des Triumphs. Die Kriegsmeute läuft Gefahr in Plünderung zu zerfallen; Siegesfeste (öffentliche Hinrichtungen von Gefangenen) waren das erfolgreichste Mittel um die kriegerische Stimmung wieder herzustellen. Massenverminderung zur eigenen Vermehrung. Staatliche Kriegsreligion mit Absicht auf rascheste Vermehrung bei den Römern (Arenen) (Elias Canetti 'Masse und Macht')

Kuckuck - Kuckuck !

das Bahnwärterhäuschen der badischen Staatsbahn um 1840  wurde als Bahnhäusleform des Uhrkastens der Kuckucksuhr, wie sie heute noch jeder kennt. 

Kukuruz:

tschechisch-slawische Bezeichnung für dieses, einst in der Dorfgemeinschaft bei Tanz und Gesang geschälte Getreide zum Aufschichten in den Vorgängern der heutigen Silos  

Labyrinth:

Touristenattraktion in Grafenhausen (nahe dem Europapark): ein Labyrinth im Welschkornfeld bringt den Mais ganz nahe!

Lenz Jakob Michael Reinhold: 

(12.1.1752-24.5.1792) ein weltverlorener, Seßweger Pastorsohn sollte Theologie studieren. Vorlesungen von Immanuel Kant bestimmten seinen Weg, zusammen mit den Gebrüdern von Kleist, ging's ins reformatische Straßburg, wo ihm die Begegnung mit Goethe wohl zum Verhängnis wurde, durch seine gleichsame Veehrung der im Gedicht verewigten Friederike Brion (1752-1813).

Lauterbourg:

Rheinübergang der österreichischen Truppen im 18. Jh. als "...auf allen höchsten europäischen Sitzen nun Weiber aufragten !"

Marie-Antoinette:

auf ihrer Brautfahrt nach Frankreich streifte sie das älteste Kloster in Schuttern mit ihrem sehr aufwendigen Tross an Bediensteten

Maria-Theresia :

österreichische Königin spornte ihre "rotmänteligen" Panduren dazu an ihr elsässisch-lothringisches Habsburgerbe gegen Frankreich, Bayern und Lothringen zu verteidigen.

Monokulturen:

Welschkorn als roter Faden hin zu den Anfängen des Bauernstands im steten Wechsel von Kirchen- und Staatsreformern

Nádasdy:

Franz Leopold von Nádasdy (30.9.1708-22.3.1783) entstammte einer der ältesten ungarisch-siebenbürgischen Adelsfamilien (im 13. Jh. nachgewiesen mit ursprünglichen Gütern in Kroatien). Dem Husarenregiment Csáky hervor gegangen, avancierte er mit seiner geschickten Taktik am Rhein 1744, zu Diensten der habsburgischen Kaiserin gegen die Franzosen und Bayern, zum General-Major und kurz darauf zum Feldmarschall-Lieutenant. Zusammen mit dem Prinzen Karl von  Lothringen entwarf er den genialen Plan der erfolgreichen Rheinüberquerung bei Schreck und Germersheim.

Napoleon:

Kriegsdienst anstatt Kirchendienst, teils wichtige Reformen. Massenschlachten um Friedensverträge zu diktieren. Als Konsul lässt er zur Schuldenbegrenzung, neben seiner darin verschwenderisch ausgebenden Kaiserin Josephine, nur noch 80 Börsenmakler zu.  Befreiungskriege gegen ihn verändern Europa mit dem Wiener Kongress. Er schaffte was vor ihm keinem gelang: Staat und Kirche zu trennen.

Die Marquise von O... Schauspiel von Heinrich von Kleist - 1807 unter dem Eindruck der napoleonischen Eroberungskriege geschrieben, ist von faszinierender Kraft. „Nach meinem Gefühl das Glänzendste und Vollendetste, das er geschrieben hat“, so Theodor Fontane -  im Theater Kammerbühne 20h30 am ?

österreichischer Erbfolgekrieg:

weibliche Kaiserin als Erbin mitteleuropäischer Gebiete lockte neben dem hungrigen Preußen (Friedrich der Große), der Niederschlesien im Visier hatte, die Bayern samt Frankreich aus ihren Fuchsbauten  

Panduren:

Maria-Theresias ungarische Husaren-Reitereinheit und ihre irreguläre, in Kroatien rekrutierten, Panduren konnten das Elsass samt Saverne nicht mehr vor den Franzosen retten

Fossé des Pandours:

Pandurengraben von 1744 oberhalb von Saverne, nördlich des gallischen Oppidum am Bärenkupfel aus der La Tene-Zeit: Le murus gallicus de l’oppidum médiomatrique du Fossé des Pandours dit Oppidum au col de Saverne. Die restliche Ummauerung dieser Fliehburg erwies sich als ideales Versteck der sich wehrenden Bauern auf diesem Höhenpass ins Lothringische

Rastatt:

Soldatenmeuterei im Schlosshof, mit schwarz-rot-goldener Fahne gegen Großherzogtum in Badens größter Garnison und Bundesfestung

Rastatter Frieden:

beendete den spanischen Erbfolgekrieg (1701-1714). Spaniens Philipp V. verzichtete 1712 auf die Erbfolge in Frankreich (urkundlich bestätigt von Ludwig XIV.) und verhinderte so eine zukünftige Union Spaniens mit Frankreich. So schlossen England und die Niederlande Waffenstillstand mit Frankreich. Kaiser und Reich weigerten sich den Friedens zu Utrecht (11. April 1713)  dem auch Portugal, Savoyen und Preußen beitraten, anzuerkennen.

Rot oder Schwarz:

Paris und Europa wirtschaftlich im Abgaben-Würgegriff: betroffen die Landbevölkerung und das Leid der Großstädter 

Eulogius Schneider:

Straßburg war immer schon Ort gesellschaftlicher Umbrüche, der hier lebende Komponist der Französischen Revolution zog auch einen entlassenen Franziskaner aus Bonn an. Mit seiner Ode an diesen Umbruch zur Freiheit:

Gefallen ist des Despotismus Kette, Beglücktes Volk! von deiner Hand: Des Fürsten Thron ward dir zur Freiheitsstätte Das Königreich zum Vaterland.

Kein Federzug, kein: „Dies ist unser Wille“, entscheidet mehr des Bürgers Los. Dort lieget sie im Schutte, die Bastille, Ein freier Mann ist der Franzos!

Siebenjähriger Krieg:

1756-1763, Frankreich unterstützt Österreich, Spanien und Russland gegen Großbritannien und Preußen.

Silbermann Johann Andreas:

Staufenberg:

Schloss Staufenberg oberhalb von Durbach mit dem heutigen Weingut hat eine weinbauliche Geschichte die älter ist, als von 1399 datiert. Noch vor der Französischen Revolution, 1782, wurden durch Markgraf Karl Friedrich, (spätere Großherzog von Baden (1738-1811) am Klingelberg die ersten Sorten reinen Riesling-Reben gepflanzt, der heutige Durbacher Riesling. Seit 1832 ist das Schloss Staufenberg im Privatbesitz der Markgrafen von Baden. 

Trenck, von der:

Ölgemälde des Obristen Franz v. d. Trenck von 1880 Franz, der ältere österreichische Pandur, säbelte für Maria Theresia mit grausamer Härte und Beutegier den Rheinübergang frei, und vergriff sich danach als Obrist am Tafelsilber im Preußenlager Friedrich II., mehrere seiner Panduren nieder metzelte, seine Leute zum Raub von Kirchengerät aufforderte und Geistliche mit Schlägen misshandelte... 1743 bereits kämpfte Franz von der Trenck mit seinem Korps am Rhein, wo die Schanzen von Fort Mortier zerstören liess, auf der Insel Rheinmark zwei Redouten im Sturm nahm, wobei er am 3.9.1743 den französischen General Crèvecoeur eigenhändig tötete.   . Gemälde von F. Kautský des Baron Trenck (1756)  Friedrich, der jüngere preußische Leutnant, durfte Friedrich dienen, bis er sich in dessen Schwester verliebte

Villars:

Claude-Louis-Hector de Villars, prince de Martigues, marquis et duc de Villars et vicomte de Melun (1653-1734), Marschall von Frankreich, war einer der größten und berühmtesten Generale der französischen Geschichte, der 1713 im Elsass und in Baden befehligte. Er zwang Landau und Freiburg im Breisgau zur Übergabe, bevor er mit dem Prinzen Eugen den Rastatter Frieden verhandelte

Voltaire:

Francois-Marie Arouet (1694-1778) französischer Vordenker der Aufklärung verbrachte 30 Jahre im Exil, auch beim Preußenkönig Friedrich der Große (dem alten Fritz) oder bei der russischen Zarin Katharina der Großen, wenn er nicht gerade im elsässischen Colmar verweilte

Weißenburger Linien: 

die Redouten (Schanzen) im Grenzwald an der Lauter aus den europäischen Erbfolgekriegen - Redoute bezeichnet im Festungsbau eine geschlossene Feldschanze, die nach allen Seiten von gleich starken Brustwehren umgeben ist und ausschließlich vorspringende Winkel aufweist. Die Redoute war meist auch mit Hindernissen für Artillerie und Infanterie versehen. Hier an der Lauter mit dem schwer begehbaren  Sumpfwasser der sich wild schlängelnden Lauter.

welsch - wälsch: 

CH: wältsch, welgsch: Adjektiv für romanisch, italienisch, französisch. Wälsch ist eine Ableitung aus dem Volksnamen Wahle, mit dem die Germanen ihre südlichen und westlichen Nachbarn bezeichneten. Vgl. auch Kauderwelsch (CH: Chuderwelsch). Mit der Silbe "wal" bezeichneten die deutschsprachigen Alemannen von Welschen oder Romanen besiedelte Gebiete. Lateinischen: val, valle, vallis, Wallis als Eigenname sowie vallum (Wall) oder vallus (Pfahl). Das 'wal / val' ist germanischen Ursprungs, stammt ab von 'Walhos', womit die Germanen die anderssprachigen und andersartigen Kelten bezeichneten (Wales, Comwall). Keltisch und besonders Keltoromanisch waren den ähnlich klangen romanischen Sprachen verwandt. Die Germanen bezeichneten auch diese mit 'walch', woraus im Deutschen das Wort "welsch" entstand.

Welschkorn: 

aus Hebels Werke 3. Teil herausgegeben von Adolf Sütterlin zu Leipzig : Merke: Wenn du auf ein paar Batzen nicht zu sehen hast, so mußt du das Büchlein kaufen und deinen Mitbürgern, die es nicht selber anschaffen können, auch guten Rat daraus erteilen.

Welschkornfelder: 

sind badische Maisfelder, heute anstatt Hanf, Flachs und Hopfen - neben wenigen Tabakfeldern - zum Schaden der Ackerböden zur Pestizid behandelten Monokultur missraten. Maiskörner kamen durch Kolumbus aus der Karibik. Als türkischer Weizen 'grano turco' (CH: Türgge) aus dem Vorderen Orient über das welsche Italien. Es erinnert an fremde Einflüsse und abwertend Fremdländisches, wie sie am Oberrhein die Bevölkerung seit jeher vermischte, wenn auch all zu oft durch Völkerwanderungen und Kriege.

welsches Teufli:

Ich armes welsches Teufli bin müde vom Marschieren, bin müde, bin müde vom Marschier'n. Ich hab verlorn mein Pfeili aus meinem Mantelsack, sack, aus meinem Mantelsack. Schad't nichts, ich hab's gefunden, was du verloren hast, was du verloren hast. (Mündliche Überlieferung) 

 

 

 

 

1870/71, Schlacht bei Woerth:

1870..,71 für das Elsass dunkle Jahre. Bei Wissembourg, beim Städtchen Woerth, trafen die Heere aufeinander. 38 Tausend Franzosen standen 120 Tausend Deutschen gegenüber. 10 Tausend Tote blieben auf dem Schlachtfeld, das von den siegreichen Deutschen zur Stätte des Gedenkens ausgestattet wurde. Denkmäler für das württembergische Liga-Batallion, die Westfalen, Preußen,  hessische Artillerie und Thüringer. Wie konnten diese Steintürme und Obeliske noch zwei weitere, grauenvolle Kriege überstehen?  Und wozu, für die Machtpolitik des erbgeschädigten Kaisers der Franzosen?


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Das regional erneut grausige 18.Jahrhundert

die heute aktuelle Seite hochladen Fortsetzung: von Hungersnot zum Spanischen Erbfolgekrieg der Habsburger, Kaiserliche gegen das Franzosen-Bayern-Bündnis, der Türkenlouis und seine Dragoner, Friedensschluss zu Rastatt mit Freiburg, Alt-Breisach und Kehl - nach der Kuckucksuhr folgte der Österreichische Erbfolgekrieg, Maria Theresia's 2. Schlesischer Krieg gegen Frankreich und Preussen - wieder um Lothringen - der Kaiserin scheußlichster Trumpf war Trenck der Pandur - der Ungar Nàdasdy schleuste ihre Soldaten rund um die Weissenburger Linien über den Rhein - durch Prinz Karl von Lothringen's Scheinangriff - Redouten und Pandurengraben nebst verlassener Hochbarr - Hansjakobs Pandur als Vogt auf dem Mühlstein - Goethe bei Friederike - "Ein Schrei übertönte die Marsaillaise: Brot! Brot! Brot!" - Jakobiner in Straßburg: Frankreichs geköpfte Monarchie - Napoleonische Massenschlachten, Napi's Meuchelmord an Kleber, seine Abschaffung der Leibeigenschaft und des Heiligen Römischen Reiches deutscher Nation zum Großherzogtum Baden - das Welschkorn anno 1809 - die 'heckrische' Ortenau und ihre Meuterei im Rastatter Schloss - Wissembourg und Woerth um 1870

à propos:  Trotz den 30jährig langen, heftigen Kämpfen des 17. Jh. rissen die kriegerischen Auseinandersetzungen auch nach dem Westfälischen Frieden von 1648 nicht ab: noch zweimal hieß es 'Frankreich gegen Spanien', dreimal 'England gegen Holland', 'England gegen Spanien', 'Schweden gegen Polen', 'Frankreich und Schweden gegen Holland' plus eine anti-französische Allianz 'Österreich und die Heilige Allianz gegen die Osmanen' das Europa, ganz zu schweigen von zahlreichen internen Streitigkeiten.

I - I: Gesellschaftsumbruch und Hungersnot 

  Claude-Louis-Hector de Villars

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Claude-Louis-Hector de VillarsLink

Auch meine Region war von Hungersnöten betroffen, der steten Forderung nach Brot. Der französische Dichter Stendhal führt euch in seinem Weltroman (Le Rouge et le Noir) zu ihren Anfängen. Für die Männer gab es vorwiegend nur den Dienst bei Adel oder Kirche um sein Auskommen zu finden. Rot für die Uniform oder Schwarz für den Priesterrock. Für die einfache Landbevölkerung bedeutete beides Pein. Was es jedoch für die hungrige Bevölkerung von Land und Städten bedeutete, kein anderes Auskommen zu finden, war nicht von Interesse. Ein weiterer Franzose, der Agrarwissenschaftler Noël Chomel (1633-1712), reagierte mit seinem ins Deutsche, Englische und Holländische übersetzten Hauptwerk 'Dictionnaire Oeconomique' 'mit allerlei Natürlichem, wie der frz. Dichter Voltaire als erster Lexika-Verfasser seiner Zeit, aufklärend gegen die Misere. "...drey gute hände voll das grüne von den welschen nüssen" ...in der Regio fand sich wieder nicht die Muse das Holz mit diesem Farböl zu bestreichen.

Der Spanische Erbfolgekrieg (1701-1714) war ein europäischer Krieg, der um das Erbe des letzten spanischen Habsburgers, König Karl II. von Spanien, geführt wurde. In ihm entlud sich noch einmal der seit 200 Jahren schwelende habsburgisch-französische Gegensatz. Im Reich gingen die Kaiserlichen zunächst gegen die Fürsten vor, die sich auf die Seite Ludwigs XIV. stellten und besetzten sie. Es ging den Kaiserlichen darum, die Vereinigung der Franzosen mit den Bayern zu verhindern. Zu diesem Zweck wurde am oberen Rhein eine Armee unter Markgraf Ludwig Wilhelm (Baden) aufgestellt, welcher die französische Armee des Marschall Villars gegenüberstand. Der Markgraf eroberte am 9. September 1702 Landau in der Pfalz. Am Morgen des 14. Oktober 1702 trafen sich die Heere in der unentschiedenen Schlacht mit Truppen der französischen Festung Hüningen (Huningue) am südlichen Oberrhein, unter Führung von Herzog und General Louis Hector de Villars, mit 20.000 Soldaten und 33 Feldgeschützen über den Rhein gekommen. Mit ihrer Kavallerie nahmen sie die Festung Friedlingen ein um sie zu zerstören. Die blutige Schlacht am Tüllinger: die wohl gleich starke Habsburger Armee, des kaiserlichen Reichsfeldmarschall Markgraf Ludwig Wilhelm der Erste von Baden, seit den Auseinandersetzungen vor Wien auch 'Türkenlouis' genannt, mit Infanterie-Einheiten beider Armeen trafen am Käferholz ('Chäferhölze', einer Erhöhung bei Tüllingen) in blutiger Schlacht aufeinander. Für das Erbe der Habsburger mussten dabei 335 Kaiserliche ihr Leben lassen, mehr als doppelt so viele Verwundete waren nebst 900 als vermisst oder gefangen Gemeldeten zu beklagen. Für den König von Frankreich Ludwig XIV. mussten 1.703 Infanteristen ihr Leben geben, mit dem Rest ihrer Infanterie und 2.601 Verwundeten zogen sich die Angreifer wieder über den Rhein zurück. Zwischen Weil und Haltingen wurden die Gefallenen im Massengrab beerdigt. Die Zivilbevölkerung von Weil und dessen Gehöfte hatte diese militärische Besatzung arg gebeutelt. Die vom französischen Sonnenkönig geplante Vereinigung mit der Infanterie der bayrischen Wittelsbacher wurde so badischen Markgrafen vorerst verhindert. Nach dieser Schlacht wich das französische Heer wieder hinter den Rhein zurück, womit eine Vereinigung mit den Bayern vorerst verhindert worden war.

I-II.: der spanische Erbfolgekrieg, nicht nur am Rhein eine Patt-Situation ohne große Sieger

1702 wurde die Queich von Germersheim bis Landau befestigt. Die Gegend um Bühl (Nordschwarzwald) wurde erneut Kriegsschauplatz. 1703-1707, unter dem Oberbefehl des 'Türkenlouis' konnte die Bühl-Stollhofener-Linie verteidigt werden. Frankreichs bedeutendster Marschall Villars stand mit seinen Dragonern dem s.g. 'Türkenlouis' erneut gegenüber, nachdem dieser bereits am 9. September 1702 Landau in der Pfalz eroberte. Am Rhein operierte unterdessen eine weitere französische Armee (ca. 14.000 Mann) unter Marschall Tallard. Dieser eroberte Breisach am 7. September 1703 sowie Landau in der Pfalz am 17. November 1703. Somit waren das Habsburger Territorium zusammen mit Landau und Breisach wieder an die Frankreich verloren. Auch Nassau fiel Anfang 1704 in die Hände des Kurfürsten, und der Kaiser, der gleichzeitig einen Aufstand in Ungarn zu bekämpfen hatte, sah sich schon in seinen Erblanden bedroht. Derart von den Verbündeten verlassen, konnten weder der Kaiser noch Prinz Eugen mehr etwas ausrichten, zumal die Reichsfürsten sich als "sehr saumselig und unzuverlässig zeigten". Am Rhein standen sich die gegnerischen Heere zunächst untätig gegenüber. Erst im Spätsommer 1705 manövrierten die Heere wieder auf beiden Ufern des Rheins, und bis Jahresende besetzte Ludwig von Baden die Moderlinie und eroberte Hagenau und Drusenheim. 1706 am Rhein, musste Ludwig von Baden wieder rechtsrheinisch zurück weichen, denn alle Vorjahreseroberungen fielen wieder Marschall Villars zu. Villars Entsendung von 12.000 Mann gen die Niederlande brachte Operationsstillstand. Ludwig von Baden erkrankte schwer und starb im Januar 1707; zuvor jedoch übergab er das Oberkommando an General Hans Karl I. Graf von Thüngen ab. Dieser ergriff erneut die Initiative, setzte über den Rhein und drängte die französischen Truppen hinter die Lauter zurück. Am 23. Mai 1707 ergriff Marschall Villars die Initiative und überquerte  den Rhein, um die Stollhofener Linien zu erobern und sich in Baden einzurichten, ohne jedoch weiter über den Schwarzwald vorzugehen. Zur gleichen Zeit übernahm Kurfürst Georg von Hannover den Befehl über das Reichsheer und drängte die Franzosen im Herbst wieder linksrheinisch zurück. Durch die Friedensschlüsse (Friede von Utrecht) gab es in diesem Jahr nur noch einen Kriegsschauplatz am Rhein. Dort übernahm Prinz Eugen von Savoyen den Befehl über die österreichischen Truppen und das Reichsheer, er sollte sich jedoch defensiv verhalten. Der Marschall Villars nahm am 20. August 1713 Landau ein, brandschatzte die Pfalz und Baden und eroberte am 16. November Freiburg im Breisgau, worauf er Prinz Eugen Friedensunterhandlungen anbot, welche auch am 26. November 1713 zu Rastatt eröffnet wurden.  Er rückte jedoch nicht weiter vor, da bereits am 26. November zu Rastatt Friedensunterhandlungen eröffnet wurden.  Der Friedensschluss zu Rastatt, am 7. März 1714 zwischen Frankreich und dem Kaiser (Österreich) zu Rastatt abgeschlossen, hinterließ am Oberrhein rechtsrheinische Städte, wie Freiburg, Alt-Breisach und Kehl als "wieder ans Reich gebunden". - Doch für den gelben Mais, wie den Zuckermais, das hiesige 'Welschkorn', dieses "Sonnensohnes der Indianer" waren Italien und Ungarn längst die geeigneten Anbaugebiete. 

In den nachfolgenden Jahren um 1740-50 erklangen aus Schönwald und Neukirch im Schwarzwald erste Kuckucksrufe der ersten Kuckucksuhr in die weite 'Uhrmacherwelt'. Konstruktive Kreativität hölzerner Zahnräder! Diese neue Zeit der Figuren- und Musikuhren, holte zuerst die Schwarzwälder, Phantasie anregend aus ihrem Dornröschenschlaf. Selbst dann, wenn die Kuckucksuhr womöglich keine Schwarzwälder Uhrmacher-Erfindung war. Nach Holzräderuhren mit Waagbalken als Gangregler oder mit Spindelhemmung, mit einem Feldstein an einer Schnur als Gegengewicht, kamen 1750 die klassisch langen Schwerkraftpendel in Mode. Durch ihre wöchentliche Massenanfertigung: einer Uhr pro Uhrmacher, verzehnfachte sich um 1780 diese mit zwei Uhrmachern. (Nach 1810 erreichte man im Schwarzwald jährlich eine Fertigung von 150.000 bis 200.000 Uhren, nach 1840 sogar um die 600.000. Ab 1845 entgegnete man der Krise der Schwarzwälder Uhrmacherei mit einer Hilfsmaßnahme, 1850 die “Großherzogliche Badische Uhrmacherschule Furtwangen“ gegründet.) - In der freien Rheinebene des Elsass jedoch, pendelten derzeit die 'Habsburger politischen Uhren' einen anderen Takt zu den preußisch-lothringischen 'Schilderuhren'. 

I - III.: Der österreichische Erbfolgekrieg

  Kaiserin der Habsburger - Maria Theresia vom Wiener HofLink

 

 

 

 

 

 

 

Im Elsass sollte wieder keine Ruhe einkehren - immer wieder Auseinandersetzungen mit den Lothringern! Kaiser Karl VI. von Österreich stirbt am 20. Oktober 1740. Seine Tochter Maria-Theresia (1717-78) heiratete 1736 Franz von Lothringen und beerbte ihren Vater. Eines ihrer 15 Kinder war Marie-Antoinette. Ab 1740 war sie österreichische Kaiserin. Der österreichische Erbfolgekrieg geführt zugunsten des Bayern Karl-Albert gegen Maria-Theresia. Das Abkommen von Nymphenburg vom 28. März 1741 führte zur Allianz von Frankreich, Spanien, Bayern, Sachsen und Polen gegen Maria-Theresia. Die Allianz zwischen Frankreich und Preussen erfolgte am 5. Juni 1741. Maria-Theresias österreichisches Erbe wurde unter den männlichen Größen ihrer Zeit nicht respektiert. Den, im absolutistischen Europa die freie Meinungsäußerung propagierende, Preuße Friedrich der Große gelüstete es nach dem Anschluss ihres Niederschlesiens. Frankreich unterstützte den in Frankfurt unter dem Namen Karl VII. zum deutschen Kaiser gewählten Bayern Karl-Albert  (24. Januar 1742) gegen ihren Gatten Franz von Lothringen. Als die Habsburgerin Maria Theresia  nach der Befreiung Tschechiens anno 1743 in Prag die Königskrone von Bischof Manderscheid empfangen wollte, verbannte er sie wegen Treuebruch auf eines seiner in seiner Regentschaft stark vermehrten erzbischöflichen Güter. Durch diese Einmischung Frankreichs in den Erbfolgekrieg verlor ihr Ehemann Franz sein Herzogtum Lothringen. Das unumschränkt monarchisch herrschende Frankreich hatte gerade den Plan Deutschland in fünf gleich große Staaten aufzuteilen. Im Polnischen Erbfolgekrieg entging ihr dieses Erbe wieder durch die Unterstützung Frankreichs, dieses Mal des polnischen Schwiegervaters Ludwigs XV. Den in Polen gewählten, dortigen Ex-König Stanislas Leszczynski und späteren Mäzen von Nancy. Lothringen der aufkommenden Stahlindustrie wegen an Frankreichs Angelhaken, wurde ausgetauscht durch das bankrotte Herzogtum Toskana. Die zahlreiche Reformen einführende Kaiserin spornte also ihre selbst gewählten Generäle zur Verteidigung ihres Elsass-Lothringen-Erbes an. Österreich verbündete sich mit England gegen Frankreich und Spanien.  

à propos:  Johann Moritz Gustav von Manderscheid-Blankenheim seit 1685 Domizellar in Köln und Straßburg. Er durchlief verschiedene Positionen Kurkölnischer Verwaltung nebst Kurfürstlicher Rat Kurtriers. Dort wurde Kaiser Karl VI. auf seine diplomatischen Tätigkeiten aufmerksam, machte ihn zu seinem Geheimrat und nominierte ihn 1721 zum Bischof der Wiener Neustadt. Nach der Priesterweihe empfing er 1722 die päpstliche Bestätigung als Bischof. In Köln anno 1725 zum Dompropst gewählt, nominierte ihn Kaiser Karl VI. 1733 als Erzbischof von Prag, zur finanziellen Sanierung seines kleinen Bistums; bis zur päpstlichen Translation, die ihn als Erzbischof inthronisierte. Hier führte er die vom Kaiser angeordnete 'Re-Katholisierung' energisch durch; mit einer staatlichen Religionskommission, dessen entsandte Missionare Manderscheid zu jährlichen Berichten verpflichtet waren. 1741, im bayerisch besetzten Prag, zwang man ihn Kaiser Karl VII. (Kurfürst von Bayern) zum böhmischen König zu krönen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

I - IV.:  Pandurenlärm im Unterelsass

1744 brach der österreichische Erbfolgekrieg auch bei Schreck / Schröck (nahe der Lauter) aus. Zur Vorsichtsmaßnahme aktiviert ließ der Militärbefehlshaber des Elsass, de Chénier, an der Queich beginnend die alten Lauter-Verteidigungslinien (Redoute*) wieder errichten. (*: der militärische Einsatz dieser Redouten reichte bis in die Wasser führenden Riedgräben: Im Großen Ried der Ill-Niederung um Schlettstadt). Die Lauter-Linie (Weißenburger Linien) war die militärisch befestigte, strategisch sehr wichtige französische Grenze zwischen Weißenburg und Lauterburg während des spanischen Erbfolgekrieges (1701-1714). Die noch immer eindrucksvollen Reste (Schanzen, Festungen) könnt ihr bei der Bienwald-Wanderung im Grenzwald entdecken. Auf der linken, pfälzischen Rheinseite, am Lerchenberg (Gemarkung Kapsweyer) kämpften die berüchtigten Panduren gegen die Franzosen. Am 27. Juni 1743 zog sich der geschlagene, frz. Feldmarschall von Noailles mit 36.000 Mann auf die linke Rheinseite zurück, südlich der Queich mit Auge auf die nun, seit dem Rastatter Frieden zum Spanischen Erbfolgekrieg, frz. Festung Landau, um die Habsburger Koalitionstruppen am Einmarsch im Elsass zu hindern. Die Queichlinie bestand aus mehreren Redouten am kurpfälzischen Oberamt Germersheim gelegen, die das dahinter liegende Lager  der Armee Noailles  decken sollten, ehe man sie am 23.9.1743 aufgab und bald darauf zerstörte. Die Redouten an den Offenbacher Mühlen konnten von den Franzosen schon eingenommen werden.

Maria-Theresias schlimmster Trumpf in ihrem habsburgischen Erbfolgekrieg war Trenck, ein 'scheußlich gewaltiger Mensch'. Im Rheinkrieg bei Philipsburg habe er 'mit einer Handvoll' Panduren den Strom durchschwommen und die Schanzen erobert. Ganz allein, als erster Posten im Elsass, ermöglichte er der Armee Habsburgs den Rheinübergang. Ein gefürchteter Abenteurer in den abergläubisch frommen Erblanden Habsburgs. Sie trumpfte auf mit einer schnauzbärtigen, irregulären österreichischen Reitereinheit, die nicht in aufgereihten Linien kämpften, vermutlich im heutigen Kroatien aufgestellt, unter dem Kommando des durch Untaten berüchtigten Panduren Baron Franz Freiherr von der Trenck und dem Ungarn Leopold Nàdasdy. Letzterer arbeitete mit dem Prinzen Karl von Lothringen und der Bar (Rocher du Saut du Prince Charles nennt sich der Fels des Karlssprung, auf dessen Felsvorsprung am Col du Saverne sich der Botanische Garten befindet, wo dieser lothringische Herzog im Eifer des Gefechts mit seinem Pferd hinab gesprungen und tief unten unversehrt angekommen sein soll.) im Juli 1744 dort den Präzisionsplan aus zur Rheinüberquerung* bei Schröck / Schreck aus. Er wurde erfolgreich durchgeführt während der wilde Oberst Trenck mit seinen Panduren die bayerischen Vorposten beschäftigte. Die Vorposten Nádasdys überquerten in der Nacht des 30. Juni 1744 mit Ruderbooten ohne Verluste den Fluss, über den währenddessen eine Bootsbrücke geschlagen wurde, die es 6.000 Mann erlaubten den Rhein zu überqueren. Tags darauf stand Prinz Karl vor seinen Truppen am gegenüberliegenden Rheinufer. 

à propos:  Carte du cours de la Queiche de puis Anwiller jusques au Rhein où est marquée la ligne que l'Armée du Roy a formée sous les ordres de Monsieur le M.al de Noailles de puis le 1. de 7br jusquesau 22. 1743 - - - *: Rheinüberquerung: anno 2001 gelang dem in Illkirch-Graffenstaden stationierten, ersten "Régiments du génie" die ca. 230m-Überquerung motorisiert schwimmend in 30 Minuten zwischen Rhinau und Schoenau.

Als die Panduren Lauterburg einnahmen, sich im Ausrufen schrecklichster Drohungen in die trockenen Schutzwälle der einstigen Redouten warfen, verlor der französische Kommandant Gensac den Kopf. Er zog sich kampflos zurück. Nordwestlich des Col de Saverne wurden, unter Befehlen von Trenck und Nádasdy, die Erdanhöhen des Fossé des Pandours zu Schutzgräben befestigt. Sie sollten Saverne gegen eine französische Armee schützen, die von Lothringen her auf dem Wege war. Die Panduren aber gaben die Stadt ohne einen Schwertstreich auf. Auf der südlich über der Zorn gelegenen Burg Hohe Barr ein (Hoch-Barr, Haut-Barr der Herren von Geroldseck und alter Bischofssitz) wurden sie unter Steinbewurf empfangen. Als die Panduren bemerkten, dass es sich dabei um einen Bauernjungen handelte, warfen sie ihre Leitern aus, um den einzigen Verteidiger dieses mächtigen Bischofsitzes ihre Kapitulation gegen die seine anzubieten, die auch angenommen wurde.  Generalfeldmarschall de Coigny gelang es seine Truppen im Elsass zusammenzuziehen. Unter Nachhilfe der Truppen des lothringischen Herzogs von Harcourt nahmen diese Österreicher noch einmal den gleichen Weg über den Rhein zurück. 25 Truppenverbände aus mehreren Kompanien und 33 Schwadronen des Feldmarschalls Noailles die Schlettstadt erreichten trieben sie über ihre, in Drusenheim und Beinheim gebauten, Boote. Friedrich der Große erklärte sich abermals gegen die ungarische Königin Maria Theresia

à propos: „ ...vielleicht auch vertrug er es nicht, dass nun auf allen höchsten Sitzen Europas Weiber aufragten“  (wie im gleichnamigen Roman eines Günstlings von Bruno Frank vermutet über o.g. Pandurencousin und Erbe: Friedrich Freiherr von der Trenck.) Sie zog ihre Truppen zurück und beendete so den Pandurenlärm im Unterelsass. - 26 Jahre später überquerte ihre Tochter, auf der Brautfahrt nach Frankreich, die Erzherzogin von Österreich, Maria Antonia, die spätere französische Königin Marie Antoinette, den noch wilden Oberrhein. Sie übernachtete dort in der Benediktinerabtei Schuttern, 'Offoniscella' und 'Offunwilare', dem einst ältesten Kloster der Region und Namensgeber von Offenburg (Kreisstadt in der badischen Ortenau). Die Zelle des adelig irisch-schottisch christianisierenden Mönches 'Offo' soll ins Jahr 603 zurück führen. zum Bericht des Lahrer Hinkenden Boten über das Kloster in Schuttern - - - Anlässlich der 1400 Jahrfeier Schutterns gab es im Juli 2003: "Marie Antoinette in Schuttern" als Freilicht-Theateraufführung vor prächtiger Kulisse um die Nacht des 6. Mai 1770 in der Benediktinerabtei bis zu ihrem grausamen Tod. Ludwig XIV. der Sonnenkönig lebte 54 Jahre prunkvollster Regierungszeit, in der Frankreich 32 Kriegsjahre durchlitt. Der entkuttete Franziskanermönch Eulogius Schneider schützte von 1791-93 in Straßburg als aktiver Jakobiner Juden vor dem Schafott und politisch die 'Sansculotten', um im Revolutionstribunal die Todesurteile zu fällen. Mißfiel mit seinem erhabenen Gedicht zur Französischen Revolution und steht im Ruf die Marsaillaise ins Deutsche übersetzt zu haben. Marie-Antoinette, die Friedenshoffnung nach 300 Jahren Krieg zwischen Habsburg und Paris, wurde guillotiniert.

à propos: Beim Schwarzen Adler (bei Biberach) im Kinzigtal befindet sich die Auffahrt zur historischen Gaststätte des Schwarzwaldgehöft Mühlstein, mittelalterliche Gerichtsstätte. Einer ihrer vom Kloster über die Klosterburen eingesetzten Vögte wurde in der Bauernerzählung «Schwarzwälder Blut» als «Vogt auf dem Mühlstein» verewigt. Der Haslacher Volkserzähler Heinrich Hansjakob (1837- 1916, katholischer Pfarrer in Freiburg) erinnert darin an die unglückselige Vogtstochter Magdalena. Ihr Liebster, den sie nicht wählen durfte, war der Pandur « Oehler-Joken ». Dieser Pandur kämpfte 50 Jahre später als Korporal gegen die französischen Revolutionsarmeen. Sein Porträt fand man in der Wirtsstube eben dieser Gaststätte.

Streifzüge: In Oberkirch im Amtshaus beim unteren Stadttor ließ der Straßburger Fürstbischof Louis Constantin Rohan 1759/60 Goldstücke mit den Initialen des Münzmeisters J.G. (Jean Garnot) prägen von 6 Sous bis zu 24 livres.

I-V.: sah ein (Dichter-) Knab ein Röslein stehn...

Goethe und Friederike zu Sesenheim - Ölgemälde von Fritz Reiss Sturm- und Drangdichterzeit in der humanistisch traditionnellen Regio im Dreiländereck. Goethe entschloss sich 1770 zum Jurastudium in Straßburg, um es nach der Promotion in Paris fortzusetzen, und schrieb sich im April auf der Universität ein. Allerdings interessierte er sich wenig für die Rechtswissenschaften, denn er hörte vor allem medizinische Vorlesungen über Anatomie und Chirurgie, daneben beschäftigte er sich mit Geschichte und Staatswissenschaften. Im Oktober, bei seinem ersten Besuch in Sesenheim machte er die Bekanntschaft mit Friederike Brion, der Tochter des dortigen Pfarrers, und gleichzeitig die Bekanntschaft mit Johann Gottfried Herder, der starken Einfluss auf Goethe ausübte. Goethe's eher unfreiwillige Bekanntschaft mit dem ebenso stürmisch drängenden Dichter, Jakob Michael Reinhold Lenz, der 1771 zusammen mit den beiden jungen Gebrüdern von Kleist seinem Theologie-Studium flüchtend, als Hofmeister zweier kurländischer Edelleute nach Straßburg kam, um seine Kant-Ideen zu verfolgen und Goethe, den er als "Bruder Apollo" sehr verehrte: "Für seine Sinnesart wüßte ich nur das englische Wort whimsical, welches, wie das Wörterbuch ausweist, gar manche Seltsamkeiten in einem Begriff zusammenfaßt." (aus: Dichtung und Wahrheit, Dritter Teil, 11. Buch, siehe auch Dritter Teil, 14. Buch). Lenz erste eigenständige Buchveröffentlichung seines Langgedicht's "Die Landplagen", erschien 1769.

Als Goethe im August 1771 nach seiner Promovierung zum Lizentiaten der Rechte von Straßburg nach Frankfurt a.M. abreiste, umwarb Lenz nun seinerseits die so schmählich verlassene Friederike Brion, die jedoch seine Gefühle jedoch nicht erwiderte. Goethe, darauf beim Schöffengericht als Rechtsanwalt zugelassen, fertigte im November seine Niederschrift der »Geschichte Gottfriedens von Berlichingen mit der eisernen Hand dramatisiert« (Erstdruck 1832). - Lenz in seinen Werken zu den Dichtern seiner Zeit: "Komödie ist Gemälde der menschlichen Gesellschaft, und wenn die ernsthaft wird, kann das Gemälde nicht lachend werden. (...) Daher müssen unsere deutschen Komödienschreiber komisch und tragisch zugleich schreiben, weil das Volk, für das sie schreiben, oder doch wenigstens schreiben sollten, ein solcher Mischmasch von Kultur und Rohigkeit, Sittigkeit und Wildheit ist. So erschafft der komische Dichter dem tragischen sein Publikum." - 1776 nahmen Goethe's Schwester Cornelia und ihr Ehemann Johann Georg Schlosser den von Goethe selbst in und aus Weimar verwiesenen Jakob Lenz im badischen Emmendingen auf. Während eines Besuches bei dem Theologen Johann Kaspar Lavater erhielt Jakob Lenz die Nachricht vom Tod Cornelias Tod am 8. Juni 1777 und kehrte bestürzt nach Emmendingen zurück. Einige Monate später fand Jakob Lenz sich beim Arzt und Dichter Christoph Kaufmann in Winterthur ein, welcher Friedrich Maximilian Klinger vorschlug, einem Theaterstück 1776 den Titel "Sturm und Drang" zu geben und damit die Bezeichnung einer deutschen Epoche der Literaturgeschichte prägte. Auch Christoph Kaufmann fürchtete um die geistige Gesundheit seines Gastes und schickte Lenz zum sozial engagierten Pfarrer Johann Friedrich Oberlin (1740 – 1826), dem berühmten Straßburger Pfarrer Papa Oberlin in Waldersbach, einem kleinen Ort im Steintal der Mittelvogesen, im Ban de la Roche, wo Lenz vom 20. Januar bis 8. Februar 1778 ein Refugium fand. (Über diese Zeit erzählt Georg Büchner in "Lenz".) Doch die Symptome einer Schizophrenie verstärkten sich. Nach einem weiteren Aufenthalt in Emmendingen wurde Jakob Lenz im Juni 1779 von seinem jüngeren Bruder Karl nach Riga gebracht, wo der Vater seit kurzem als Generalsuperintendent von Livland amtierte.

à propos:  Goethe's 'Dichtung und Wahrheit' streift das Elsass mit all seinen Schönheiten, neben der filigranen Grazie des Straßburger Münsters auch die schöne, junge, die geheimnisvolle Elsässerin Friederike Brion, Pfarrerstochter aus Sesenheim, schlank mit gewaltigen blonden Zöpfen auf niedlichen Köpfchen, mit heiteren blauen Augen und forschend artigen Stumpfnäschen... So verlassen, da musste der bei Papa Oberlin Zuflucht findende Dichter und unglückliche Hofmeister zweier Barone, Jakob Michael Reinhold Lenz, den der schweizerische Dichter Georg Büchner mit lebendigen Worten verewigte, schwärmend mit dichten. Der Stein auf ihrem Grabhügel in Meißenheim (Ortenau) von 1813 erhielt erst 1866 die von dem Wiener Literaten Ludwig Eckardt verfertigte Inschrift: "Ein Strahl der Dichtersonne fiel auf sie, so reich, daß er Unsterblichkeit ihr lieh."  

Streifzüge: Auf uraltem Siedlungsgelände mit römischen Mauerresten mit Funden Funde aus der Zeit 100 n. Chr., alemannischer und fränkischer Funde aus 712 n. Chr., im badisch-ortenauischen Altdorf bei Ettenheim und Ettenheimmünster teilte der Dorfbach seit dem 14. Jh. das Dorf in die Lehensgebiete des Hochstifts Straßburg (südlich) und der Geroldsecker und ihrer Nachfolger (nördlich). Der reiche Straßburger Handelsherr Johann von Türckheim brachte 1783-87 alle Lehensanteile an sich. An der stelle einer anno 1672 zerstörten Wasserburg ließ er (in der Schmieheimer Straße) vor 1790 das noch heute von der Familie bewohnte Schloss der Freiherrn von Türckheim bauen. 1793 kämpften die Husaren erfolgreich im Koalitionskrieg bei Weissenburg und Wörth: am 13. 10. 1793 erfolgte der Hauptinfanteriekampf um die Lauter-Übergänge vor den Weissenburger Linien. Das hessische Husaren-Regiment durchquerte die Lauter an einer erkundeten Furt und erschien unverhofft als erstes Regiment auf den Verschanzungen, derart vom Feinde überrascht, ergriffen die Franzosen die Flucht und ließen ihre Geschütze zurück. Hoche, ein General mit Oberbefehl über die französische Moselarmee (Moselle) sollte den österreichischen Oberbefehlshaber Wurmser aus dem Elsaß verjagen, dessen Truppen durch Kämpfe, u.a. im Bienwald, stark geschwächt waren. Am 22. Dezember stürmten 90.000 von Hoche's Männer die Redouten von Reichshof und Wörth; ehe Wurmser's Truppen am Geisberg geschlagen wurden am 26. Dezember. Die preußischen Truppen mussten den Rückzug antreten und die Belagerung von Landau in der Südpfalz aufheben, denn in diese somit befreite Festung zog, unter Jubel, General Hoche ein am 27. Dezember.

II: Das Pariser Volk zahlte 90% seiner kargen Einkünfte für Brot 

 Voltaire

 

 

 

 

 

Es musste bis dahin also ständig hungern, zu einer Zeit 'der' Großbourgeoisie und Geldaristokratie. Der Pariser Émile Zola (1840-1902) aus ärmlichen Bohèmeleben hin zur Weltliteratur beschrieb mit 'Kampf zwischen Kapital und Arbeit', zwischen Besitzenden und Besitzlosen in der Industrielandschaft von Bergwerksiedlungen. Die Lohnabhängigkeit wird zu einer neuen Form der Sklaverei. Ihr nennt seinen politischen Roman Germinal : "Ein Schrei übertönte die Marsaillaise: Brot! Brot! Brot!" - In Frankreich arbeitete Denis Diderot (1713-1784), an genau dem, was Abhilfe hätte schaffen können: der Enzyklopädie, einem 35-bändigen Nachschlagewerk zu einem Webstuhl, zur exakten Herstellung eines Pfluges und zur Feldbestellung auch für das welsche Korn. Doch die herrschende Klasse, kirchliche und monarchische Kräfte erfanden die Zensur um ihren politischen Machtanspruch zu verteidigen, gegen den Anspruch genügend Nahrung herzustellen. Die Ausweitung des Handels alleine brachte diese Klasse schon in Gefahr. Zu der Zeit lebte auch der stets im Asyl lebende Franzose Voltaire (1694-1778), der Chefkritiker seiner Zeit bewaffnet mit Komik, Humor, Witz, Satire und Ironie. Mit seiner von euch zugelassenen satirischen Novelle 'Candide, oder der Optimismus' (1759), als offene Kritik an den Missständen seiner Zeit, vor allem gegen die optimistische Weltsicht des deutschen Philosophen Leibnitz gerichtet, erreichte er zwar keine politischen Rücktritte aber die Aufklärung! In Frankreich kostete die Unterstützung der Amerikanischen Revolution viel Geld. Die Regierung war bankrott, die Preise schnellten in die Höhe (mehr als heute an der Dollarbörse), Lebensmittel wurden knapp, Not und Panik brachen aus. Ludwig XVI. fiel nichts besseres ein als die Generalsstände nach Versailles zu rufen um (na was schon!) höhere Steuern zu erlassen. Voltaire, Francois-Marie Arouet (1694-1788), betrieb als französischer Schriftsteller mit spitzer Feder die Aufklärung als Vordenker, während ihm Nachkommende nur davon sprachen. Er kritisierte Tyrannei, Intoleranz und Ungerechtigkeit derart gegenwärtig, dass er oft in Schwierigkeiten war und 2 Mal deshalb in der Bastille gefangen gehalten wurde. Sein Leben war 30 Jahre langes Exil. Der in so manchem Gleichgesinnte Preußenkönig Friedrich der Große, gewährte ihm in den 1750er-Jahren Zuflucht auf Schloss Sanssouci. Mit der russischen Zarin Katharina der Großen pflegte er einen regen Breifwechsel. Von 1754 bis zu seinem Tod lebte er in der Schweiz, ehe sich Frankreich erst nach der Revolution seiner sterblichen Überreste im Pantheon annahm.

Die Aufklärung: der Glaube ann die Menschenwürde und an den Menschen als Individuum war ein Merkmal der Aufklärung, vor allem ausgesprochen in den philosophisch-politischen Ausführungen des Franzosen Jean-Jacques Rousseaus. Seine 1762 verfaßten Abhandlungen "Contrat Social" lieferten als Debatten den Hintergrund für die französische Revolution, indem sie die Freiheitsrechte des Einzelnen ausdrücklich betonten. Nach Paracelsus, offenbarte bereits Descartes die Metaphysik und den Dualismus in allem. Rousseau erinnerte die Geister seiner Zeit, wie Goethe, gar Lenz, wieder im Sinne dieser Vorgänger an die beseelte Natur, die sich hier am Oberrhein deshalb zusammen begegneten. Die Abschaffung von Leibeigenschaft und Folter war also das folgerichtige Ziel der s.g. "Aufklärung".

à propos:  "Colmar ist die von Jesuiten regierte Hauptstadt der Hottentotten" hatte Voltaire übellaunig vermerkt, als er gezwungen war in der ungeliebten Stadt von Oktober 1753 bis November 1751 die Rente zu verzehren, nachdem er am Hof des Preußenkönigs Friedrich II. nicht mehr erwünscht war, um die ihm der Herzog von Württemberg, in Form der Einkünfte aus den Weinbergen von Riquewihr gestiftet hatte, samt einigen Fässern Deputatwein bester Lage. Der große Aufklärer, der gerade an den Annales de l'Empire arbeitete, hatte wenig übrig für die behäbige Bürgerlichkeit der reichen Handelsstadt; und noch weniger für die ihn offen kritisieirenden Jesuiten, die gerade wieder einige Bücher verbrannten. Voltaire: „In Colmar habe ich Rechtsanwälte getroffen, die mehr über die Geschichte des Reiches wissen als die meisten Leute in Wien." -"Colmar aus der Sicht Voltaires Colmar, eine Stadt, die halb deutsch und halb französisch und ganz und gar irokesisch ist... " - "Colmar ist eine frömlerische Kleinstadt voller Schikanen, wo jeder zur Beichte geht, wo keiner den anderen ausstehen kann, und wo geistige Fähigkeiten nur bei einer Handvoll Rechtsanwälte anzutreffen sind, welche das öffentliche Recht Deutschlands kennen..."

II-I: Frankreichs absolut geköpfte Monarchie, die Jakobiner in Straßburg

Rouget de Lisle

 

 

 

 

 

Im Zeitraum vom 14. Juli 1789 bis zum 9. November 1799 vollzog sich der vom Volk erzwungene Übergang Frankreichs von der absoluten Monarchie hin zur Republik. Die Kirche (Erster Stand), der Adel (Zweiter Stand) und der Dritte Stand, das Besitzbürgertum. Im Kampf um das Stimmengewicht gründeten letztere die Nationalversammlung. Mit ihren Parolen 'Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit' kam es auf dem Land zu Bauernaufständen und zur Flucht der Adeligen. Mit dem Sturm auf die Bastille zwischen dem 20. Juli und 6. August 1789 begann die Französische Revolution. Das Volk selbst erzwang so eine bislang neue Gesellschaftsform, die Republik. Keine Bange, es war noch nicht die von Griechen gedachte Demokratie und schon gar die nicht die bereits von Kelten gekannte Gleichberechtigung von Frauen und Kindern; dennoch der erste Schritt in Richtung Industrialisierung als erneute Versklavung der meisten. So geschah es, dass in Straßburg, im Hause des Bürgermeister Dietrich am 26. April 1792, zum ersten Mal die "Marsaillaise" das Revolutionslied gesungen wurde vom jungen Rouget de Lisle (Gemälde). 

Das französische Volk selbst, vertrieb sich seinen qualvollen Hunger im landesweiten Köpfen noch habhaft gewordener, bislang satt bis gelangweilt verprassender Adeliger. Dieses Schicksal traf ebenso ein Nachkomme des bereits vorgestellten Panduren. Der preußisch-adelige Vetter des österreichischen Panduren, Friedrich Freiherr von der Trenck, nun greis und in Paris die tugendliche Freiheit suchend. Einst in Diensten des Preußenkönigs Friedrich II und wegen Liebschaft zu dessen königlichen Schwester Amalie neun Jahre in Ketten gelegt. Obschon seiner bereits europäisch bekannten Figur, hielt es die Pariser Spürhunde des wütend hinrichtenden Robespierre nicht davon ab, ihn als angeblich preußischen Spion zu verurteilen. Nur drei Tage später fiel auch des Richters Haupt auf selbem Richtblock, das Ende dieser grausigen Volksbelustigung. Der Jakobinische Terror im elsässischen Winzerort Pfaffenheim südlich von Colmar : Am 2. Januar 1794 ließ man hier, den wegen  antirepublikanischen Komplotts verurteilten Bürgermeister, den Wirt Dominique Braun, gänzlich ohne Gerichtsakten auf der Guillotine in Colmar hinrichten. Auch warf man ihm vor, er habe so genannte 'widerspenstige' Priester beherbergt, die den Eid auf die Revolution verweigerten. 

Das einfache Volk, die Arbeiter und Kleinbürger, die Revolutionäre in Frankreich 'Sansculotten' (die ohne Kniehosen) genannt, waren auch in Straßburg auf Seiten der Jakobiner, die endlich Politik für sie machten. Es bedurfte jedoch keiner Kniehosen noch Bürgerschicht, um ans Revolutionsziel zu gelangen. 1791 ging kam der 35jährige, entlassene Franziskanermönch Eulogius Schneider in das von der Revolution geprägte Straßburg. Er war bischöflicher Vikar, Professor am Seminarium, Prediger im Straßburger Münster, Herausgeber und verantwortlicher Redakteur der ab Juni 1792 veröffentlichten Zeitschrift „Argos“ und zeitweilig Präsident des Straßburger Jakobinerclubs. Dieser 'vormals Priester und geborener Untertan des (deutschen) Kaisers', verhängte Todesurteile im Revolutionstribunal, sei als solcher 'in Straßburg mit einer übermäßigen Pracht eingefahren, von sechs Pferden gezogen, von Gardisten mit bloßem Säbel umgeben'; worauf man diesen frisch Vermählten (mit einer Tochter eines Straßburger Weinhändlers) am 15. Dezember 1793 auf dem Straßburger Paradeplatz (Place Kléber) an die Guillotine band. Auch dieser sozial gesinnt gefürchtete Kosmopolit wurde am 1. April darauf in Paris guillotiniert; die Wahrheit seiner Ode zur Französischen Revolution ließ sich geschichtlich nicht mehr rückgängig machen. 1793 wurden Ludwig XVI. und seine politische Gemahlin Marie-Antoinette in Paris hingerichtet, 1799 bereits taucht ein gewisser Napoleon Bonaparte mit seiner Macht-Paranoia als erster Konsul (und weiteres Übel) von Frankreich auf.

à propos:  Moshua Salomon, jüdischer Handelsmann: Der citoyen Schneider war ein echter Patriot und Kosmopolit, ein Mann von Prinzipien. Hätte er nicht seine Hand schützend über uns gehalten und unsere eben erworbenen Bürgerrechte immer wieder verteidigt, mir und meinen jüdischen concitoyens wäre es in der Zeit der terreurs gar übel ergangen. Nicht wenige der geschworenen Feinde Judäas, deren es im Elsaß nur zu allzuviele gab, wollten uns eine "Promenade à la guillotine" empfehlen; das Geringste wäre noch unsere Vertreibung und Deportation gewesen, gegen die der citoyen Schneider immer wieder seine Stimme erhoben.

III: Abgerodete Wälder am Oberrhein 

nach den habsburgischen Erbfolgekriegen und der Französischen Revolution in der Rheinebene wie auf den Berghöhen von Schwarzwald und Vogesen. Auf diese ruinöse Abholzung setzte eine Klimaveränderung ein mit Folgen für ihre Bewohner. Windpassagen, mit nun freier Bahn, richteten die Baum- und Rebblüten zugrunde, verwandelten Regen in Platzregen, die Berge in eine nackte Felslandschaft, und die Rheinebene in brennend heiße Felder. Anno 1788 fiel die Ernte wegen Regenmangels aus; vielleicht einer der Gründe für die Französische Revolution von 1798, als man schon vermutete, dass die Auswirkungen dessen für den Mensch auch nicht gesund sein könnten; das ungesunde Klima der Rheinauen ist nicht nur dessen Bewohnern bekannt. Die im Jahrhundert der profitsicheren Massenproduktionen begonnenen, teilweise wahnartigen Monokulturen trugen ihren Teil bei zu meinem und eurem unselbstständigen Wohlergehen. Wenn auch ebenso unbeständig, wie es die Zeit war seit dem Bauernaufstand bis zum Maisfeld-Labyrinth Grafenhausen; letzteres, welches euch diesen 'welschen' Getreidespeicherfüller näher bringt, und euch vor dem marodierenden Plündern und Jagen bewahrt. Nun, meine Gattung ist nun nicht gerade bekannt für Gesellschaftsformen mit einem sozialen Umfeld. Beim Durchstreifen des Illwald und des Taubergießen bin ich darin längst nicht alleine. Den heutigen Maisfeld-Monokulturen fehlt das Bildnis des Sonnenkorns Kukuruz, welches 'Welsche' bis ins letzte Jahrhundert in slawisch-tschechischen Ländern bei der Ernte noch anzutreffen war, gefeiert mit Fest und Gesang. Adieu an dieses "Maisreben" oder 'Maisrebbeln', dem gemeinsamen Schälen der Maiskolben von Hand. Die Dorfbewohner um die Mitte der Ablademenge herum in kleinen Kreisen verteilt. Das werfen der geschälten Maiskolben wieder in diese Mitte um sie dort in Kisten zu stapeln. Auf abgeernteten Feldern ein starkes Bild und der Preis für die Massenproduktion durch Sä- und Erntemaschinen im Maschinenzeitalter. 

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IV: mit Kriegsdienst anstatt Kirchendienst ins 19. Jahrhundert

brachten weltweite Eroberungszüge mit sich; teilweise auch wichtige Reformen. Der ehrgeizige Offizier Napoleon Bonaparte (1852-1870), ein Korse aus Ajaccio, Napoleone di Buonaparte, ein Autodidakt begann seine Karriere als erster Konsul der neuen Republik und Alleinherrscher am 9. November 1799 in Paris; 1795 bereits mit dem Niederschlagen des letzten royalistischen Aufstands. Nach einer aufgedeckten Verschwörung der Bourbonen (Thronerben, Royalisten) gegen Napoleon im August 1803, also nachdem die Jakobiner Adelsmitglieder köpften, suchte sich dieser, nun erste Konsul und Polizeiminister,  nach deren misslungenen Attentatsversuchen gegen ihn einen aus, den er leicht in seine Gewalt bringen konnte um an ihm das Exempel zu statuieren. Das war der junge, politisch eher unbedeutende Herzog von Enghien (Louis Bergeron), Prinz französischen Blutadels. Einziger Sohn des Louis Henri II de Condé, verheiratet in Ettenheim im Großherzogtum Baden (Ortenau) mit Charlotte von Rohan, und ohne männlichen Nachfolger. Hierher emigrierte er mit seinem Vater 1789 und trat der Emigriertenpartei bei. All dies und die Tatsache,  dass er nur 'einen Steinwurf' weit von Straßburg wohnte, wurde dem Herzog zum Verhängnis.

Dorthin entsandte Napoleon Bonaparte am 14./15. März 1804  ein Kommandounternehmen von 3 Gendarmeriebrigaden und 300 Dragonern, ließ den frz. Prinzen von Ettenheim nach Frankreich entführen, um dort an ihm einen Schauprozess des politischen des Hochverrats zu vollziehen; zur Warnung aller royalistischen Bourbonen. "Ich bin die Französische Revolution": am 2. Dezember 1804 krönte er sich in Frankreich selbst zum Kaiser. Mit ihm begann ein langer Eroberungsweg, ehe derselbige ihn mit seiner eigenen Verbannung überrollte. Beim, im wahrsten Sinne des Wortes, beim 'im Stich lassen' seiner erobernden anstatt befreienden Truppen im Ägyptenfeldzug, soll er seinen prächtig schönen, großen Straßburger Generalfeldmarschall Jean-Baptiste Kleber (1753- 1800) wegen brieflichem zu Hilferuf nach Paris ermordet haben lassen. (Zuvor: verteidigte Kleber das befreite Mainz gegen Truppen aus Preußen und Weimar, also gegen Minister Goethe!

?: War Napoleons Gemahlin, und durch seine Hand gekrönte Kaiserin, Joséphine de Beauharnais deshalb durch den 1794 geköpften, französischen Armeeoffizier Alexandre, Vicomte de Beauharnais verwitwet, weil er Mainz nicht verteidigen konnte? - Napoleons Ägypten-Feldzug wäre ohne den Straßburger Kleber zum Desaster geworden, immer wieder riss er sie aus ihrer Bedrängnis, die Armee und ihren jungen Feldherren, 15 Jahre jünger als er. Unvorstellbar die Strapazen der Söldner, der Verwundeten, der Pestkranken, für die sich Kleber verantwortlich fühlte, im Gegensatz zu Napoleon. Kleber hatte geglaubt, Ägypten solle befreit werden vom osmanischen Joch, statt dessen wurde es erobert. In einem Entwurf fürs Straßburger Denkmal, fasst sich Kleber noch an den Kopf, als wollte er rufen, was tun wir hier. >>>: Beethovens berühmte Heldensymphonie hat als Helden nicht Napoleon, sondern Kleber geehrt im riesigen Trauermarsch, seiner Ermordungs-Dissonanzen und der sieghaften Orientpassage.

 

 

 

 

 

 

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à propos:  Jean Baptiste Kléber anno 1872: Kleberplatz (Klewerplatz auf elsässisch) hieß anno 1230: bei dem Barfüsserkloster. Seine Steinstatue ziert wieder den ehemaligen Pferdemarkt von Straßburg bei der Aubette; damals noch Kaserne am Stadtrand, heute das Zentrum der Innenstadt unmittelbar am Tramlinien-Knotenpunkt 'Place Homme de Fer' (Eisernen Mann-Platz). Als Catherine Trautmanns Innovationen hin zu Europa den Kleberplatz bürgermeisterlich vom Verkehr befreite, befasste sich die Stadt wieder mit ihrem hier am Kavalleriepferdemarkt geborenen Generalfeldmarschall.

Kleber notierte ins Tagebuch: Napoleon sei ein Scharlatan, unverantwortlich, spielt mit Menschenleben. Kleber bittet um Hilfe für seine Truppen, grüßt mit Brüderlichkeit. Ein willensstarker, rothaariger Riese, mit grimmigem Durst nach Gerechtigkeit. Aus der verfahrenen Situation in Ägypten war Napoleon über Nacht geflüchtet, nach Paris in seine Karriere. Kurz darauf, am 14. Juni 1800 wurde Kleber in Kairo erstochen, von einem Mann aus Syrien. Napoleon über Nacht verschwunden, hatte sich nicht verabschiedet. Kleber, ohne Waffen, betrat den schönen Garten eines Hauses, der ihn als Architekt interessierte. Da sprang dieser hier auf ihn zu, der junge Suleiman aus Aleppo, und erstach ihn. Der Schock war groß. Kleber war überaus beliebt gewesen, wurde verehrt und sofort verklärt; gegen den Widerstand Napoleons, der sogar die Annahme des Leichnams verweigerte.

Napoleons regionale Erfolge: 1801 fielen die linksrheinischen Gebiete endgültig entschädigungslos an Frankreich; im Frieden von Lunéville wurde Laufenburg und das Fricktal der helvetischen Republik zugeschlagen, der Rhein zur Landesgrenze erklärt, und damit die zu beiden Seiten des Stroms gelegene Waldstadt Laufenburg geteilt. 1803 mit der Besetzung Hannovers wechselten 3 Millionen Deutsche ihre Nationalität. Auf Druck von Frankreich und Russland beschloss der Reichs- Deputationshauptausschuss die Einziehung und Verstaatlichung der meisten kirchlichen Fürstentümer. Ihrer besseren Kontrolle wegen verblieben von den einst 118 Reichsstädten nur noch 6. Das Benediktiner-Kloster in Ettenheimmünster wurde aufgelöst. Dörlinbach kam mit den übrigen Klosterdörfern Münchweier, Ettenheimmünster, Schweighausen und Wittelbach zum badischen Oberamt Mahlberg. - 1805 wurde Baden zum Großherzogtum erhoben für die Beteiligung an seinem 3. europäischen Koalitionskrieg. Napoleons Niederlage in der Seeschlacht von Trafalgar am 21. Oktober, in deren Folge er seine Annexionspläne in Großbritannien fallen lassen musste, führte zur Kontinentalsperre, seine in Berlin verfügte Wirtschaftsblockade auf die voraus gegangene Seeblockade.  Amerikanischer Wildblütenhonig und Rohrzucker fielen weg. Napoleon förderte den Zuckerrübenanbau, der so manches fremdländisch gewürzte Traditionsgebäck zäher und herber werden ließ.  1806 legte Kaiser Franz II, einem Ultimatum Napoleons Folge leistend, die Kaiserkrone des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation nieder. - 1808 die rechtliche Neuordnung (Code Civil) im damals vollständig unter französischer Kontrolle stehenden Deutschland. Die Umverteilung und Neuordnung des Besitzstandes durch Umwandlung kirchlicher Besitztümer in staatliche (Säkularisation). So geschah es auch "offonis cella", des ältesten Klosters rechts des Rheins. Die Geschichte des Kloster Schutterns von seiner Gründung im Jahre 603 durch den schottischen Mönch Offo bis zur Schließung im Jahre 1806, als Folge der Säkularisierung, wurde bei der 1400 Jahrfeier im Juli 2003 aufwendig dargestellt. Im Zuge der Säkularisation hob Großherzog Karl Ludwig Friedrich von Baden (Markgraf) bereits schon 1802 die Abtei des bereits niedergebrannten Kloster Allerheiligen in Oppenau auf, und zog den gesamten Besitz an sich ohne die Mittel für dessen Erhalt aufzubringen. Die Folgen für diesen geistig und kulturelle Mittelpunkt der Region: die Barfüssigen (Prämonstratenser) verloren ihre priesterliche Existenz im dörflichen Umkreis ihrer Abtei. Es folgten die Versteigerung durch Abbruch und plündernder Raubbau; ... steinerne Zeugnisse des bevorstehenden Umbruchs hin zu ebenfalls steinerner Fabrikgebäude, getragen durch gleichartige Frondienste. 

à propos:  Nobelpreisträger Elias Canetti analysierte in seinem Lebenswerk "Masse und Macht" die von ihm aufgedeckte Paranoiavirusinfizierung Europas Machthaber. Die Liste der vom Größenwahn befallenen Betroffenen ist lang, so auch im 20. Jahrhundert. Vom Pioniereroberer Karl der Große bis ins 20. Jh. sind unter ihnen einzureihen, ein Österreicher in Deutschland und zwei weitere in Italien und in Russland. Für Frankreich, mit ersten Massenschlachten in der 'Avant-Garde' dessen, hat sich der genannte 'kleine Korse' unter ihnen eingereiht.

V: Bevor Baden anno 1805 zum Großherzogtum werden konnte

musste es sich, zusammen mit Württemberg und Bayern, im 3. Koalitionskrieg Frankreich-Spaniens, auf die Seite Frankreichs stellen. Gegen England, Russland, Österreich und Schweden. Die Resultate:

Rheinbund 16 deutscher Reichsstädte unter französischer Kontrolle und Gesetzgebung (Code Civil)

Kaiser Franz II verlor dabei seine Kaiserkrone

4. Koalitionskrieg gegen Frankreich, den Preußen nicht überlebt

die Befreiung der Bauern aus der Leibeigenschaft am 9.10.1807

Beginn der Befreiungskriege gegen Napoleon 120.000 Mann fallen in der bisher größten Völkermassenschlacht bei Leipzig

die Neuordnung Europas durch den Wiener Kongress, die Säkularisation.

à propos:  1806 Baden wird Großherzogtum Zoff im Hause Baden: Die Vorgänge um die Erhebung Badens zum Großherzogtum sind nur aus alten Akten und Schriften zu ermitteln: Markgraf Carl Friedrich zeigte sich zutiefst unzufrieden. Trotz der Bestechungsgelder an Napoleons Umgebung wurde das Land nicht - wie die ungeliebten Nachbarn in Württemberg und Bayern - zum Königreich erhoben, es war zu klein und zu arm. Auch die Zwangsheirat seines Enkels Erbprinz Karl mit Stéphanie de Beauharnais nutzte nicht viel. Napoleon hatte die Nichte seiner Ehefrau Joséphine auf Druck Badens adoptieren müssen, um sie standesgemäß für diese Ehe zu machen.

 à propos:  Für die Schweizer Eidgenossen während der Helvetik und der von Napoleon ihnen aufdiktierten Mediation waren das Wallis, Genf, Neuenburg und das Fürstbistum Basel (Teile des Elsass und heutiger Kanton Jura) Frankreich einverleibt worden. Die Siegermächte hatten alles Interesse, dass sich diese Gebiete von Frankreich lösten und als eigenständige Kantone zur Schweiz kamen. Nur das Elsass blieb bei Frankreich. Neuenburg erhielt wieder einen Sonderstatus, es war bis 1857 sowohl ein Kanton der Schweiz als auch ein preußisches Fürstentum!

XI:  Kaiser der Franzosen, Napoleon' (III) Massenschlacht: die Schlacht bei Woerth

Im Nordelsass, im schönen Sauertal, erinnert in Woerth (Wissembourg) ein Kriegs-Museum 6 août 1870 an diese unselige Zeit, vor den noch bevorstehenden, Jahren 1870, ..71 - für das Elsass dunkle Jahre. Auf der flach hügeligen Freifläche vor dem Städtchen Woerth trafen die Heere aufeinander. Nach einem ersten Sieg der Franzosen am 2.8.1870 bei Saarbrücken gewannen die deutschen Armeen ab dem 4.8.1870 Schlacht um Schlacht. 38 Tausend Franzosen standen 120 Tausend Deutschen gegenüber. Die französischen Kräfte erreichten noch einen vorübergehenden Erfolg bei Fröschwiller, aber die deutsche Seite setzte gegen das Dorf 102 Geschütze ein. Außerdem stand der französischen Rheinarmee nebst französischer Truppen bereits die deutsche Kavallerie im Rücken. In dieser aussichtslosen Situation entschloss sich Mac Mahon zum Rückzug auf Zabern (Saverne). Zwar leisteten Teile der französischen Reserve noch Widerstand, aber gegen 17 Uhr war die Schlacht beendet und die sich massenhaft in Auflösung befindlichen des Kommandanten der Rheinarmee Mac Mahons zogen sich überstürzt durch Zabern auf Pfalzburg, Saarburg und Lunéville zurück. Ein Teil der Armee wählte die Richtung nach Bitsch, und einige tausend Mann wandten sich nach Straßburg. Diese Infanterieschlacht mit Husaren und Schützen kostete ca. 19.000 Franzosen und ca. 11.000 Deutschen das Leben zugunsten der damals schon agierenden, von Emile Zola seinem Roman weit reichend erfassten, Börsenspekulanten. 10 Tausend Tote bleiben auf dem Schlachtfeld, das von den siegreichen Deutschen zu einer Stätte des Gedenkens für die beteiligten Regimenter ausgestattet wurde. Da gibt es heute noch Denkmäler für das württembergische Liga-Batallion, die Westfalen, Preußen, an der D27 beginnend mit dem Rotsandsteinern für die hessische Artillerie und für die Thüringer. Und sie stehen wohl erhalten und gepflegt da. Und man greift sich an den Kopf, wie alle diese aufwendigen Steintürme und Obeliske noch zwei weitere, grauenvolle Kriege überstehen konnten - ohne dass die Sieger, das waren ‘mal die Franzosen, dann die Deutschen, dann wieder die Franzosen, noch einmal die Deutschen, und nun wieder die Franzosen - offenbar jemals versucht hätten, dieses Zeugnis des Irrsinns, aber auch des treuen Angedenkens zu nahe zu treten. Um das gewaltige Erinnerungsmal der Bayern in der Ortseinfahrt wäre es besonders schade. Eine liebenswerte Mesalliance wilhelminischen Pomps und bayuvarischer ‘mir sann mir’-Folklore.

à propos:  Infos zur Schlacht bei Woerth (Preußen-Kriege empfohlener Link) Napoleon III. erklärte am 19.7.1870 Preußen den Krieg, nachdem er seine Empörung über eine mögliche Besteigung des spanischen Throns durch den Erbprinzen Leopold von Hohenzollern nicht zügeln konnte; und dies als willkommenen Anlass zur Kriegserklärung an Preußen nahm. Obwohl die spanische Krone durch das Haus Hohenzollern abgelehnt wurde, kam es dennoch zum Krieg mit Preußen. Für Napoleon das Erbgut der Massenschlachten dem sich die Armeen der nord- und süddeutschen Staaten anschlossen. 658.000 französische Soldaten (inklusive Kolonialarmeen) standen 936.707 Soldaten der verbündeten Staaten gegenüber. Preußische, Thüringische, Hessische, Nassauische, Niederschlesische Infanterie-Regimenter, Schützen und Husaren.

VI: Das Welschkorn anno 1809 von J.P. Hebel

"Jedermann kennt das sogenannte Welschkorn; am besten hierzuland kennen's die Gänse. Aber nicht jedermann weiß, wo es herkommt, und wieviel man damit anfangen kann. Ein kräuterkundiger Mann - der Hausfreund hat schon manch Schöpplein mit ihm getrunken und schon manch Paar Sohlen mit ihm durchgelaufen - der hat's herausgebracht. Das Welschkorn ist nicht hierzuland daheim, etwa wie der Baldrian oder der Gute Heinrich oder das Tausendguldenkraut, sondern in Amerika, in der Neuen Welt. Eh' Amerika entdeckt wurde, hat man in Europa nicht gewußt, daß es Dinkel und Roggen gibt. 

Bisher hat man das Welschkorn fast bloß zur Mastung angebaut und benutzt. Aber das ist ein großer Fehler. Denn Erstlich, so kann man aus dem Welschkorn, wenn man ins Große anpflanzt, Zucdem Engländer abzukaufen. Diese Pflanze, von welcher der Zucker kommt, sieht aus wie die Welschkornstaude. Sie hat ein lockeres, saftiges Mark wie die Welschkornstaude, aus diesem Mark wird der Saft ausgepreßt und der Zucker daraus gekocht.  Das kann man nun mit dem Welschkorn ebenso machen, wenn man die gehörigen Fabriken dazu anlegt und die ersten Kosten nicht scheut. Gibt's auch nicht soviel aus, wie vom Zuckerrohr, so kann der Zucker daraus doch wohlfeiler werden, und das Geld bleibt im Land. 

Zweitens: Die Körner, wenn man sie nicht an dem Stock hart werden läßt, sondern halbreif abnimmt, geben auch für die Menschen ein sehr gesundes, angenehmes und nahrhaftes Nahrungsmittel, das man durch Kochen auf allerlei Art zubereiten kann. Drittens: Man kann daraus ein gutes Bier brauen, item einen sehr starken Fruchtessig, item einen guten Branntwein, der ebenfalls demjenigen nahe kommt, welcher aus der Zuckerpflanze gebrannt wird. Viertens: Die trockenen, dünnen Häute, welche den Welschkornkolben umgeben, diese geben ein sehr feines Postpapier. Item, wenn man sie gehörig verarbeitet, so können sie anstatt des teuren Roßhaars zur Ausfüllung von Sesseln, Matrazen usw. gebraucht werden. 

Die gute Eigenschaft des Welschkorn ist überdies, daß es keinen guten, fetten Boden liebt, sondern einen vermischten, sandigen; ferner, daß es in guten Jahren fast tausendfältige Früchte bringt. Denn ein gesunder und großer Kolben hat etliche hundert Körner, und ein gesunder Stock kann seine drei Kolben tragen.  Wie nun das Welschkorn zu obigen Zwecken gepflanzt und behandelt werden muß, siehe, das ist beschrieben in einem nagelneuen Buch, betitelt: Über den Einfluß der Naturwissenschaft auf das gesamte Staatswohl, vorzüglich auf Land und Zeit berechnet, von Dr. C.C. Gmelin von Badenweiler. Karlsruhe bei C.F. Müller 1808. In dem nämlichen Buch steht noch viel Nützliches und Neues über den Weinbau, über die Baumzucht, wie man die Waldungen behandeln soll, über den Getreidebau, über den Hanf-, Flachs-, Hopfen- und Tabaksbau, über die Bienenzucht, welches die besten Grasarten für Matten sind, über Bergwerke, Gipsgruben und sonst noch viel." (aus Hebels Werke 3. Teil herausgegeben von Adolf Sütterlin zu Leipzig)
 

 

 

 

 

 

 

à propos:  eine alte Volksweise um 1820: 'Schön ist die Jugend bei frohen Zeiten, schön ist die Jugend, sie kommt nicht mehr. Bald wirst du müde durchs Leben schreiten, um dich wird's einsam, im Herzen leer. Drum sag ich's noch einmal : Schön ist die Jugendzeit, schön ist die Jugend, sie kommt nicht mehr, Sie kommt, sie kommt nicht mehr, kommt niemals wieder her. Schön ist die Jugend, sie kommt nicht mehr.'

VII: Der Streit um die Basler Uhrzeit

Mit der französischen Revolution kam das vorteilhafte «metrische System» die die verschiedenen Einheiten für Längen, Volumen, Gewicht und somit auch Zeit nun klar definierte. Bevor die Massen «kohärent» waren (eine wichtige Grundlage für die Naturwissenschaften, die z.B. Weg und Zeit in einer Formel «verrechnet») gab es die noch unübersichtlichere Vielfalt der gebräuchlichen Längen- und Raummasse (Maßeinheiten) als eine uralte Errungenschaft der Menschheit. Die erste mengenmäßige Globalisierung im weltweiten Handel mit Waren dank der Schifffahrt. Es war eben wichtig, dass alle Beteiligten sich unter der Einkaufsmenge dasselbe vorstellten, wie einstmals das Mass Stoffe in «Ellen» (Unterarm), Doppelzentner oder gezählte Fässer bis zu den Wegen in «Stunden». Der Haken dabei war, dass diese Größen von Region zu Region wechselten. Ein historisches Beispiel von 1834: In dem unteren Bezirke (des Baselbiets) ist das Mass mit Basel gleich; in den Bezirken Liestal, Waldenburg und in dem Dorfe Pratteln gleich, und in dem Bezirke Sissach ist das Rheinfelder Mass eingeführt, das 10 Mass stärker als das in Basel ist, wo 4 alte Mass gleich sind 5 neuen. Eine alte Mass wiegt beiläufig drei Pfunde. Im Elsass, in der Gegend von Mühlhausen, ist der Saum 6, in Richenwyher 4 und in Kolmar 12 Mass stärker als in Basel; auch das Markgräfler Mass ist im oberen Viertel um 2, im unteren um 6 Mass stärker als in Basel.

VIII: Nur ein 'Fahnen'Hauch an Freiheit für die Region

 

 

Die stolze badische Burgruine zwischen dem Elsass und dem Schwabenland, aus mit Porphyr gepflasterten Doppelmauern, bei Seelbach (nahe der Stadt Lahr) war im 13. Jh. Sitz der Herren von Geroldseck. Mit dem Fürstentum der Familie Leyen wandelte sich die alte Herrschaft der ortenauischen Hohengeroldseck 1806 bis 1819 zum kleinsten Staat des Rheinbundes. Die bisher durch Kriegswirren ausgeplünderten Bauern nutzten um 1804 nun ihrerseits die Stunde. Mit zuerst planlosen Pferdediebstählen, an deren Spitze sich bald ein grenzüberschreitend organisiertes Räuberkorps stellte. Der bekannte schwarze Peter. Ihr aus Altersgründen ernannter Hauptmann war der so genannte Schinderhannes aus dem Hunsrück. Mit von der Partie war der berüchtigte Franzose Pontrang aus Metz. Die Regiobevölkerung hatte bei diesem regionalgeschichtlichen Streifzug immer wieder den Schwarzen Peter gezogen. - Um 1840 wurde in Kappelwindeck (bei Bühl) eine ungewöhnlich früh reifende und widerstandsfähige Zwetschgensorte entdeckt, die als 'Bühler Frühzwetschge' vor allem nach dem harten Winter 1879/80 an Bedeutung gewann, und die hier noch heute, nach der Kirsche das begehrteste Steinobst ist für die besten Rezepte in beinahe grenzenloser Einsatzvielfalt. Revolutionäre Umtriebe in Bühl: der Obervogt Josef Häfelin floh vor den Unruhen nach Baden-Baden 1848/1849, wegen erster Ausschreitungen gegen jüdische Einwohner.

IX: Meuterei im Schloss zu Rastatt

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Badische Ortenau im Blickpunkt : in Offenburg im 'Salmen' verabschiedeten 1847 die „Entschiedenen Freunde der Verfassung“ das erste politische Programm auf deutschem Boden. Friedrich Hecker nannte es die „Magna Carta der Volksfreiheit“. Das Programm forderte, basierend auf den unveräußerlichen Menschenrechten, den freien und sozialen Rechtsstaat. Anno 1849, die zur Bundesfestung ausgebaute Stadt Rastatt war das revolutionäre Zentrum der Aufrührer gegen die alten Mächte, der prunkvollen Herrscher aus altem Adel, die eine neu erarbeitete Verfassung nicht anerkennen wollten. Unter schwarz-rot-goldenen Fahnen vereinigen sich am 9. + 10. Mai Bürgerwehr und Soldaten. Am 11. Mai folgte die Meuterei der Soldaten im Innenhof des Rastatter Schlosses. Der badische Kriegsminister eilte mit samt seinen berittenen Dragonern aus Karlsruhe herbei. Eben diese schlagkräftige Spezialeinheit besaß damals den Mut der Befehlsverweigerung, als es darum ging auf ihre Kameraden zu schießen. "Wir sind das Volk, das seine Freiheit fordert!" erschallte es aus Badens größter Garnison. Am 12. Mai versammelten sich in Offenburg fast 40.000 sogenannter badischer Volksvereinsanhänger. Ihre Forderungen waren klar: Rücktritt der Regierung, Auflösung des badischen Landtags, Einberufung einer verfassungsgebenden Landesversammlung und Freilassung der Gefangenen. Nach dem Kriegsminister floh nun auch Großherzog Leopold aus Karlsruhe. Als dieser Weg endlich frei war scheiterte alles an der Wahl des zu sehr situierten Frankfurter Rechtsanwaltes Lorenz Brentano. Am 24. Mai drangen über die badisch-hessische Grenze die Vorhut von 50.000 Mann preußischer Bundestruppen ein, so dass tags darauf Brentanos Sitz Karlsruhe nicht mehr zu halten war. Am 24. Juni erlagen diese glühenden Freiheitskämpfer den falschen Entscheidungen Brentanos. 

à propos:  An diese hiesig-regionalen Revolutionäre und Demokraten erinnert das Schloss Rastatt als "Erinnerungsstätte dieser Freiheitsbewegungen" in der deutschen Geschichte (zur Dauerausstellung der Erinnerungsstätte

X: Hecker's Radikal-Demokratie alias Republik

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vereitelt zwischen Freiburg, Straßburg und Basel bleibt zu Beginn des 3. Jahrtausends ebenso aktuell: eine Republik macht noch keine Demokratie à la Schweizer Präzision. Friedrich Karl Franz Hecker war deutscher Rechtsanwalt, Politiker und der dem Volk sympathischster Sprecher für die Freiheitsvisionen der Märzrevolution von 1848 in Nordbaden. Er war Verfasser der "Märzforderungen" nach Redefreiheit, Pressefreiheit, gleicher und gerechter Besteuerung, Auflösung aller feudalen Privilegien, freien Wahlen, Vereinigung der 38 Einzelstaaten zu einer deutschen Republik und nach grundlegenden demokratischen Rechten. Bei der "Heidelberger Konferenz der süddeutschen Oppositionspolitiker" am 5. März 1848, forderte Hecker erstmals die Republik als Verfassung und bezeichnete sich selbst als 'Sozialdemokrat'. Bei der zweiten Versammlung in der Ortenau-Metropole Offenburg am 19. März 1848, wählte man Hecker zum Obmann des Zentralausschusses der Vaterländischen Vereine in Baden. Nachdem er durch seine kaiserverängstigten Forderungen durch deren Nutznießer nicht in den "Frankfurter Fünfziger-Ausschuß" gewählt wurde, verließ Hecker am 9. April 1848 Mannheim, in Richtung Elsaß ins badische Oberland und in die Schweiz, wo er einen Volksaufstand plante.

Am 11. April 1848 rief er in Konstanz die Bevölkerung des Seekreises zur bewaffneten Erhebung auf, und überschätzte die Revolutionsbereitschaft der südwestdeutschen Landbevölkerung derart, dass er vor Ort kaum auf Resonanz stieß. Am 13. April 1848 verließ er mit ca. 30 Männern Konstanz ohne dort, wie geplant, die Republik auszurufen, mit dem Ziel, in der Baden-Metropole Karlsruhe möglichst viele Aufständische zu gewinnen. Am ersten Tag zog Hecker über Allensbach und Radolfzell nach Stockach, wo Struve bereits Quartier gemacht hatte. Er nutzte die ihm verbliebene Zeit bestmöglich: am 14. April 1848 setzte Friedrich Hecker als selbsternannter "Obmann der provisorischen Regierung" sämtliche Regierungsbehörden des Seekreises ab, was die Volksversammlung in Konstanz zunächst ablehnte. Erst nach seiner Androhung, Tausende von aufständischen Bauern würden die Stadt besetzen, veranlasste die vor so viel Selbstvertrauen verängstigte Regierung zum Rücktritt. Von Stockach führte der "Hecker-Zug" über Nenzingen, Eigeltingen, Aach weiter nach Engen, wo die 2. Nacht verbracht wurde. Struve war auch nach Donaueschingen vorausgezogen und erwartete dort Hecker. Jedoch dort bereits positionierte württembergische Soldaten, zwangen Hecker am 15. April 1848 über Geisingen und Pfohren an Donaueschingen vorbeizuziehen und nach Süden auszuweichen. So soll er, nach einer Nacht in Zollhaus am 16. April 1848 versucht haben, über Stühlingen und Bonndorf wieder nach Norden zu kommen, jedoch am 17. April bei Lenzkirch, Menzenschwand erneut über Bernau nach Süden gezogen sein. Am 18. April erreichte er über Präg das Wiesental, das er abwärts zog und wo er die Nacht zum 19. April in Schopfheim verbrachte. Der erneute Vorstoß nach Norden über Steinen und Kandern endete am 20. April 1848 bereits als Rückzug der militärischen Niederlage auf der Scheideck. Hecker flüchtete in die Schweiz.

Er war der Anführer des gescheiterten Heckeraufstands während der Badischen Revolution. Seine Niederlage in Freiburg durch "Siegel's wildes, tapf'res Corps, Herwegh's Scharen mit dem großen Schwaben, dem Württemberger Miller", wie im Flugblatt des Guckkasten-Lied von Nadler höhnischen Spottlied auf die "flüchtenden Kaiser" in dieser Hungerszeit fest gehalten, die ihrerseits nichts mehr fürchteten als eine Republik. "Jetzt geht es auf Freiburg los. Badner, Hessen und Nassauer stehen dorten auf der Lauer. Doch wir kommen schon hinein, denn neutral will Freiburg sein. All' die schönen Stadtkanonen, großer Hecker sie sind dein; und man ladet blaue Bohnen nebst Kartätschen schnell hinein. Langsdorf will recognosciren, läßt sich auf den Münster führen, und guckt durch ein Perspektiv, ob es gut geht oder schief. Oben her vom Güntersthale, hinter Wald und Hecken vor, kam im Sturm mit einem Male, Siegel's wildes tapf'res Corps. Aber unsre Hessenschützen ließen ihre Büchsen blitzen, und das Corps zog sich zurück, aus war's mit der Republik!" - Hecker zog sich mit seinem Freund Gustav von Struve und anderen Anhängern zurück nach Muttenz bei Basel. Am 3. Mai 1848 verlangte die Großherzogliche Regierung in Karlsruhe seine sofortige Auslieferung, was von Basel entschieden abgelehnt wurde. Ganz im gegensatz zu Straßburg im September, wo ihm dort angekommen, die Behörden umgehend mit Ausweisung drohten. Da beschloss er in die USA zu emigrieren; dabei 'munkelt' man, dass Tausende ihn dort verabschiedeten. Heckers Abreise in die USA im Jahre 1848. In Abwesenheit wurde Hecker zweimal in Tiengen (vgl. Weißhaar-Zug) zum Abgeordneten der Nationalversammlung gewählt, konnte jedoch sein Mandat nicht antreten. Seine republikanischen Bemühungen um eine 'Radikal-Demokratie' setzte er in Illinois gegen Sklaverei kämpfend fort. Bleibt die Republik-Frage: hat das Dritte Jahrtausend sie erlangt, so wie sie sein sollte, und nicht so, wie sie in den Schulbüchern steht?

à propos: Der Pfälzer Dichter K.G. Nadler hat euch das Guckkasten-Lied vom großen Hecker hinterlassen, in dem die Badische Revolution 'Oben her vom Güntersthale' gen Freiburg ging: "Was nicht fiel und nicht entfloh, ward vom Militär gefangen, liegt zu Bruchsal auf dem Stroh.

Zwanzig Jahre lang flammte eine europäische Liebe zur Weisheit (Philosophie) auf, der literarische Naturalismus von ca. 1880 bis 1900, mit dem Ziel einer möglichst genauen Darstellung der Wirklichkeit. Diese naturalistischen Romane, Erzählungen oder Dramen beleuchteten die so genannten 'Unterschichtenmilieus' als Ursache eines so manches Gesellschaftsübels. Der Schlesier Gerhart Hauptmann trat neben Emile Zola in Frankreich für die deutsche Darstellung ein, bezeichnend mit der Tragikomödie "Die Ratten" (1911). Der Weg der Dauerignoranz nach unzähligen Kriegen bis zum 1. Weltkrieg war somit angelegt, einige Skizzen dazu: Hierarchie der Standesklassen, Hunger trotz Arbeitsausbeutung ob an Webstühlen, in Bergwerken oder in der Landwirtschaft, fehlende Bildungs- und Religionsfreiheit, Volksbestimmung anstatt Volksabstimmung, Patriarchat und Kinderreichtum in Armut und sich stets wiederholende Überbevölkerung in stets zu kleinen Ländern, Bedarf an, in jeder Hinsicht, sterilem Dienstpersonal, Börsenspekulationen des Kapitals als beschriebener Größenwahnsinn uneingeschränkter Inhaber (Machthaber).

Hier endet die letzte Welschkornseite, begonnen mit der ersten Welschkornseite, im Verfolgen ihrer regionalen Besitztümer, mit deren Ausgangspunkt, die bestimmend bischöflich-politische Macht aus Straßburg. Im Rückblick auf den Beginn dieser Welschkorn-Seiten als regional-historischer Streifzug, ausgehend von den Straßburger Bischöfen im Dreiländereck, über die Jahrhunderte andauernde vorderösterreichische Vormachtsstellung der Habsburger, bis zur Neugestaltung Europas durch Napoleons Machtvisionen, sei noch zu erwähnen, dass die Burg Lichtenberg in La Petite Pierre im Lauf der Geschichte nur drei Mal eingenommen wurde. Diejenige, welche der französische Sonnenkönig stehen ließ, wurde im Krieg von 1870/71 von den richtigen Schwaben, den württembergischen Truppen belagert und am 9. August 1870 durch Brand zerstört.

à propos: könnt ihr euch noch die unvorstellbare Not im absolutistischen Deutschland vorstellen? ... aus dem euch der von dort flüchtende Dichter Heinrich Heine (1797-1856) um 1835 seine Mahnung der 'Schlesischen Weber' hinterließ?: "Altdeutschland, wir weben dein Leichentuch, Wir weben hinein den dreifachen Fluch, Wir weben, wir weben!" - In der sozial verantwortlichen Mahnung von 1844 "Deutschland, ein Wintermärchen" findet ihr "Die Jungfer Europa ist verlobt Mit dem schönen Geniusse Der Freiheit, sie liegen einander im Arm, Sie schwelgen im ersten Kusse. Und fehlt der Pfaffensegen dabei, Die Ehe wird gültig nicht minder - Es lebe Bräutigam und Braut, Und ihre zukünftigen Kinder!" -

 

All diese endlos kriegerischen Ereignisse, samt folgender, vermochten im Handeln nicht zur Einsicht gegen das Evolutionserbe beizutragen. Mit Besinnung auf die bereits vorrömisch antike Staatsform der Demokratie, seid ihr längst von Plato abgewichen. Doch für kurze Zeit kamt ihr immerhin zur Einsicht, dass Landwirtschaft betreibende Bauern er- und einträglicher sind als marodierend erobernde Söldner. Frühe Weichenstellung für den europäischen Wohlstand bis zur Globalisierung, dank eines Engländers, der die Agrarwirtschaft zur Wissenschaft machte und somit den Grundstein zum Städtebau schuf: weg von den für die Klöster und Burgen selbst hungernd arbeitenden Bauern. Heute wieder, wieder damals, ein erneut durch Börsenspekulanten gefährdeter Wohlstand, wie in Zola's Roman deutlich benannte. Dem Urgedanke der selbst heute noch utopischen Demokratie im Raubtierkapitalismus fehlen immer noch die Weichen zur Volksabstimmung. Noch heute behaupten Politiker, dass das Volk regiert werden wolle. Haben sie dabei etwa völlig den Erfolg der Schweizer Eidgenossen übersehen?

danke für euren Besuch auf meinen Welschkornseiten, dem regionalen Boden unter meinen 'Pfoten' - BabaAuf meinen bislang gefahrlos friedlichen Streifzügen außerhalb des Schilfs der Rheinseitenkanäle begegnet mir, heute wieder, vor allem das hohe Welschkorn - euch dagegen seine lang gezogenen Schattenbildnisse - neben dem gelb leuchtenden Raps, den sich im Wind wiegenden Roggenähren, den golden in der Sonne glänzenden Weizenwogen, den vom Wind ausgekämmten, langhaarigen Haferbüschel, den zart rosa blühenden Tabakstauden und den die Landschaft begehrlich schmückenden Sonnenblumen. In ihren langen hohen Reihen verwehren sie mir allesamt den Blick zum Horizont.

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