Weit auslaufende Traktorfurchen endlos abgemähter Maisfelder, sichtbares erlahmen im Matt erdwarmer Farben. Linie an Linie hin zum Pastellschimmer am Horizont. Frei laufende Feldhasen, Rebhühner und Wild auf Raureif benetzten Erdschollen. Jahrelange Monokultur, so genannte Maiswüsten, prägten diese Riedauen bis zum Rheinufer. 

Im Sommer sind sie für mich was für euch der Wald. Wasserwerferfontänen zischen riesenhaft über ihre Fluren der Blütenstände - neben der Fahrstrasse. Blühende Seerosen neben hohen Schilfhalmen. Gänse, Reiher, Störche und Schwäne im anmutigen Überflug. Ruhende Welschkornfelder - Zeit und Horizont, um ihre möglichen Anfänge in der Regio aufzuspüren. 

das 'welsche Korn' (Mais) mischt sich ein in Regionalgeschichte im Dreiländereck 

Index Streifzüge
Welschkorn regional geschichtlich 17. Jahrhundert (2) 
  Welschkorn regional 18.Jh. (3)
   

 

 

eurer Erzählung nach seien

(Text-links: A-Z)

Alchimi:

Gold ist die Sonne, ist reines Licht, Gold machen heißt Gott sein! Die christliche Märchenstunde zusammen getragen von den Gebrüder Grimm: im "Rumpelstilzchen" 

Armagnaken:

(Armagnacs) Söldner einer französischen Grafschaft Armagnac im Hundertjährigen Krieg 

Baba:

im Lichtspiel der Erdfarben in den Oberrheinauen

Badener - Badenser:

D'Gälfiäßler (alemannische Mundartgruppe) sind Badenser, die Gelbfißler (Gelbfüssler) sind nicht die von den Schwaben als solche bezeichneten Badener, sondern der historische Spottname für die Schwaben höchst selbst!

Basel:

ab 1501 Treffpunkt großer Geister und Teil der starken Militärmacht Schweiz, die, in ihren Grenzen bis zur Reformationszeit, ein friedliches Leben erlaubte. 

Bauernkrieg:

süddeutsche Bauernverbände revoltierten im Bundschuh, angetan von den schlecht übersetzten Thesen  Martin Luthers. In Freiburg (Breisgau), im N-W eingemeindeten Lehen, das mit seinem Lehener Bergle im S-W an die Dreisam grenzt, ließ sich ums Jahr 1510 Joß Fritz nieder, der Führer der Bundschuh-Bewegung, und der Verfechter der "12 Schwarzwälder Artikel".

Bernstein:

Schlösschen aus dem 12.Jh. der elsässischen Grafen - als Vogt unter bischöflicher Verwaltung, später Zufluchtsort der vom Bauernkrieg bedrohten Personen, im Dreißigjährigen Krieg in Ruinen gelegt, im Revolutionsjahr 1789 geschleift.

Bleibedarf und Silbergewinn:

die Schwarzwälder Erzvorräte für große, schwere Münzen waren erschöpft. Erzsuche mit Wünschelruten. Wirtschaftskämpfe unter dem Deckmantel der Konfession?

Brant Sebastian:

(1458-1521), Sohn eines Straßburger Ratsherrn, war gleichzeitig mit dem Straßburger Buchdrucker Gutenberg tätig, er als bester Satire-Comic-Autor seiner Zeit! (nachzulesen im Narrenschiff 1494)

Bundschuh:

"Als Adam pflügte und Eva spann, wo war denn da der Edelmann ?" - "Alle Menschen sind vor Gott gleich?" (Vor Gott vielleicht, keineswegs vor dem Menschen selbst.) Grenzüberschreitende Bauernverbände gegen Bischofsallmacht fielen mit ihrem Ruf nach dem Evangelium Luthers einem Massaker zum Opfer

Burkheimer Schloss:

(am Kaiserstuhl) : auf keltischem Kulturboden und an Stelle eines römischen Wartturms oder Kastells erbaut. Die Schlossanlage sei aus alt alemannisch-fränkischem Ursprung. 763 n.Chr. erstmals erwähnt, als ein Besitztum des Straßburger Bischofs Heddo, der es im gleichen Jahr an das Kloster Ettenheimmünster abgab. 1560 ging das Schloss an Lazarus von Schwendi über. Als Geschenk für seine Verdienste in den Feldzügen in Ungarn gegen die Türken; wofür er, unter vielem anderen auch, die Herrschaft über Burkheim am Kaiserstuhl erhielt. 1572 Renovierung des Schlosses nach "dasiger neuer Modi".

ECO-Musée:

Freilichtmuseum für elsässische Fachwerkhäuser und Handwerksbetriebe belegen den deutlich mutierend technischen Fortschritt allein im 20.Jh., nicht nur in der Landwirtschaft!    

Elsass:

entvölkert durch die 'Armagnaken' im Hundertjährigen Krieg, durch die Pest und den Gräueln des Dreißigjährigen Krieges, warb um Ansiedlungen aus europäischen Nachbarstaaten

englische Seeflotte:

Verlust- aber siegreich gegen die spanische Armada, schützte in erster Linie die Königin Elisabeth I. und in zweiter das geistige Gefüge Europas

Epochenwende:

von der Sünden-Ablasszahlung zum Bildersturm - die Gedankenfluten des nun lesbar Überlieferten neben der übersetzten Bibel  

Johann Fischart:

*1546-47 in Straßburg + Forbach 1590 -  Gutenbergs Flutwelle, der reformatorisch publizierende Freischärler mit Mainzer Abstammung und satirischen Pseudonymen: Jesuwalt Pickhart, Winhold Alcofribas Wuestblutus, Ulrich Mansehr von Treübach oder Huldrich Ellosposcleros - Hauptwerke: „Abenteuerliche und ungeheuerliche Geschichtsschrift vom Leben, Raten und Taten der Herren Grandgusier, Gargantua und Pantagruel “ (1575) satirischer Roman -„Das glückhafte Schiff von Zürich “ (1576) episches Gedicht - „Legende und Beschreibung des vierhörnigen Hütleins “ (1580) und andere Satiren  gegen den Katholizismus

Friedrich I. (Barbarossa):

(1152-1190) Italienfeldzüge verdankte er seinen Übernamen Rotbart  'Barba = Bart, rossa = rot'. Der mächtige Elsass- Wehrburgenbauer aus dem Haus der Staufer nannte sich ab 1147 Friedrich III. Herzog von Schwaben, Karriere-Zwischenstop ab 1152 als römisch-deutscher König (rex Romanorum) zum Kaiser des Heiligen Römischen Reiches 1155. Als Abkömmling dominierend verfeindeter Adelsgeschlechter seiner Zeit: Friedrichs II. (des Einäugigen von Hohenstaufen,  Herzog von Schwaben) und der fränkischen Welfin Judith (Tochter Heinrichs des Schwarzen von Bayern) heiratete in 2. Ehe die minderjährige Beatrix von Burgund, Erbin der Freigrafschaft Burgund (Franche-Comté)

Geiler von Kaysersberg:

Jedem der 111 Narren (Narrenschiff), mit denen Sebastian Brant die Torheiten der Welt geißelte, widmete der Volksprediger eine Predigt; mit einem Offenburger Bürger namens Bechthold stand er im Briefwechsel. Der begabteste Gegner Luthers, Thomas Murner, ein Franziskaner aus Oberehnheim, setzte seine Narrenbeschwörung 'Vom großen lutherischen Narren', 1522) entgegen. Mit Matthäus Zell, der schon 1520 am Münster lutherisch predigte, setzten sich die Reformatoren 1529 endgültig durch.

Gutenberg:

Johannes Gensfleisch zur Laden zum Gutenberg (um 1400 -1468) Kaufmannssohn aus Mainz geflohen ließ sich als Gold- und Silberschmied von 1430-40 in Straßburg nieder mit seiner die Welt von nun an veränderndem Buchdruck mittels Lettern. Hier ließ er die ersten Druckerpressen herstellen. Ausgerechnet beim Druck einer besonders schönen Bibelausgabe ging ihm das Geld aus und er musste sich einen Betrag leihen, den er nicht mehr rechtzeitig zurückzahlen konnte. In Straßburg gab es um 1500 rund 200 Druckereien! In Straßburg erschien 1600 die erste deutsche Wochenzeitung, die sich der Nachrichtenübermittlung widmete. Die protestantisch-humanistische Flutwelle dank der teuflischen Wirkung dieser, vom Bet- und Kräuterbüchlein zu Klatsch- und Hohnkolumnen fähigen Lettern 

Habsburger:

eine europäische Herrscherfamilie (Dynastie) die 1273 mit dem Herzogtum Österreich belehnt wurde, das sie ohne Unterbrechung bis 1918 regierte! Sie stellte Erzherzöge, Könige und Kaiser. 1452 gewannen die Habsburger die Krone des 'Heiligen Römischen Reiches', deren Träger sie bis Napoleons Vorstellung von Europa blieben - hier im 'Vorderösterreich'

Haguenau:

nach Ermordung des päpstlich zugewandten, Graf des Elsaß, Graf Hugo VII. von Egisheim-Dagsburg war der Weg für die Staufer im Unterelsass frei. Schwabenherzog Friedrich II gilt als Erbauer von Haguenau sowie der Wasserburg auf der Moderinsel  im nördlichen Elsass. - Der Heilige Forst (unfruchtbarer Töpferboden) befand sich gerade in den Händen der: Salier, Staufer und Mömpelgard-Lützelburgern. Der heilige Sebastian, Schutzheiliger bei Verwundungen und Viehpatron gegen Viehseuchen im Elsass und in der benachbarten Oberpfalz. Reliquien Sebastians (ein Oberarm) verschenkte um 1250 Papst Innocenz IV. ans Franziskaner-Kloster in Hagenau.

Haut-Barr (Hohbarr):

auf der Burg über dem Zabener Land (dem Auge des Elsass) machte ein geistlicher Herr von Manderscheid von sich reden mit seiner trinkfesten Hornbruderschaft. Friedrich Barbarossa veranlasste zwischen 1168 und 1171 den Straßburger Bischof Rudolf von Rottweil aus der Abtei Mauersmünster (Marmoutier), den hinteren Markfelsen (Findlinge in exponierter Lage) zu erwerben, um ihn zum Schutz der talwärtigen Abtei zu befestigen, denn er grenzte an die bischöfliche Burg Bora an. Bischof Johann von Manderscheid-Blankenheim, Landgraf des Elsass, ließ zu Beginn des Straßburger Bischofskrieg 1583 einen weiteren Ausbau vornehmen.

Heilig Römisches Reich Deutscher Nation:

Kaiser Maximilian I. von Albrecht Dürer Maximilian I. von Habsburg (* 22. März 1459 in Wiener Neustadt - † 12. Januar 1519 in Wels, Oberösterreich) deutsch-österreichischer Fürst und erster Kaiser des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation, der nicht mehr vom Papst gekrönt wurde. Sein Vater, Kaiser Friedrich III, schloss mit dem Papst und der Kurie 1448 das Wiener Konkordat ab, das bis 1806 seine Gültigkeit behielt und die Verbindungen der Habsburger mit dem Papsttum regelte.

Hexenverbrennungen: 

der "Hexenhammer" die Christenbibel krankhafter Phantasien im 16. + 17. Jh. mit Frauen wie Kinder ermordendem Ausgang unter bischöflicher Aufsicht - das unheilvolle Wirken von Thomas von Aquin im Freiburger Predigerkloster, das den Klosterbruder Heinrich Institoris beherbergte, der sich 1483 in die Matrikel der Universität Freiburg eintragen ließ. Ein Jahr später unternahmen er und Jakob Sprenger ihre verhängnisvolle Reise nach Rom und überredeten Papst Innozens VIII., die sog. „Hexenbulle“ aufzusetzen.  Institoris und Sprenger wurden außerdem explizit dazu bemächtigt, in Deutschland gegen dieses Satansreich vorzugehen, worauf diese beiden Dominikaner 3 Jahre später  den sog. „Hexenhammer“ verfassten, der in den folgenden Jahrhunderten als Leitfaden für die Hexenverfolgung galt.

Hohenstaufer - Staufer:

Dynastie schwäbischer Herzöge (1079 – 1268) und römisch-deutsche Könige bzw. Kaiser (1138 – 120/54), benannt nach der Stammburg Hohen-Staufen. Der Friedrich von Hohenstaufen, erster Herzog von Schwaben, hatte von seiner Mutter Hildegard her bedeutenden Besitz im Elsass, besonders in der Schlettstadt'er Gegend ; von wo aus sich die Hohenstaufer ausbreiteten: Odilienberg in Oberehnheim und Rosheim, Güter im Oberelsass bei Colmar, Türkheim, Kaysersberg, Münster und im nördlichen Elsass den Heiligen Forst von Haguenau

Hugenottenkriege:

(1562-1598) als eine Folge von Bürgerkriegen in Frankreich. Das Massaker an den französischen Protestanten (Hugenotten) in der Bartholomäusnacht 1572 durch die politische Beendigung des populären König Heinrich IV. In dieser Mordnacht wurden allein in Paris 3.000 Hugenotten von Katholiken ermordet. Eine katholische Adelspartei hatte es sich zum Ziel gesetzt, die Hugenotten zumindest von den staatlichen und kirchlichen Pfründen auszuschließen, um so das Königtum zu kontrollieren. Die in ihrer Macht bedrohten vereint in einer Verschwörung, und die Staatspolitik des spanisch-habsburgischen Königshaus von den Hugenotten bezichtigt, durch ihre Konzilsvertreter der frz. Krone und der Familie de Guise, in Frankreich wieder die Inquisition einführen zu wollen.  Mit dem Karl, als Führer der Liga, verteidigten die Lothringer die katholische Kirche während der französischen Religionskriege. allesamt Machtkriege, sich gipfelnd im späteren Dreißigjährigen Krieg.

Hundertjähriger Krieg:

(Guerre de Cent ans) wird der lange englisch-französische Konflikt zwischen 1337 und 1453 brachte die brandschatzend marodierenden Söldner der Armagnacs in die Region

Kaiserstuhl:

das vergessene St. Peterskloster und sein Bruderhäusle (eine Einsiedelei mit einer St. Erhardskapelle, das Kirchlein wurde am Ende des 14. Jh., als der Eichstetter Pfarrer einen Anteil von deren Einnahmen beanspruchte) auf der Eichelspitze

Kathedralen:

bis zu Gutenbergs Buchdruck die wichtigste, die allgemeine Art des Schreibens laut Victor Hugo - Straßburgs Reformatoren wurden berühmt auf der Kanzel des Straßburger Münsters!

Leibeigenschaft:

• Kein Herr als Kaiser, Gott und Papst • kein Gericht soll gelten als das am Wohnort • geistliche Gerichte seien auf Geistliches beschränkt • sowie die Zinsen die Höhe des verliehenen Kapitals erreichen, ist der Schuldner frei • Fisch-, Vogelfang, Holz, Wald und Weide sollen frei sein jeder • Geistliche soll nur eine Pfründe haben • Verteilung des überflüssigen Kirchengutes an Arme; ein Teil in die Kriegskasse • unbillige Steuern und Zölle gelten nicht • ewiger Friede in der Christenheit; die Kriegslüsternen schickt man gegen die Heiden • Mitglieder des Bundschuhs sollen gesichert und geschätzt sein, Gegner bestraft - für diese '12 Schwarzwälder Artikel' wurden nicht nur die Bauernanführer hingemetzelt oder geviertelt

Limburg:

die alte Zähringer Burg, Ruine Limburg oben auf der Südspitze des Limbergs, über dem Sasbacher Rheinübergang bildete offenbar das Bindeglied zwischen frühgeschichtlicher und mittelalterlicher Besiedlung des Berges. Zwischen 1215 und 1221 befand sich die Burg im Besitz der Grafen von Habsburg. Die Geburtstätte von Rudolf von Habsburg (1218) ? Der 'var zu Limperg',  Anlage auf der Felsplattform 40 m über dem Rhein, erstmals 1417 belegt, lebte von Fähr- und Zollrechte des Rheinüberganges. 1701 wird als vollständig ruiniert bezeichnet.

Limburg Stahlstich 1830

 

 

 

 

 

Lützelstein:

• Pfalzburg und Grafschaft La Petite Pierre:  1452 erhob Kurfürst Friedrich I. von der Pfalz seine Ansprüche auf die lothringisch-fränkische Burg Lützelstein (La Petite Pierre), indem er sie 8 Wochen mit 16.000 Mann belagerte und vor Übergabe aushungerte. Die letzten Grafen von Lützelstein, Jakob und Wilhelm, flüchteten am 10.11.1452 durch ihren unterirdischen Gang. Bis zum Revolutionsjahr 1789 verblieb sie bald unter erblicher Herrschaftssplitterung der pfälzischen Grafschaft von Zweibrücken-Veldenz.

Mais:

der goldene Weizen Zentralamerikas, seit vor über 6000 Jahren von Azteken, Inkas und Mayas angebaut, im Anbau angepasst in Hunderten von Variationen leuchtet er in alle vier Himmelsrichtungen !

Manderscheid, Johann:

 Bischof von Straßburg (seit 1569), * 8.2.1538, † 2.5.1592 Zabern/Saverne) Straßburger Bischof der Gegenreformation, rief als Johann Graf von Manderscheid-Blankenheim, die Jesuiten ins Land. 1580 begründeten sie ihr Kolleg in Molsheim. Dieser Bischof gründete auf der Burg Haut-Barr bei Saverne seine "Hornbrüderschaft'. Eine Gemeinschaft der Mächtigen im Lande; in die aber nur der aufgenommen wurde, der ein riesenhaftes Ochsenhorn voll Wein leeren konnte. 

Marlenheim:

Pfalzgrafengut derer von Ochsenstein, im Sept. 1444 von Armagnaken besetzt, am 17.12. von 100 Kavalleristen und 1400 marschierenden Straßburgern besetzt, die bei Glatteis Zugang fanden und es unter Kanonenladungen abbrannten

Meteorit:

Vom Himmel hoch da komm ich her... außerirdisches Mineralsouvenir von anno 1492 im elsässischen Ensisheim

Minen, Silberminen:

regionale Bergbaugeschichte des 16. Jahrhunderts - geführte Besichtigungen im elsässischen Silberminental der Mine Théophile in Urbeis und der Silbermine St.-Louis in Sainte-Marie-aux-Mines >>>: . zu den Silber-, Kupfer-, Zink-, Blei- und Kobalterzminen im Schwarzwald >>>:

Molsheim:

die der Dreifaltigkeit geweihte Jesuitenkirche wurde 1582 gegründet als Hochburg der Gegenreformation mit Jesuiten-Kolleg ausgestattet, vom Papst mit 2 Fakultäten 1617 zur Universität erhoben, vom Offenburger Stadtrat mit 1.000 Gulden unterstützt (1618), Kirchherr der Offenburger Heiligkreuzkirche Lazarus Rapp (*1571 Markkirch) vermachte vor seinem Tod (vor 1618) seinen ererbten Bibliothek-Sammlungsanteil der 460 Werke rund um die Reformation und Gegenreformation dem Predigerseminar der Jesuiten in Molsheim (bevor sie 1827 dem Straßburger Priesterseminar übergeben wurden), um der Reformation im Elsass entgegenzuwirken.

Bergbau-Lehrpfad:

ab dem Bahnhof Münstertal folgt den Silbergruben-Spuren der verschwundenen Stadt Münster, die das Münstertal und das Kloster St. Trudpert berühmt machten, hin zu den dort abgelagerten Porphyrquarzen.

Niedernai:

heimgesucht bei jeder Gelegenheit - ehemaliger Sitz von 30.000 Armagnaken unter Befehl des Herrn von Finstingen

Rathsamhausen:

(Ottrotter Schlösser) ließ der Straßburger Bischof nach 1246 das zweite Schloß bei Rathsamhausen auf dem primitiven Standort der Hinteren Lutzelburg, keine 50m von ihr entfernt, als Vorder Lutzelburg nur als Baustelle erbauen, um das Schloß von Rathsamhausen zu blockieren, das den Hohenstaufener treu bleibt? - Ihre Herren spielten eine wichtige Rolle im protestantischen Elsass während der Reformationszeit

Reformation:

Umgestaltung der päpstlichen in eine christliche Lehre über das von Menschen (stets unter Diktatoren und Zensuren lebend) überlieferte 'Wort Gottes' dank der 'Anti-Ablaß-Thesen' Martin Luthers und der deutschsprachigen Bibel !

Reformatoren:

Brant, Murner, Geiler von Kaysersberg, Zell reklamieren als Prediger Straßburgs Sittenverfall, nicht nur an den Kirchweihfesten. Schlettstadt's berühmte Humanistenschule, Gutenbergs Buchdruck in Straßburg und Beatus Rhenanus wirkten alle mit. Zu ihrem Lebensende begannen die weitaus prophetischeren Visionen aller folgenden Scheußlichkeiten durch den hochbegabten Nostradamus.

Beatus Rhenanus:

(geboren am 22.8.1485 in Schlettstadt, gestorben am 20. Juli 1547 in Straßburg auf einer Reise) Dieser bekannte Humanist studierte in Paris, Straßburg und Basel und war ebendort Lehrer und Konrektor. Er war wie Martin Bucer, Wimpfeling oder der Offenburger Paul Volz Spiegel und Jacob Villinger aus der Lateinschule Schlettstadt's hervor gegangen. - Wo sind seine  zurück behaltenen anti- + pro-protestantischen Zeugnisse der Rhein - Lutherianer geblieben ? ! - Er war Mäzen und Gründer erster nicht klösterlicher Bibliothek, wissender Reformatorenfreund und Humanist

Rotwelsch:

seit dem 13.Jh. keineswegs nur Zigeuner-Romani, eher rot >falsch, betrügerisch<, dt. welsch >unverständlich<; Kauderwelsch

Rütlischwur der Alten Eidgenossenschaft:

die habsburgische Urschweiz um Luzern, die auf dessen Königsthron schielte, bis zur Eroberung es Thurgaus anno 1460, als die Eidgenossen den von Papst Pius II. über Herzog Sigismund von Habsburg - Österreich verhängten Kirchenbann ausnutzten, um den Thurgau und das Sarganserland zu erobern. Das St. Galler Rheintal gelangte durch Pfandschaft an Appenzell, die Stadt Winterthur wurde von Zürich gekauft.

Schwabenkrieg:

(1499) lag nicht am Schwäbischen Bund (einer Vereinigung süddeutscher Städte), sondern am Habsburger deutschen Königs Maximilian I., der ein neues Reichskammergericht und eine neue Wehrsteuer einführte. Mit der Besetzung des Klosters Müstair durch die Tiroler, mehreren Schlachten im Bündnerland und entlang der Rheingrenze wurden die königlichen Truppen geschlagen. Im Frieden von Basel mußte Maximilian I. den Eidgenossenschaften die Gerichtsbarkeit über den Thurgau sowie die Unverbindlichkeit des Reichskammergerichts und der Reichssteuern zugestehen. Das war die unabhängige Trennung vom Deutschen Reich. In der Folge traten Basel und Schaffhausen bereits 1501 als vollwertige Mitglieder der Eidgenossenschaft bei.

Sechszehntes Jahrhundert:

das Regiment der Frauen in Europa zu einer Zeit, als Männer die totale Verfügungsgewalt über Frauen beanspruchten. In den 1550er Jahren gab es drei Königinnen: Maria I. - Tudor in England, Maria Stuart in Schottland und Katharina von Medici in Frankreich

Schloss Staufenberg

(auf 383m oberhalb von Durbach) : Ritterburg aus dem 11. Jh. vom Straßburger Bischof Otto von Hohenstaufen gebaut. Burkhard von Staufenberg hauste dort von 1070 bis 1099, ehe die Burg in den Besitz der Grafen von Eberstein und dann des Markgrafen von Baden überging. Ihre Zerstörung im Dreißigjährigen Krieg ließ sie trotz Aufbau wieder einstürzen. Kaum wieder aufgebaut, wurde sie 1693 von Truppen des frz. Sonnenkönigs Ludwigs XIV. zerstört, der einen Festungsausbau aus Trinkwassermangel unterließ. 1700 ging die Burg mitsamt dem Dorf an den badischen Staat und kurze Zeit später in Privatbesitz über. Seine Weinberge beheimaten den Clevner (Traminer-Rebe) und den Klingelberger Riesling. Im 19. Jh. wieder aufgebaut, heute Weingut und beliebtes Ausflugs- und Wanderziel mit  Blick über die Rheinebene bis nach Straßburg

Silberminen:

Silberminenrausch in der Regio belegt durch Münster's Aufzeichnungen und Karten - Guldiner am Oberrhein, ob im elsässischen Markirch oder in der Breisgaumetropole Freiburg

Straßburg:

heimliche Hauptstadt der Ortenau, die wunderschöne Stadt 'urbs omnia pulcherima', dank der Architekten Specklin und Schoch, erlebte ihre Blütezeit (1480-1580), begonnen mit Gottfried von Straßburg (Tristan und Isolde), Albertus Magnus, die Mystiker Rulman Merswein, Meister Eckhart und Johannes Tauler, bevor der Schlettstädter Jacob Wimpfeling, der Straßburger Sebastian Brant und Geiler von Kaysersberg mit Kirchenkritik eine neue Zeit ankündigten.

 Straßburger Bischofskrieg:

 (1583-87) inmitten des Hugenottenkrieges mit seinen die Region bevölkernden Flüchtlingen - protestantische Stiftsherren gegen die Trunksucht? Oder Versuch Bischofsgebiete erneut mit Kaiserbesitz zu vergrößern wie zuvor 2 Straßburger Bischöfe schon anno 1246?  (Berthold von Teakholz (1223-1244) und  Heinrich von Stahleck (1245-1260). Im festen Glauben, die Güter vom zweimal vom Papsttum exkommunizierten Hohenstaufer Friedrich II trennen zu müssen! Konflikt Papsttum gegen Imperium. Dem Straßburger Bischof gelang es, im Verbund mit dem Gegen-Kaiser Heinrich von Raspe, König Konrad von Hohenstaufen bei der Schlacht auf Nidda (Frankfurt) zu besiegen, an dessen Seite er teil nahm, um nach seiner Rückkehr ins Elsaß sich das Recht anzueignen die Kaiserbereiche zu verwalten. In der Absicht die Hohenstauferschlösser zu kontrollieren, besonders das von Rathsamhausen...

Straßburger Religionskrieg:

der Straßburger Religionskrieg (1592-1608) der fanatische Kampf der katholischen Spanier gegen den Protestantismus, ausgehend von Karl V, auch Karl I. von Spanien, damals der mächtigste Mann Europas. So herrschte er auch über das von Maximilian I. ererbte Weltreich der Habsburger: Böhmen, Ungarn, Burgund, Niederlande und große Teile Italiens - er ächtete den Reformator Martin Luther, weil dieser seine Thesen zu Worms (1521) nicht auf Befehl widerrief

Wilhelm Tell:

Friedrich Schillers unsterblicher Mythos vom Freiheitshelden gegen die Habsburger Tyrannen Freiheitsheld - Wilhelm Tell Sage, Legende oder Mythos?

Confessio Tetrapolitana:

(Vierstädte-Bekenntnis) das christliche Glaubensbekenntnis aus der Reformationszeit, zur Kirchenspaltung, verfasst von  Martin Bucer und Wolfgang Capito für den Augsburger Reichstag 1530. Es ging um die oberdeutsche evangelische Position der damals oberdeutschen Städte Straßburg, Memmingen, Lindau und Konstanz. Martin Luther und der Schweizer Reformer Zwingli beeinflussten sie nicht nur in der Sakramentenlehre.

Teufel:

...die christlich erfundene Science-fiction - Figur des Mittelalters zum Verbannen heidnischer Kultplätze

Vorderösterreich:

der Oberrhein ist die Wiege der Habsburger Dynastie, ihre Abkömmlinge schaukelten vom Ende des 13. bis ins 20. Jahrhundert über den Grabenbruch. Kinderstube waren der Sundgau und der Breisgau. Die 'Habsburger' dienten Österreich in seinem westlichsten Besitzgebiet über alle Erbstreitigkeiten und Erbfolgekriege hinweg. Dieses Kulturerbe hat das ganze Elsass mit dem geprägt, was Tradition und Sprache berührt.

Volz Paul:

(1480 Offenburg - 1544 Straßburg) besuchte die Pfarrschule Offenburg und das Quadrivium des Klosters Schuttern, bevor er sich an der Lateinschule Schlettstadt weiter bildete und 16jährig an der Universität Tübingen studierte. Dann dem Konvent von Schuttern beigetreten schrieb er dessen Chronik und korrespondierte mit berühmten Humanisten. Als Abt des Klosters Hugshofen (Elsaß, seit 1513) trat er 1526 zurück weil er sich für Luther begeisterte.

Weihnachten:

das älteste Schriftstück, in dem die Rede von einem Weihnachtsbaum ist, wurde 1902 im Rechnungsbuch von Schlettstadt gefunden. 4 Schillinge für Leute, die  im Gemeindewald auf die "Meyen" (Meien) aufpaßten. Das aus den Stadtarchiven entnommene Rechnungsbuch mit diesem Eintrag ist in der Humanistischen Bibliothek ausgestellt. Die Becksche Chronik aus Schlettstadt berichtete um 1600 von Kindern, die am Dreikönigstag den behängten Festbaum abschüttelten.

Welsch:

mohammedanisch: Fremder  Welschhuhn: Truthahn Welschkohl: Wirsing, Welsche Nuss: Walnuss (die große Nuß), Welschzwiebel: Gekielter Lauch (Urknoblauch) - Orte wie Welschensteinach, Welschenbollenbacher Eck in Welschenbollenbach

Welschfest:

Ende Mai im elsässischen Lapoutroie Info Fremdenverkehrsamt Kaysersberg-Orbey Tel. 0033.38971.3011

Windeck - Burg:

Sitz des Rittergeschlecht von Windeck  im 11.Jh. in Bühl (Baden) Bau der alten Pfarrkirche St. Peter und Paul (1514-1524 ) Burg Alt-Windeck soll bereits 1561 zur Ruine verfallen sein. Spätestens seit diesem Zeitpunkt wohnen die Herren von Windeck in ihrem Schlosshof in Bühl, an dessen Stelle sich heute das Gasthaus „Badischer Hof“ befindet. Mit dem Tod von Junker Jakob von Windeck 1592 stirbt das Rittergeschlecht im Mannesstamm aus.

Lehen Grundstücke oder Rechte (Steuern), die der Lehensherr dem Lehnsmann (Vasall) zur Nutznießung gegen Lehnsdienste übergab. Letztere waren : Kriegsdienst, Hofdienst, Abgaben. Der Vasall war zur Lehnstreue verpflichtet. Leibeigene Leute ohne Grundbesitz, die im Eigentum eines Herrn stehen, der aber kein Tötungsrecht hat. Die Leibeigenschaft wurde durch die französische Revolution 1790 im Elsaß endgültig beseitigt. Graf Ursprünglich militärischer und richterlicher Vorsteher eines Gaues. Seit dem 12. Jahrhundert Reichsgraf, selbständiger, erblicher Landesherr eines Gebietes (Grafschaft). Pfalz Schloß der Kaiser und Könige, wo sie Gericht abhielten, sowie das umliegende, einem Pfalzgrafen unterstellte Gebiet. Kurfürst (Kur-Wahl) Die Kurfürsten wählten die Kaiser und Könige. Es gab deren sieben. Der Kurfürst von der Pfalz residierte in Heidelberg.

zu mittelalterlichen Veranstaltungen genannter Orte siehe >: Regional-Agenda 


 

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Welschkorn regional geschichtlich

vom Hochmittelalter ins 15. + 16. Jahrhundert am Oberrhein  

die heute aktuelle Seite hochladenEröffnung: Bischofsmacht Straßburg & Basel, Barbarossa's Sandsteinburgenbau: Hohenstaufer Schlösser, Rütlischwur gegen Habsburger, Hundertjährige Krieg ~ Armagnaken, Alchimie, Buchdruck & humanistischer Aufbruch, Reformation, Luther & Bundschuh, Straßburg Religionskrieg & Hugenotten, Silberminenrausch & Kinzigflößerei, Gälfißler, Hexenhammer ~ Dominikanerwahn, Armadageschick

zu aller Leid wider besseren Wissens : "Ja so warn's, ja so warn's, ja so warn's die alten Rittersleit..."

Hier in der badischen Ortenau, nahe dem gebetteten Rheinufer, mit der Bezeichnung "es" (umgangssprachlich: 'äs') für die dritte Person Singular im Ohr, erzählen euch die Feuersteine nur in der Sonnenuntergangsröte von den menschlichen Verwerfungen der Rheinebene - einst Vorderösterreich - beidseitig bezeugt vom tintenblauen Kaiserstuhl und den Umrissen der Mittelvogesenkämme. Folgt den vorbei ziehenden Schattenbildnissen des westlichen Abendhimmels eurer Vorstellungskraft. 
Das Museum zur Geschichte Vorderösterreichs im Üsenberger Hof in Endingen war seit 1367/75 Lehen des Hauses Habsburg und stellte damit eine der frühesten Erwerbungen Österreichs im Breisgau dar. Die Geschichte der "habsburgischen Vorlande", die infolge der 1752 von Maria Theresia durchgeführten Verwaltungsreform unter dem Namen Vorderösterreich in einer eigenen Provinz zusammen gefasst wurden. Verwaltungsgeschichte der Vorlande, Geschichte des Breisgauer Adels und vorderösterreichische Prälaten runden, neben Ritterharnisch, Waffen, Urkunden, Münzen und Mobiliar die Ausstellung ab.

à propos:  ...wenn ihr glaubt, dass diese, alleine im Elsass, 400 Burgruinen, als sichtbare Zeugnisse des bekanntesten christlichen Raubritters, dem Staufer Barbarossa, einst eine schöne Zeit war, so folgt ihnen in "Das Elsass unser Ländel, dass esch meineidig scheen, mer hewes fescht am Bandel, un lonns minsechs net gehn juhe! Un lonns minsechs net gehn."

I: Straßburger Bischöfe und ihre Besitztümer beiderseits des Rheins

Zu Beginn des 12. Jh. ließ der 'hohenstaufische Schwaben-Herzog' Friedrich der Einäugige im Flüsschen Moder eine Wasserburg errichten, die sein Sohn, Kaiser Friedrich I. Barbarossa, zu einer Kaiserpfalz ausbaute. Die daraus entstandene Siedlung von Hagenau erhielt 1164 Stadtrechte und war von 1260 bis 1648 freie Reichsstadt. Eine Fülle des Wachsens und Reifens flutete durch das Rheintal, das zwischen Basel und Mainz "vis maxima regni", die Hauptkraft des Hohenstaufer-Reiches im Hochmittelalter. Dieser 'europäisch globalisiert anti-staufische' Adel beschloss mit und unter Richard Löwenherz vergebens, den Staufer Philipp von Schwaben durch seinen Neffen (den Yorker Welfen, Otto IV. von Braunschweig, 1198 zum römisch-deutschen König gekrönt) langfristig zu ersetzen. - Das Elsass, damals zur Zeit des leibeigenen Lehnswesen in der Feudalherrschaft unter den Franken regiert, kannte bereits seit der Isenburg bei Rouffach diese Art Bauernburgen freier Bauern, die Dagobert II. bereits anno 656 dem Bischof Arbogast als Schenkung vermachte (die Urbesiedlung des Elsass). ...nur, wer gab damals den militärisch mittelalterlichen Kastellburgenbau in Auftrag? Was hatten die Feudalherren mit einst freien Bauern ausgehandelt? ... dem Klerus oder Adel zu eigen, als freiheitsloser Vasall mit Schutz und Boden ermöglichte dieses, euch heute noch bekannte Kräfteverhältnis, erst den König. Doch bei der im Elsass noch zu verstärkende 'Burgen lose Maschenöffnung' ging es nicht mehr um die Hunneneinfälle.

Seht nur, den oberen Teil der euch wohl bekannten Estufin (Hochkönigsburg), der da 1114 hochgezogen wurde, als im Osten der Merowingerpalast (Hohenburg) am Odilienberg errichtet wurde (auf frz. königlichem Boden des Klosters St.-Denis), ja, und die Burg Landsberg nebst der Rathsamhausen. Übernahm  Otto IV. von der Windstein aus die Kontrolle in den Nordvogesen? Örtlich mächtig blockiert wurden sie mit den Burgen Fleckenstein und Falkentein. Ja, und was gewährte der Straßburger Bischof gerade dem Staufer Philipp in Straßburg als Kaiserreich? Bald darauf bewachte die Wangenburg die schönsten Mittelvogesenpässe gen Dabo und Kaysersberg (diese wiederum den col du Bonhomme), die Pflixbourg und die Haldenburg (bei Mundolsheim) um den Ort samt dort verweilenden Bischofsherren zu bewachen. In diese militärischen Burgenkasernen eingearbeitete Wachtürme, wie auf der das Kronthal gen Dabo dominierende Kronenburg, gingen ab jetzt in Serie. Die Grafschaft Dabo-Eguisheim erhob ihre Hohnack und Bernstein, um ein neues Verteidigungs-System einzuführen: der fünfeckige Bergfried. Seht hoch zur Guirbaden, ein herrlich romanischer Palast, als Spiegelbild einer Reihe ihrer bauwerklichen Nachkommenschaft. Durch die drei Hohenstaufer-Kaiser, die gerne im Elsass verweilten, ihre Pfalzen hier erbauten und ihre Reichstage hier abhielten (Haguenau), wurde das Elsass zum wichtigsten Anhängsel des Herzogtums Schwaben. (Wenn ein Elsässer von einem Deutschen spricht, so nennt er ihn noch heute einen 'Schwob'.) Der die Stadt umgebende Hagenauer Forst ist das größte geschlossene Waldgebiet im Elsass, einstiges Jagdgebiet der Herzöge von Schwaben. Der Stauferkaiser Barbarossa, einst im Wutanfall auf Hugo VIII. von Dabo-Eguisheim, der 1168 die Burg Horburg bei Colmar zerstören ließ, ermunterte den Straßburger Bischof zum Ausbau der spektakulärsten Burg oberhalb der Zabener Senke bei Saverne, die Haut-Barr. Im Gegenzug ließ er die Burg Guirbaden im gleichen Jahres von kaiserlichen Truppen zerstören. Er ahnte nicht, dass er im Elsass damit genau die bischöfliche Burgenmacht schuf, die sich kaum ein Jahrhundert später gegen seine Familie richtete.

  Foto copyright: siehe Link  Burgruine Alt-Windeck 

 

 

 

 

 

Die bischöflichen Besitztümer von Straßburg und Basel begleiten diese regional geschichtlichen 'Welschkornseiten' bis zu Napoleons Trennung von Kirche und Staat, mit ihren strategischen Eingriffen in links- wie rechtsrheinische Gebiete (Vogesen - Schwarzwald): oder wie auf dem Bild, das Schloss Staufenberg in der Mortenouwe oberhalb von Durbach, die Ritterburg aus dem 11. Jh., Bauauftrag des Straßburger Bischof Otto von Hohenstaufen. Egenolf von Staufenberg, Spross einer Straßburger Adelsfamilie, in deren Besitz sich die Burg Staufenberg  befand, machte diese 1310 unsterblich (Die Geschichte vom Ritter Peter Diemringer von Staufenberg), lange vor Johann Fischart, Grimmelshausen und Goethe,  durch die nur weibliche Andersweltfigur einer keltisch weiblichen Sagengestalt, der schönen, wie Glück bringenden Melusine. Die Kirche zu Lehen (Freiburg/Breisgau), auf dem historisch fundreichen Lehener Bergle, dessen erste urkundliche Erwähnung in einem Schutzbrief des Papstes (Innozenz II.) vom 14. April 1139, für Ortlieb (Bischof von Basel) fällt in diese Zeit. Anno 1149, unten in der badischen Rheinebene, tauchte Bühl erstmals beurkundet auf. Um 1200 folgte die Erbauung der Burg Windeck. Um 1240 erweiterte selbst der Bischof von Straßburg eigenmächtig seine Grenze: vom Schwigenstein (oberhalb von Haslach) bis hin zur Mündung der Gutach in die Kinzig. Seine Ausbeute weniger Jahre lag im Kinzigtäler Bergbau, besonders im Hauserbachtal (nahe dem Städtchen Hausach), in Form des gleißenden Erzes, mit im Bleiglanz gebundenen Silber,  versteht sich. - 1283 erhielt Bühl seine Ortsbezeichnung in banno Buhel: bei der Übergabe der Güter des Edelknecht Burkhard von Crutenbach an den Abt und Konvent des Klosters Schwarzach. In einer Fehde des Reinhard von Windeck mit der Stadt Straßburg (1370/71) wurden Bühl und die umliegenden Dörfer schwer in Mitleidenschaft gezogen. König Ruprecht von der Pfalz verlieh Ritter Reinhard von Windeck 1403 das Marktrecht, weshalb wir seiner Stadt Bühl noch öfters begegnen. -  Im offenen Talbecken der Rench im 12. und 13. Jh., als sich die dörfliche Siedlung Noppenouwe (Oppenau) um eine Gerichtsstätte und um eine Kapelle herum bildete. Gleich daneben, am Ausgang des Lierbachtales (zu Füßen des Klosters Allerheiligen*), gründete der Bischof von Straßburg Anfang des 14. Jh. die städtische Siedlung 'Friedburg' (gleicher Dorfname). Er tat dies um den Handelspass über Oppenauer Steige und somit über den Kniebis im Schwarzwald zu sichern; welche damals die kürzeste Straßenverbindung zwischen Straßburg und Stuttgart war. Weiter südlich, am Oberrhein, war man eher an Wasserstraßenverbindungen interessiert. - *): Das Kloster Allerheiligen im Ortsteil Lierbach ist eine Stiftung von Uta von Schauenburg, die das Kloster zwischen 1191 und 1196 gründete um dort den Orden der Prämonstratenser einzuberufen, wohin seit dem späten 13. Jh. zahlreiche Pilgerschaften führten.

I-I: für Barbarossa's Hohenstauferschlösser zogen Bischöfe in den Krieg

Dem alpinen Gotthardmassiv entspringt der Vorderrhein, an dessen Ufern die Säumer (Händler des Hochmittelalters mit Eseln) vorbeikamen von ihrer ersten überlieferten Reisebeschreibung des Gotthardpasses anno 1234. Benannt nach dem Bau einer Kapelle (1166-1176) auf der Passhöhe, die 1230 erweitert dem Erzbischof von Mailand, dem heiligen Gotthard geweiht wurde. Die Schöllenen-Schlucht nach Rom war passierbar gemacht. (Schillers beschriebene Teufelsbrücke (stiebende Brücke) erhielt erst im 16. Jh. ihren Namen.) 1239 errichteten die Habsburger eine Zollstelle in Reiden, um ebenfalls abzukassieren. Im Elsass anno 1246 waren die Barbarossa's Hohenstauferschlösser das bischöfliche Ziel der Begierde, vereinfacht durch die Exkommunizierung  vom Papsttum seines Sohnes Friedrich II Straßburger Bischöfe im Krieg und im festen Glauben die so erworbenen Güter 'Papsttum gegen Imperium' bspw. durch Teilnahme an besiegter Schlacht mit Heinrich von Raspe gegen König Konrad von Hohenstaufen, um nach seiner Rückkehr ins Elsaß diese Kaiserbereiche selbst zu verwalten; besonders aber das der Herren von Rathsamhausen. Zurück ins Rheinbett: seit dem Besuch des Kaisers Rudolf von Habsburg im Februar 1283, um eine Versammlung des breisgauischen Adels wegen eines Zwistes zwischen der Stadt Freiburg und Graf Egon abzuhalten, heißt es in Breisach für die Narrenzunft der Fasnet, der Gaukler im Spättlekostüm, wieder: "fröhliche Vasinacht", die nach Ablauf derer fröhlich gefeiert wurde. Während des Mittelalters  kam viel fahrendes Volk zu dessen und deren eigener Belustigung nach Breisach. So auch der berühmt berüchtigte, später hingerichtete Landvogt Peter von Hagenbach, der nach seiner Vermählung in Breisach anno 1474 zur Fastnacht einlud, mit späterem Bericht einer recht ausgelassenen Weinlaune zehn Tänze über Tische und Stühle tat, wobei ihm die ganze Gesellschaft folgen musste "so dass manche schöne Frau zart / des langen Tanzes siech ward / und zwei fromme Frauen gar / nit uslebeten dasselbe Jahr." '

à propos:  in 'verstreuten Einträgen' in Freiburger und Breisacher Zinsbüchern sowie im Urbar des Reuerinnenklosters zu Freiburg aus den Jahren 1450–1567 finden sich Hinweise auf das Kloster St. Peter. Eine Aussichtsplattform auf der Eichelspitze (520m) des Kaiserstuhl (markante Erhöhung des Vulkangebirges) zwischen Eichstetten und Vogtsburg (Breisgau-Hochschwarzwald) bietet dem Wanderer die schöne Aussicht über den Kaiserstuhl und die Freiburger Bucht. Der geplante Aussichtsturm auf dem Gipfelplateau jedoch bot nordöstlich der Ruine (des in Vergessenheit geratenen St. Peterskloster) Funde des 14. bis 16. Jh. von zahlreich grün glasierten Bruchstücke reliefartiger Ofenkacheln aus dem 15. Jh. - Diese Bruchstücke dienen im übertragenen Sinne zum Leitfaden alles zerstörerischer Weltmachtkonflikte basierend auf dem Eintreiben der dazu erforderlichen Abgaben.

Schloss Lichtenberg

 

 

 

 

In Straßburg, der heimlichen Hauptstadt der badischen Ortenau, war noch vor der Pfalz (1321) die neue Münze errichtet worden (1288), deren Prägungen für die Ortenau, Lichtenberg, die Markgrafschaft Baden, das Unterelsass die gängige Währung waren - wie zuvor die durch den Bischof geprägten Münzen. In Hornberg dagegen, wurde bis um 1600 mit Breisgauer oder Freiburger Münze bezahlt. Im Bereich der Ortenau selbst gab es bereits seit 100 Jahren eine Offenburger Münze. Sie war wohl ein Projekt Barbarossa's von 1218 in Schlettstadt eine Reichsmünze durchzusetzen, die am Widerstand des Straßburger Bischofs scheiterte. Nahe der Ortschaft St. Ulrich (Freiburg), belegt die Urkunde von 1028, dass Kaiser Konrad II. dem Bischof von Basel die Silbererzgänge und Silberbergwerke (Bergbaurevier Birkenberg) verlieh; erstmals 1291 als manlehen ze Birchiberg erwähnt. Nachdem 1309 der Landvogt der Ortenau die Offenburger Münze (in Feingehalt und Gewicht dem Straßburger Pfennig entsprechend) an die Stadt Straßburg verkaufte, wurden bis 1316 Pfennige mit stilisiertem Adler geprägt. Die Kaufhäuser dazu entstanden 1336 in Basel, in Straßburg 1358 mit dem Kaufhüs mit Verladerampe am Illufer (heute nach gebaut als Ancienne Douane) mit Abgabe-Zollkeller für den Bischof (eines Viertels bis eines Drittels aller durchreisenden Güter durchs habsburgische Vorderösterreich), 1370 erstmals in Colmar erwähnt, 1371 in Hagenau gebaut, das Freiburger wurde 1378 erstmals erwähnt) der heutige Prunkbau stammt aus dem frühen 16. Jh.) und das in Schlettstadt um 1390. Die Kaufhäuser der Ortenau, wie in Gengenbach, Haslach, Mahlberg und Oberkirch, dienten vor allem auswärtigen Kaufleuten zur Lagerung einheimischer Erzeugnisse (Victualien). Die Herren von Lichtenberg, eine der mächtigsten Habsburgerfamilien im Nordelsass und stellten gleich drei der Straßburger Bischöfe, von denen Konrad III. von Lichtenberg der bedeutendste war. Das Westportal des Straßburger Münsters erbaut durch Meister Erwin von Steinbach geschah in seinem Auftrag. Mit seinem Residenzgebäude auf der Burg (Schloss) Lichtenberg in La Petite Pierre auf der linken Rheinseite im Elsass aus dem Jahr 1286 hinterließ er euch ein steinernes Zeugnis, dessen Keller ab dem 19. Jh. zu Kasematten ausgebaut, noch zu besichtigen sind.

à propos:  Schaffneihöfe auswärtiger Klöster (neben Pfarrhof, Zehntscheuer und Bettlerorden-Klostergebäuden), verkauften Überschüsse aus Klostergütern. So wie die Höfe in der Schuttergasse der Stadt Offenburg die der Abtei Schuttern waren. Straßburgs wirtschaftliche Vormachtsstellung am Oberrhein begründete sich darauf, dass man erstellte: das Kaufhüs (1358), den großen Hebekran daneben (1385) und schließlich die Rheinbrücke (1388). Allein im quartier des Petite France wurden 1452 10 Mühlen genannt (Straßburg hatte anno 1296 bereits eine Windmühle). Ein großer Fruchtspeicher am Rande des heutigen Broglie-Platzes und die Kanzlei (1462).   

I-II: der Rütlischwur der Eidgenossen gegen die Habsburger

Habsburger Gauerbe übertragen an elsässischen Grafen: Rudolf II. baute den strategisch, handelspolitisch und wirtschaftlich bedeutenden Ort Lauffenburg (gemäss Urkunde von 1207) zur befestigten Stadt aus. Die heutige Schweiz feiert mit dem 1. August 1291, dem Todesjahr des ersten deutschen Königs aus dem Haus der Habsburger, Rudolf von Habsburg, ihren Geburtstag. Das dreieinige Bündnis dreier Talschaften am Vierwaldstättersee in Luzern der Alten Eidgenossenschaft entstand an dessen Seeufern als Uri (am oberen, südlichen), Schwyz (N-O) und Unterwalden (westlich), sich mit dem gegen die Vögte der Grafen von Habsburg (Stammsitz: Habsburg im Kanton Aargau) auflehnten. Die Kantone Uri, Schwyz, Ob- und Nidwalden bilden die Ur-Kantone der Schweiz, deren Vertreter auf dem Rütli beim legendären Rütlischwur um Wilhelm Tell dabei waren. Der Rütlischwur, der 1291 stattgefunden haben soll, gilt als eigentliche Geburtsstunde der schweizerischen Eidgenossenschaft. Autonomierechte hatten Vorrang vor einer Loslösung vom Deutschen Reich. Die Grundherrschaft über die Stadt Luzern wurde im April 1291 vom stark verschuldeten Kloster Murbach an König Rudolf von Habsburg verkauft. Eine der bekanntesten Schlachten der selbstbewussten Alten Eidgenossen gegen die Habsburger Machtgier war die Schlacht bei Sempach (1386), bereits 1387 wurde zum Gedenken eine Schlachtkapelle errichtet. 

 

 

 

Folgt der fliegenden Wildgans, ihr Flügelschlag versetzt euch in jene Zeit, in der spanische Seefahrer eine neue Welt und ein neues Getreide entdeckten. Mein Überflug beginnt im ältesten Jahrzeitbuch der katholischen Pfarrgemeinde Tiengen aus dem Jahr 1500 in Tiengen (bei Waldshut). Anno 1415 drang der schweizerische Herzog von Urslingen mit Erbansprüchen, samt eidgenössischen Söldnern hier ein. Bereits am unteren Brunnen angelangt, verjagten ihn die sich heftig wehrende Bürger wieder aus der Stadt vertrieben. Aus ihrem feierlichen Gelöbnis entwickelte sich der heutige Schwyzertag. Was diesen Schweizer vergebens umtrieb sollte seinen Nachfolgern umso besser gelingen. Weggis (bei Luzern) gehörte anno 1300 zur Vogtei der Habsburger. 1303 war der Rhein durch Regenmangel derart ausgetrocknet, dass man sein Flussbett trockenen Fußes durchschreiten konnte. Im weiteren Überflug dieser Zeit, breiten sich unter meinen Flügeln die Aufzeichnungen zum «Zehnten» (Abgaben) von anno 1446 auf. Zu lesen mit überdurchschnittlicher Fruchtbarkeit von Wein, Korn, Mais, Kastanien, Nüsse, Obst und Fische die Weggis einst ablieferten. "...da suchten sie und fanden einen nid dem Wald, ... und schwuren einander Treu und Wahrheit, und ihr Leben und ihr Gut zu wagen und sich der Herren zu erwehren. Und wenn sie etwas tun und vornehmen wollten, so fuhren sie für den Mythen Stein hin nachts an ein End, heisst im Rütli ...» (Hans Schriber, Weisses Buch zu Sarnen, um 1470; auch wenn Friedrich von Schillers Drama Wilhelm Tell die Vornamen der drei Eidgenossen zu kennen glaubte, in der Sage des überlieferten Apfelschuss dieses Freiheitshelden und dem Tyrannenmord am Landvogt Gessler: es war der sehr blutige Beginn gegen Habsburg ehe Napoleon die Neuen Eidgenossen mit seinen Massenschlachten im Russlandfeldzug umkommen ließ. Mit dem Schwabenkrieg von 1499 trennten sich die Völker gemischten Nachfahren der einstig keltischen Helvetier vom Deutschen Reich, 1501 traten die Städte Basel und Schaffhausen der schweizerischen Eidgenossenschaft bei.

II: der Hundertjährige Krieg: Schrecknisse der Armagnacs nebst Judenverfolgung

Englands Thronanspruch auf Frankreich: Der letzte männliche Kapetinger und französische König Karl IV. starb 1328 ohne direkte und vor allem ohne männlichen Nachkommen; weibliche waren ausgeschlossen (salischem Erbrecht). Die Krone von Frankreich lockte gar den Engländer, Neffe Karls IV., Edward III., einer der bedeutendsten englischen Könige des Mittelalters zum Thronanspruch durch seine Mutter Isabella. England griff Frankreich an und begann ein jahrzehntelanger Krieg in mehreren Etappen, ehe ihn England endgültig verlor um sich in den 30 folgenden Jahren ihren Rosenkriegen 'Lancaster - York' zu widmen (englische Könige gaben ihren Anspruch auf die französische Krone erst anno 1802 auf). Im Elsass kannten derzeit Christen und Juden die Schrecken der Basler Invasionskriege im Kampf gegen Österreich ohne die folgenden der französischen Menschenschinder bis zu den späteren Wildheiten der Soldaten Karls de Kühnen. Zur Jahreswende 1348/49 erreichte die Pest den Oberrhein. „Das Vermögen der Juden ist das Gift gewesen, das sie getötet hat.“ Alles vorherbestimmt? Viele Vertreter des Patriziat und der Zünfte waren bei den mit Gewerbeverbot belegten Juden hoch verschuldet. Der beinahe noch willkommene 'teuflische' Anlass für das Ermorden ihrer Schuldner? Anno 1349, noch ohne ihren späteren Pestarzt Nostradamus jüdischer Herkunft, bezichtigten diese abergläubischen Christen die Juden das Trinkwasser vergiftet zu  haben. Dabei schreckten sie nicht davor zurück Judengemeinden im ganzen Elsass zu massakrieren. Wer profitierte letztendlich davon, wurden ihre Güter doch alle konfisziert? Im Januar 1348 erlebte Freiburg heftige Erdstöße aus dem Epizentrum in Kärnten, wo gleich 30 Ortschaften im Erdboden versanken. Durch Freiburg's Gassen wehte ein seltsamer Schwefelgeruch. In der heutigen Webergasse, die parallel zur nördlichen Stadtmauer verlief, befand sich das ehemalige Judenviertel seit dem 13. Jh., als Jüdische Gemeinde dem Grafen von Freiburg auf dem Schloßberg steuerpflichtig war, wofür diese 100 seinen persönlichen Schutz genossen. Diese mit Gewerbeverbot belegte Minderheit mied aus verständlichen Gründen die öffentlichen Brunnenplätze. An der Stelle der heutigen Webergasse 8 stand im 14. Jh. ihre Synagoge. Hier begann am 1. Januar 1349 ein blutiges Massaker. Die Freiburger drangen in das Judenviertel ein und nahmen alle Juden gewaltsam fest, um sie des Brunnenvergiftens zu beschuldigen. Am 9. Januar 1349 wurden in Basel alle Juden in eine Holzhütte am Rhein getrieben und bei lebendigen Leibe verbrannt. Am 14. Januar 1349 wurden in Straßburg  alle Juden in ein hölzernes Gerüst auf dem Kirchhof gejagt und ebenfalls verbrannt.  Nachdem man mehrere Geständnisse scheußlichst aus den Freiburger Juden herausgefoltert hatte, kam es am 30. Januar 1349 zu deren Hinrichtung. „Am Freitag, vor Lichtmeß des Jahres 1349 wurden alle Freiburger Juden mit Ausnahme der Schwangeren verbrannt und zwar wegen der Missetaten und Morde, die sie angestiftet und zugegeben haben.“ 1356 erfolgte ein schweres Erdbeben in und um Staufen (Breisgau). Straßburg öffnete den Juden 1362 wieder die Tore um 1391 endgültig Jagd auf sie zu machen, ehe der neue spanische, von den Dominikanern so bereitwillig übernommene Inquisitions-Bibel-Import im und gegen Teufelsglaube, alias Hexenhammer, auf bischöflichen Scheiterhaufen gipfelte.

Dieser s.g.Hundertjährige Krieg fiel um die Mitte  des 15. Jahrhundert ins Elsass ein (regional von 1337-1453). Als die Könige Frankreichs und Deutschlands sich hungrige Söldner ausliehen um ihre Interessen zu vertreten. Diese kamen vorwiegend aus den Bergen der ehemaligen französischen Grafschaft Armagnac in der Cascogne. Erneut führt meine Fährte zu der, oberhalb von Oberhaslach gelegenen, Burg Nideck. Ihre Ritter standen im Ruf, bereits 1436 den macht- wie besitzgierigen Straßburger Bischöfen den Einlass verweigert zu haben. Sie leisteten gar den Armagnacs (Armagnaken) Hilfe. Dies wiederum hatte den 'Wasselonnischen Krieg' von 1448 zufolge. Der Dauphin Ludwig selbst führte 30.000 dieser Grafschaftssöldner in den Sundgau, um in der Nähe von Basel gegen die damals schon "abtrünnigen Schweizer" anzugehen. Heute heißt es, er habe 6.000 von ihnen bei St. Jakob verloren. Mordend und plündernd trieben sich im Elsass und in der Pfalz Teilheere der Armagnacs umher; bereits nach dem Frieden von Ensisheim*. Gerade als dieses nach allen Seiten explodierende Pulverfass Europa ein neues Getreide einführte, war meine Spezies hier längst vertreten. Dieses neue Getreidekorn war der Mais. Allein durch seine Dreiländerbezeichnung gibt er euch seine Herkunft preis. In Ensisheim fiel derzeit ein Meteorit vom Himmel auf die Erde und kündigte anno 1492 eine andere, neue, außerirdische Welt an. Er wird gehütet von der Confrérie Saint-Georges des Garderies de la Météorite d'Ensisheim im Palais de la Régence, und ist dort zu besichtigen. In der Reichsstadt Haguenau ist vieles handschriftlich kopiert worden. So auch das Kapitel aus dem Buch der Natur Von dem gesmaid (Erze und Metalle) von Konrad von Megenberg aus der Hagenauer Schreibwerkstatt Diebold Lauber um 1442-1448?

à propos:  die Armagnaken, das waren kriegerische Bergbewohner der ehemaligen franz. Grafschaft Armagnac in der Gascogne, diese kämpften im 100jährigen Krieg in Frankreich als Söldner mit auf Seiten derer von Orléans. Als Karl VII. sie los haben wollte, lieh er sie seinem deutschen Kollegen Friedrich III. aus, im Austausch gegen die abtrünnigen Schweizer. Der Dauphin Ludwig selbst führte ein Heer aus Armagnaken von 30.000 Mann in den Sundgau (Südelsaß). Am 26.8.1444 kam es zur Schlacht bei St. Jakob (Basel). 6.000 Armagnaken verloren ihr Leben. Am 28.10.1444, nach dem Frieden von Ensisheim, trieben sich Teilheere der Armagnaken im Elsass herum und mordeten und plünderten. (Rudolf Ritter Wanderung Nr. 7 S.31/32 Murbacher Stift und Gebwiller romanische Kirche St. Leodegar/Gebwiller + L'Alsace Terre d'Histoire von Lucien Sittler 1988 (Alsatia) S.84 + H. Witte Die Armagnaken im Elsass 1439-1445, Strasbourg 1890 - Niederelsass vor und nach der Reformation). - - - das 15. Jahrhundert, genau gesagt die Jahre 1140-1493, nutzte der Kaiser Friedrich III um mit seinen Erb- und Heiratverträgen den Grundstein zur habsburgischen Weltmacht zu legen, welcher wir auf folgenden Seiten noch öfters begegnen werden. - - - *): Ensisheim einst Hauptstadt des österreichischen Elsass, wo sich heute das sehenswerte Freilichtmuseum ECO für elsässische Fachwerkhäuser befindet.  

 

 

 

Der Waffenstillstand von 1444 des Hundertjährigen Krieges brachte sold- und brotlose Söldner (Armagnacs) auf eigene Rechnung zum Brandschatzen und Zerstören in die Regio. Die Bewohner von Börsch im elsässischen Breuschtal konnten die ewig zerstörte Burg Guirbaden jedoch siegreich verteidigen, dennoch fielen die folgenden Schlösser der Zerstörung durch die Armagnaken zum Opfer: Asswiller (Wasserburg von Reinhold im 12. Jh.) gebrandschatzt und geplündert im Jahre 1439.   Marckolsheim (einst vom Bischof C. v. Lichtenberg 1294 gekauften Dorf) die 'Wahlen' besetzten das Schloss im September 1444, ehe sie es bei ihrem Abzug im März 1445 zerstörten (die Colmarer wiederholten dies anno 1456  Marlenheim der Burggraben des Schlosses wurde 1444 von den Armagnacs besetzt und danach von 100 Kavalleristen nebst 1.400 marschierenden Straßburger, die bei Glatteis einen Zugang fanden, das Schloss unter Kanonenbeschuss in Schutt und Asche legten Hindisheim Das lothringische Lehngut von Zellwiller (Castro Zallenwilr) Valff (Walf), Niedernai (Niederehnheim) war Sitz von 3.000 Armagnacs und derer von Landsberg gegen derer von Ribeaupierre : hatte anno 1445 die Zerstörung des Schlosses zur folge, damit sich die Landsberger dort nicht mehr einnisten konnten. Châtenois (Kestenholz, seit 1138 Bischofspalast der Familie Kestenholtz) wurde von den Armagnacs bis zur Verwüstung belagert. Reichshoffen (Reichshofen) Ingenheim wurde im September 1444 besetzt und 1449 von einer erneuten Musketiertruppe zerstört. Das Schloss auf dem Scharrach bei Scharrachbergheim wurde durch die Straßburger zerstört.die Hohlandsburg bei Colmar Die mächtige Hohlandsburg die restaurierte Hohlandsburg bei Colmar in Wintzenheim (in der Nähe von Colmar, erbaut durch den Schultheiss von Colmar anno 1279, von Lazarus von Schwendi restauriert 1563, um 1633 zunächst von den Schweden zerstört, um 1635 von den Franzosen platt gemacht zu werden) im Jahre 1444 war die mächtige Burg  vom pfälzischen Grafen Friedrich nieder gerissen wurde. Heute wieder restauriert zu besichtigen, mit Kräutergarten, Mauerwerk und Schießscharten, als Eigentum des Conseil général du Haut-Rhin, besonders anlässlich des Mittelalterfestes im Sommer (siehe Regional-Agenda). Sarrebourg schenkte sich selbst an Lothringen durch eine Übereinkunft die am 2. November 1464 unterzeichnet wurde. Die Angliederung der Sarreburger an ihren neuen Souverän bewahrte sie vor gewissem Unheil, insbesondere vor dem bewirkt durch die Bauernkriege.

II-I: Gutenberg's Buchdruck zu Straßburg auf dem grünen Berg

 Gutenberg-Bibel

 

 

 

 

 

 

 

 

Als ein gewisser Johann Gensfleisch aus Mainz, ob Steuerforderungen verschuldet fliehen musste, lernten im alles umwälzenden Straßburg des Buchdruckers metallene Lettern laufen. Die Stadt selbst ist mit ihrem größten Erfinder in St. Arbogast bei Straßburg nicht pfleglich umgegangen. Dokumente zeugen u.a. davon, daß Johann Gutenberg den Mainzer Stadtschreiber Nikolaus von Wörrstadt 1434 zu Straßburg in Schuldhaft setzen ließ, um 310 Gulden rückständiger Rentenzahlungen von dem Rat der Stadt Mainz zu erzwingen. 1436/37: wurde der Gold- und Silberschmied Gutenberg  von der Straßburger Bürgerstochter Ennelin von der Isern Türe wegen eines nicht eingehaltenen Eheversprechens vor dem geistlichen Gericht in Straßburg angeklagt. Der Ausgang nicht nur des Gerichtsverfahrens ist nicht überliefert. Im Prozesses beleidigt Gutenberg ihren Zeugen Niklaus Schott seiner armen Herkunft wegen, sie führte zu einer Strafe von 15 Gulden. 1436-1444: In den Einträgen des Straßburger Helbeling-Zollbuches (Weinungeld-/Weinsteuerregisters), erschien Gutenberg als Halbmitglied der Goldschmiedezunft sowie in der Liste derjenigen, die gar keiner Zunft angehören; in einer Aufgebotsliste für den Kriegsfall der Straßburgs war er dagegen in der Gruppe der Patrizier (1443/44), der Konstofeler verzeichnet, mit einem halben Pferd als zu leistendem Verteidigungsbeitrag. Sein sozialer Status während der Straßburger Zeit blieb wie so manches an ihm unklar. 1439 mußte sich in einem Prozeß vor dem Straßburger Rat verantworten. Protokolle, umfangreiche Zeugenaussagen wurden zu maßgeblichen Quellen seines geschäftlich-künstlerischen wie handwerklichen Wirken, gar einer Lehr- und Werkgemeinschaft mit verschiedenen Straßburger Bürgern (u.a. Andreas Dritzehn) zur Herstellung von Wallfahrtsspiegeln (große Aachener Wallfahrt), erwähnen eine zweite Geschäftsgesellschaft sowie eine geheime Kunst, welche die Teilhaber streng zu wahren hatten. Presse sowie von Material, das zu dem trucken gehöret, seine in die Praxis umgesetzte chinesische Erfindung mit  bereits ersten Druckversuchen. 1441/1442: Im Zusammenhang mit einem Darlehen über 100 Pfund Straßburger Denare, welche der Edelknecht Johann Karle von dem Straßburger St. Thomas-Stift auslieh, trat Gutenberg als wohlhabender Bürger auf. Nur ein Jahr später nimmt Gutenberg selbst ein Darlehen über 80 Pfund derselben Währung vom St. Thomas-Stift auf, das er aber bis zu seinem Lebensende nicht zurückzahlen kann und aus diesem Grunde mehrfach gerichtlich belangt wird, u.a. auch vom kaiserlichen Hofgericht in Rottweil. Dieser Geschmeideschmied hat mit Straßburg über die so informierten Vordenker der Reformation um Luther alles verändert, was je zuvor Gültigkeit hatte. So ließ Der Hexenhammer, eine weitere Plage basierend auf menschlicher Unzulänglichkeit ließ nicht lange auf sich warten. 1489 erschien in Köln dieses bislang abscheulichste Buch der Weltgeschichte, konträr zum ebenfalls einsetzenden Reformationsgeist. Im Kampf gegen die Empfängnisverhütung kräuterkundiger Frauen verriet man sie deshalb als Hexen und beschimpfte sie als Engelmacherinnen; ungeachtet der Hexenprozesse die ihre Verbrennung zur Folge hatte. Diese an Massen ausgeübte Scheußlichkeit der Inquisitionsverurteilungen, die grassierende Pest, fortdauernde Kriege zur Zeit Karls des Großen hinderte die Bevölkerung dennoch nicht an ihrem sprunghaften Anstieg.

à propos:  die Drucker um Straßburg gelangten zu Ruhm, Reichtum und Bürgerrecht, so der Schlettstädter Johann Mentel und der Rosheimer Heinrich Eggestein. Johann Grüninger beschäftigte dennoch jungen Albrecht Dürer, der nach Schongauers Tod von Colmar nach Straßburg kam. Druckerstädte wie Basel oder Ulm stellten kaum noch eine Konkurrenz dar.

II-II: das 'un'christliche 16.Jahrhundert am Oberrhein

 

 

 

 

 

Hier, am oft fremdländisch besetzten Rhein, wird der Futtermais noch heute unter anderem Namen angebaut. Nicht als Kukuruz, wie friedfertige mittelamerikanische Bauern im 15.Jh. und später die tschechisch- slawischen Völker ihn nannten. Diesem bis zu 3m hohen Getreide, festgehalten in einem dicken, fast zylindrischen Zapfen gelang es, bis hin zum erstaunlich aufgepufften Popcorn, seinen Anbau erfolgreich über die ganze Erde zu verbreiten. (Meinen Urahnen gelang dies ebenso.) Anno 1519 noch als maiz bezeichnet schafften es diese Zapfen im Maisanbau (bis zum regionalen Indischen Korn) bis zur vordersten industriellen Verarbeitung. Zur Herstellung von Alkohol, Glukose, Mehl und Speisestärke. Die Spitzenreiter unter ihnen sind Salate, Popcorn, Cornflakes, Maizena, Polenta, Isoglukose und vor allem der Whisky. Seine großen lanzeartigen Blätter werden zu Maispapier, welches als Zigarettenpapier dient. Auf der letzten Welschkornwebseite findet ihr was im 19. Jh. dazu schon bekannt war. Im Dreiländereck am Oberrhein blieb es das Welschkorn. Nach langen Kriegen ein regionaler Begriff für Fremdländisches der hiesigen "Regiobewohner". Doch was die englischen, spanischen und holländischen Kriegsflotten noch an Fremden mit über die See des damals noch kreisrunden Erdballs brachten, wurde erst im 16. Jh. in den Gemüsegärten Europas von den Amerikafahrer angepflanzt: Tomaten, Kartoffeln, Mais, Auberginen, Speisekürbis und grüne Bohnen. Die Kartoffel erst sehr viel später und unter Zwang anlässlich einer Hungersnot (siehe Topinambur) - zu stark verwurzelt waren die Hülsenfruchtbreie und -muse. Es begann ein langer Weg ehe man wie die Holländer, die Erbsen auch in der Region roh ass.

à propos:  Anno 1519 wurde ein Mitglied der europäischen Dynastie (Staatsgewalt über Familien hinweg) der Habsburger Karl (seit 1516 König von Spanien) Kaiser des Heiligen Römischen Reichs, das auch kein Tausendjähriges wurde, dem Herrschaftsbereich des einstigen abendländischen Römischen Kaisers, das sich zu einem losen Staatenbund entwickeln konnte, ehe Napoleon es 1806 in seiner Europäisierung auflöste.

mehr zum welschen Welschen am Ende dieses von den Römern als Germanen bezeichneten und ihren keltisch-gallischen NachbarnDie sprachlichen Spuren dieses Hundertjährigen Krieges blieben erhalten. Mit etwas Aufmerksamkeit findet ihr heraus wer am Oberrheingraben zuvor die 'Pfoten' im Spiel hatte. Aus dem mohammedanischen "walch" für "Fremder" wurde für die Elsässer, Deutschen und Schweizer ein gemeinsam, verächtlicher Begriff für alles Gallisch-Italienische. Der Sammelbegriff für die Armagnaken aus der französischen Cascogne, für alles Keltische ebenso wie für die romanisierten Gallier aus euren Asterix und Obelix-Bänden. Ihre auch örtlich ansässig gebliebenen Spuren findet ihr in den bodenkargen Seitentälern des Schwarzwald und von den Vogesen bis in die Schweiz. Zu Pfarrer Oberlins Zeiten im Steintal beispielsweise, nannten die dortigen Deutschen die Franzosen "Welsche". Ihrer aller Schicksal war zunächst ein gemeinsames. Eure von den Christen zensierten und von den Gebrüder Grimm mühsam erhaltenen etymologischen Spuren im Althochdeutschen kennen ein 'Walh', 'Walah' für Kelte, Römer und Gallier. Im altnorwegischen 'Valir' findet ihr den Gallier und den Franzose. Im urgermanischen 'Walkhiskaz' der Dänen ihrem 'vælsk' wird es globalisiert als 'italienisch, französisch, südlich/südländisch' gehandelt. Volcæ, dem das Wort Volk abstammen könnte, steht im Lateinischen als 'alter keltischer Stamm im südlichen Gallien'. Jedenfalls waren allesamt nicht germanische Fremde! Ob nun die nordischen Goten das 'walch' für ihre zunächst romanischen und keltischen Nachbarn, bis zur Bezeichnung des ganzen Frankenreiches mit ihren Romanen, aufbrachten, um das wiederum zu verstehen bedarf des 'römischen Kauderwelsch' alle rechtsrheinischen Völkerstämme als Germanen zu titulieren. Von ebenfalls noch abergläubischen Christen in karge Felsbodenlandschaften verbannt, unter dem Vorwand ihrer Ungläubigkeit, erhielten sich die Spuren ihres langen Weges auf einer stetig endlosen Völkerreise übers globale Festland. Hört ihr es heraus? Dieses karge, steinige Ach der Welschen. In der Ortsbezeichnung des im Kinzigtal gelegenen Welschen >stein>ach? Diese 'ach'-Endungen im Bach aller Wasserläufe, ob zum Seitental oder in 'Lenz's Gebirg'. Im Schwarzwald um Zell am Hammersbach laden das Welschenbollenbacher Eck oberhalb von Welschenbollenbach zu weiteren Nachforschungen ein!

II-II: Große regionale Ereignisse warfen ihre Schatten voraus inmitten der Pest, Hexenverfolgungen, Judenverfolgungen, Frondienste, Leibeigenschaft inmitten des Feudalismus 

So die Epochenwende am Oberrhein um 1500 als eng politisch geprägte Kulturlandschaft der benachbart liegenden Städte Basel, Freiburg, Colmar und StrassburgDer Kernpunkt der hier tätigen Humanisten intensivierte den intellektuellen Austausch innerhalb der Region. Dank Buchdruck und Universitäten unterhielten die Oberrheinstädte Verbindung zu anderen europäisch-kulturellen Brennpunkten. Die Region wurde Anziehungspunkt namhaft gewordener Künstler, machte den Oberrhein zum künstlerischen Zentrum von Weltgeltung. Victor Hugo legte seinen gut titulierten Geschichtsroman "Der Glöckner von Notre Dame" bewusst in diese Zeit der geistigen Vulkanausbrüche. - Gold ist die Sonne, ist reines Licht, Gold machen heißt Gott sein! Die Goldschmiedekunst der Ägypter erhielt sich durch alle Kulturen. Die Alchimisten glaubten, mit Hilfe der Goldwurz unedles Metall in Gold umwandeln zu können. (Volksnamen der gelben Zwiebel: Goldwurz, Goldzwifl, Goldruabn, Goldbölla, Goldapfel, Goldilge - die Märchenspur der Gebrüder Grimm führt euch hier zum "Rumpelstilzchen" - doch zurück zu Hugos Weltroman: sein die Alchimie betreibender Archidiakon Dom Claude Frollo stand eben noch vor dem Hintergrund mittelalterlicher Frömmigkeit und Reliquienverehrung in Form von romanischer und gotischer Goldschmiedekunst. Hans Baldung Grien und Hans Holbein d. J. kennzeichnen noch heute den hohen Anspruch, den die Region an die Kunst stellte. Sakrale Werke vom Meister der Karlsruher Passion, von Martin Schongauer, Albrecht Dürer und Matthias Grünewald. Die Bedrohung durch Armut, Hunger und Tod. Das grausige Geschichtskapitel des Bauernkrieges einmal aufgeschlagen, bedeuteten eine Zäsur für die Jahre nach 1500.

à propos:  Auch sprachlich mit der Klassensprache des 5. Standes im 15. Jh. als Argot, Gaunersprache, Jenisch oder mit jüdischem Wurzelstock neben dem Hebräisch mit eingeflochtenem, das Rotwelsche :  So haben euch die 'Backfisch' (ursprünglich 'unerfahrener Student') des 18. Jh. als · 'burschikos' (aus 'Bursch' = 'Mitglied einer studentischen Verbindung' und der altgriechischen Adverbendung '-ikos')  und · 'Pfiffikus' · 'fidel' erhalten, als · 'Lappalie'  im  'büffeln' der alten Gaunersprache der Rotwelschen, euch zu  · 'pumpen', ohne dafür zu · 'blechen', mit  · 'Katzenjammer' in einer Rheinried- · 'Kneipe', die Sprache des Romanbettlerkönigs Clopin Trouillefou erhalten !

 

 

 

 

 

  

Kaiser Maximilian I. von Habsburg 

Die Regio war nicht nur die Wiege des humanistischen Aufbruchs direkt am europäischen Grabenaufbruch, im Dreiländereck auf beiden Seiten des Rheins, sie war Ausgangspunkt der Vormachtsstellung der Habsburger. Die regionale Provinz Vorderösterreich begann vor allem durch Vererbungen von Lehnsherrschaften am Rhein, somit tauchte neben Lothringen nun auch das Elsass auf der politisch-familiären europäisch-strategischen Landkarte auf. So erbte König Maximilian u.a. die Grafschaft von Pfirt (Ferrette im Sundgau), den Breisgau (Baden) anno 1490. Als Kaiser, zwischen 1493 und 1519, baute er die Macht des Hauses Habsburg aus mit Besitzungen die bis zur ungarischen Grenze hin reichten. Als Mitgift zu seiner ersten unstandesgemäßen Ehe mit Maria von Burgund (Erbtochter von Karl dem Kühnen von Burgund) 1477, erhielt er die damaligen Niederlande (Flandern, Brabant, Luxemburg, Holland u.a.), die hier mit den Erbfolgekriegen wieder auftauchen. Diese Heirat warf den französischen König Ludwig XI. aus dem Rennen um die Herrschaft über die von Burgund. Die einzige Herzogin von Burgund starb in Brügge am 27. März 1482 an einer Fehlgeburt. Mit ihrem Tod am fiel ihr Erbe an das Haus Habsburg, was zu langwierigen und schweren Konflikten mit Frankreich führte. Doch zwischen 1477 und 1493 war die Freigrafschaft Burgund (Franche-Comté) eben deshalb von den Franzosen besetzt.  Kaiser Maximilian beanspruchte für sich jedoch das gesamte burgundische Erbe dessen Eroberung ihm auch gelang. Mit Maximilians Tod 1519 erbte sein Enkel Karl V. (König von Spanien) auch die Habsburgischen Lande (in Deutschland mit dem Kernland Österreich). Kaiser des Heiligen Römischen Reiches, Herrscher über  Europa und über Amerika (1492) führte Kriege im Westen mit den uralten Feinden, den französischen Könige 'Valois', und im Osten gegen die Türken, neben den zentralen Kriegen der Reformation samt Bauernkrieg. - Am 7. September 1507 verlieh Markgraf Christoph I. seiner Residenzstadt Baden-Baden (unnser forderst und fürnemst statt baden) eine fortschrittliche Verfassung, die mit hier bislang unüblichen Freiheiten warb und neue Einwohner in die Stadt ziehen sollte. Ausstellungen im Stadtmuseum boten Einblicke in den Aufbruch der damals kleinen Residenzstadt.

II-III: Strassburg und Basel öffneten sich der Reformation:

 

 

 

Der geistige Zerfall einer bislang geschlossenen Welt durch Buchdruck. Zwischen 1441 und 1525 sei Schlettstadt (Sélestat) die berühmteste humanistische Schule des südlichen Deutschland gewesen aus der 1515 die Stubengesellschaft hervor ging. 1515 wurde das zur schweizerischen Eidgenossenschaft gehörende Mühlhausen (Mulhouse) protestantisch, neben Weißenburg (Wissembourg), das ausgedehnte Hanau-Lichtenbergische Gebiet, Horburg, Reichenweier (Riquewihr) und der Raum, der der Stadt Straßburg gehörte. Katholisch blieben die bischöflich-straßburgische Landbevölkerung, die habsburgischen Besitzungen Haguenau, Schlettstadt und Colmar. Die Vorboten der Straßburger Bischofs- und Religionskriege sowie des Dreißigjährigen Krieges und des Protestantismus begannen in Straßburg. Der Buchdrucker Gutenberg zog von Mainz nach Straßburg um, um im nahen Kloster St. Arbogast mit seiner Buchdruckerkunst vor allem die Humanisten, Volksprediger und Lutheraner zu fördern. Der unsittliche Lebenswandel der lebenslustigen wie genusssüchtigen Straßburger gipfelte in Gelagen am Kirchweihfest im Straßburger Münster. Kaum vorstellbar, wenn man es heute betritt. - Grenznah zu den großen Geistern in Basel in dieser buchdruckfreudigen Region, die den Reformator Erasmus von Rotterdam im Haus zum Walfisch von 1529-1531 in Freiburg geradezu anzog. Dieses relativ neue Gebäude wurde anno 1516 von dem zu Reichtum gelangten Jakob Villinger aus Schlettstadt erbaut. - Straßburgs Bevölkerung entschied sich nach und nach für die Reformatoren der Reformation. Der Weg für die Vertreter der Reformation war bereitet, es sollten ab 1521 folgen: Der Volksprediger Johann Geiler von Kaysersberg (1445-1510) aus Schaffhausen in Kaysersberg erzogen wurde nach seinem Studium in Freiburg (1478-1510) und Basel im Straßburger Münster zum berühmtesten Prediger seiner Zeit. Er predigte vergebens, nicht nur einem jeden der lesen konnte, von der Kanzel herab gegen 'Praßnarren, Freßnarren, Weinschleuchen', wie so viele andere mit ihm gegen den Verfall der Sitten. Sebastian Brant (1458-1521), Sohn eines Straßburger Ratsherrn, ging eher untheologisch vor, aber mit umso wirksamerer literarischer Prägnanz im großen Satire-Werk NarrenSchyff (Narrenschiff 1494).  Sittenverfall-Bloßstellung geistlicher Fürsten mit Schwänken, Sprichwörtern, Anspielungen und einfallsreichem Schimpf, dass Betroffene mitlachten und sich gut gelaunt den Spiegel vorhalten ließen; darin war der katholisch gebliebene Brant geschickter als die schlagende Polemik des Thomas Murner aus Obernai, die zu Bücherverbrennungen führte. Matthäus Zell aus Kaysersberg, Wolfgang Capito aus Hagenau, Martin Bucer aus Schlettstadt und Kaspar Hedio aus dem badischen Ettlingen. Gegen den Willen des Kaisers trat Straßburg anno 1529 dem Schmalkaldischen Bund, dem Zusammenschluss der protestantischen Städte bei. Jakob Sturm hinterließ die Straßburger Akademie (1621), die in eine Universität umgewandelt wurde. 1559 wurde durch einen Aufruhr die Beendigung der katholischen Gottesdienste im Münster erzwungen.

Der Geist weht wo er will. Vor diesem Hintergrund mahnte der gut recherchierte Kathedralenroman (Der Glöckner von Notre-Dame von Victor Hugo) im großen Gegensatz von zu viel Reichtum weniger, gegen zu viel Armut vieler, dem Lob ans Straßburger Münster als Turm unter den Türmen und mit dem 5. Kapitel "dieses wird jenes töten." - "Das Buch wird das Gebäude töten." - "Die Buchdruckerei wird die Kirche töten." - So geschah es auch, nicht anders wie zuvor den Menhiren, Tumuli und Dolmen auch den Kathedralen. - Gutenbergs Buchdruck tötete die steinerne Macht der Bischofssitze samt dem goldenen Basler Münsterschatz. Im Mittelalter war Basel eine Bischofstadt, das Münster war die Hauptkirche des Bistums und besaß einen besonders reichen und außergewöhnlichen Schatz. In Prozessionen und anlässlich von Empfängen hochgestellter Persönlichkeiten wurden die kunstvollen Goldschmiedewerke mitgeführt oder vorgewiesen. Nach der Reformation funktionslos geworden, blieben die Kreuze und Reliquiare in der romanischen Sakristei des Münsters über 300 Jahre eingeschlossen, bis zur Ausstellung anno 2001. Der Bildersturm folgte ebenfalls als Schattenbildnis der damals sakralen Kunst bis hin zur Zerstörung der Heiligenbilder; seit der Christianisierung  erneut als "Götzenbilder" verdächtigt. Mehr dazu findet ihr im Historischen Museum in Basel. Seit 1525 kam es auch in Basel, teilweise sogar in denselben Kirchen, zum Nebeneinander von reformatorischem Gottesdienst (unterstützt von einem Teil des Rates) und traditioneller Messfeier. Der Ruf nach politischen Erneuerungen ließ die Handwerker sich in Zünften vereinen, mit dem Erfolg nun vermehrt an der Stadtregierung teilzuhaben. Die Bauern forderten bessere Lebensbedingungen. Der sich zu Luther bekennende Johannes Oekolampad (seit 1525 Pfarrer an der Kirche von St. Martin) veröffentlichte ein Konzept, an dem sich die Neuordnung der Basler Kirche orientierte. Der Bischof gab seine Residenz in Basel noch vor 1529 auf und zog sich nach Pruntrut zurück; während das Domkapitel in Freiburg i. Br. sein Exil fand, bevor es 1679 nach Arlesheim (Kanton Baselland) übersiedelte. Basel führte die Reformation 1529 offiziell ein, auf Nachdruck von Zunftbeschwerden, Bilderstürme und Volksaufläufe. Der Rat erhielt seine neue Verfassung. Der katholische Kultus wurde verboten, an dessen Stelle trat das reformatorische Kirchenwesen im Sinne Zwinglis. 1527 erkannte der Basler Stadtarzt Paracelsus die Bedeutung physikalischer und chemischer Vorgänge im Körper; den Zusammenhang von Leib und Seele. Er sah den Menschen als Abbild des Makrokosmos, lehrte Medizin in deutscher Sprache und verbrannte öffentlich bislang unverletzliche Lehrbücher. Er wurde deshalb verfolgt und floh aus Basel zu einer Zeit der Erstlingswerke menschlicher Anatomie. 1541 starb er dennoch eines ungeklärten Gewalttodes. Die pharmazeutische Industrie von Basel ehrt ihn heute als ihren Begründer.

II-IV: Auf Partisanenspur der protestantischen Reformation

 Beat Bild alias Beatus Rhenanus, (Bildius, Bilde von Rheinau - dem heutigen Rhinau - Rhenanus nach Rinauer bzw. Rinower)

 

 

 

 

 

 

 

 

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im Grossen Ried (beiderseits des Rheins). "Hier stehe ich, ich kann nicht anders." (Martin Luther) verurteilt für seine Übersetzung einer vom Volk lesbaren, wie von den Professoren deutbaren Bibel in deutscher Sprache. ... die so überhaupt nichts mehr gemein hatte mit den päpstlichen Lehren der Inquisition; zu einer Zeit als der Papst selbst das bischöfliche Treiben verfolgte.  Luther schuf mit seiner lesbaren Bibel eine gemeinsame deutsche Sprache, die mit Gutenbergs Buchdruckerkunst in Straßburg ein ganz anderes, irdisches Fegefeuer auslöste. Martin Luther gestaltete den Ablauf eines Gottesdienstes wie wir ihn noch kennen, seines Geistes Gut hinterließ die euch die Evangelische Kirche.

Einer der drei großen elsässischen Gebäudeschätze aus dieser Zeit, die Humanistische Bibliothek in Schlettstadt, ist die bekannteste noch erhaltene private Humanistenbibliothek am Oberrhein.  Dort findet ihr noch Restbestände aus den bibliothekarischen Anfängen, gestiftet vom legendären Beat Bild alias Beatus Rhenanus,  halbwegs griechisch-lateinisch bis mitteleuropäisch abgefasst. Ein stiller Wissender, Reformatorenfreund und Humanist, der römischen Kirche treu, mit Drang nach scharfer und unsachlicher Abfassung zu ungünstig stürmischer Zeit. Denn die 31 weiter bringenden Titel seiner zeitgenössischen, protestantischen Reformationspartisanen habe er samt ganzer 20 anti-protestantischer Bücher dennoch zurückbehalten! Beatus Rhenanus war Schlettstädter mit Rhinauer Vorfahren. Vor allem war Beat Bild, als Beatus Rhenanus Gründer der ersten nicht klösterlichen Bibliothek! 

à propos: Item IIII schillings dem foerster die meyen an sanct Thomas tag zu hieten’ dieser Auszug aus einem Kontobuch datiert vom 21. Dezember 1521. 1902, entdeckte der Abt Gény in den Archiven der Stadt Schlettstadt diesen Eintrag über die Ausgaben von 4 Schillingen als beauftragte Bewachungsbezahlung für das Hüten der meyens (weyhenacht-meyen, Meyen, Meien, Mai, Maibaum, ein damals schon festlicher, mit Äpfeln und Oblaten gezierter Baum am Tag des Heiligen Thomas. Seither gilt die elsässische Stadt als Wiege des Christbaumes. Ihr geht davon aus, dass die Weihnachtsbaumdekoration bereits seit dem 16. Jh. schon eine sehr populäre Tradition war. Das literarische Werk dieser Zeit des Sebastian Brant von 1494, die Moralsatire "Das Narrenschiff" macht sich schon über die Straßburger lustig, die um die Weihnachtszeit "gryn tannriß in sin huß zu stecken"  (Regional-Agenda)

Spektakulär ist die Neuauflage von Beatus Rhenanus Werke aus dem Murbacher Klosterfund: Nördlich der Alpen,

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auf dem Territorium der Markomannen, fand man kostbare antike Zeugnisse der Existenz der Germanen (Deutschen) in Roms Imperium Romanum. Die von Beatus Rhenanus im elsässischen Kloster Murbach anno 1515 gefundene Handschrift, mit einem bis dahin gänzlich unbekannten Text eines ebenso unbekannten Autors, der "Germania libera". Beatus Rhenanus gab ihr den Titel "Historia Romana", welche von da an zur ausführlichsten Quelle der Teutoburger Schlacht im 9. Jh. wurde. Die militärische Überlegenheit über die bis dato so gut auf den Schlachtfeldern organisierten Römer.

Ab 1518 unterstützte Beatus Rhenanus die Reformatoren Martin Luthers. Nach dem Bauernkrieg verblieb Beatus Rhenanus im Untergrund. Sein Verhalten, nach dem Bauernaufstand von 1525, jede Stellungnahme dazu vermeidend, sowie seine Niederlassung in Schlettstadt Jahrs darauf, ein Beispiel grausig bischöflicher Macht? In den Wirren dieser angeblich katholischen Gegenreformation wurde das gesamte Rheingebiet zum Einpflanzungsobjekt ihrer politisch jesuitischen Gesamtschulen mit Hauptsitz in Molsheim (1582). Mit Luthers deutschsprachiger Bibel, der einen Sprache für alle die in ihrer Muttersprache lesen konnten, war der Protestantismus bis über die Verstaatlichung von Kirchengüter und Dynastien hinaus nicht mehr aufzuhalten.

II-V: Martin Luther oder 'wage zu wissen'...

Martin Luther wagte zu lesen und Lateinisches für alle erstmals in einer einheitlichen deutschen Sprache 'deutsch' zu übersetzen. Er wagte weiter, deshalb unter Anklage, nichts von dem zu widerrufen was da nicht geschrieben stand in der von irdisch oben geführter Menschenhand geschriebenen wie auch von Menschen als heilig gesprochenen Schrift - und das war gar vieles... Er wagte es die im Bauernkrieg abgeschlachteten Bauern im Wert höher zu bemessen als die Ablassbriefe der Jenseitsreligion. Derzeit im elsässisch-habsburgischen Schlettstadt die jesuitischen Gesamtschulen eingeführt wurden. In der Morgendämmerung des Humanismus zwischen 1493 und 1517 gingen die ersten Erhebungen des so erstickten Bauernkrieges von einem Knöchelriemen aus, den sie sich um den Bauernschuh herum banden. Die entmachtete Zukunft der Bischofsstädte und ihrer in Amt und Würden eingesetzten Vertreter Gottes auf Erden ließ sich nicht mehr aufhalten. Der Bauer war nicht mehr länger willens 'durch seiner Hände harter Arbeit bei karger Getreidebreinahrung' für Gottes Lohn zu schuften; um so die Säcke derer, die ihn ausbeuteten, nicht nur mit Martinsgänsen als Steuer zu füllen. Die Bundschuhbewegung war die Folge harter Frondienste, hoher Steuern und Abgaben, die auch damals eine bittere Armut zur Folge hatten. Diese kommende Wende ermöglichte erst die, der späteren agrarwirtschaftlichen Wende, welche euch alleine erst den modernen Städtebau ermöglichen sollte. Doch bleiben wir zunächst im habsburgischen Erbland Elsass.

II-VI: Joß Fritz: süddeutsche Bauernverbände revoltierten im Bundschuh

gegen die Macht der Bischöfe. (Bild: der Bundschuh - Riehmenschuh aus dem 16. Jh. - Fund des Gewölbekellers im Kloster Alpirsbach (Nordschwarzwald) von 1958) Frondienst leistende unfreie Bauern, erstickt am Feudalismus, hoch verschuldet auch durch die Pfründe  der Pfarreien, forderten zurecht nur noch einen Herren. Mit dieser 'Lutherei, Ketzerei und Aufruhr', angeregt durch die zwar berechtigten, aber schlecht übersetzten Thesen Martin Luthers, forderten ihre Anführer von den Pfarrern das Evangelium zu predigen. Auf der Flucht vor weltlicher und kirchlicher Macht wählte sich der ehemalige Soldat, und in Bruchsal aktive Bundschuhanführer Joß Fritz 1512 den Ort Lehen (Freiburg), um als Bannwart auf dem Fronhof 'Hof zu tutsch' zu schuften. Hier, auf der Hartmatte, nahmen die 12 Schwarzwälder Artikel ihren Lauf; wenn nicht gerade auf dem Kniebis Versammlungen abgehalten wurden. 1523 traf die Reformation auch die Schweizer Eidgenossen ohne organisiert zentralistischen Fürstenschutz, so in Zürich, Basel, Bern, Genf und weitere Städte folgten. Freiburgs gute katholische Bürger, von vor Hunger rebellierenden Bauern in mit Lumpen als Schuhwerk umwickelten Füßen umstellt, suchte Hilfe bei der Habsburger Obrigkeit, bei Fürsten und anderen Städten, "...doch niemand kam zu Hülfe, vom Hegau bis nach Straßburg, vom wirtembergischen bis zum welschen Lande." Die einstige Burg der Zähringer brannten sie nieder, Reste des Rundturms zeugen von diesen Verzweifelten, die diese Revolution in die Schweiz und ins Elsass trugen. Die Bauernkriege blieben auch für das damals älteste Kloster in Schuttern (Offo's Zelle) nicht ohne Folge. Bauern aus Friesenheim und Lahr stürmten 1525 das Kloster um es auszuplündern und zu verwüsten; zu weltlich waren die Bedürfnisse. Joß Fritz hielt sich zumeist auf sicherem schweizerischen Rheinufer auf, von wo aus er je nach Versammlung in den Schwarzwald pendeln konnte, ohne dass man seiner je habhaft werden konnte. Doch zuvor, mischte er im Belohnungs-Bündnis von 2.000 Gulden mit 10 Bettlerkönigen auch das Elsass auf. Seine rekrutierte Armee sollte zu gleicher Zeit im Elsass, in der Markgrafschaft Baden und im Breisgau Brände legen und sich mit mindestens 2.000 Mann dieser am Tag der Zaberner Kirchweih in Rosen unter das Kommando Georg Schneiders, eines ehemaligen Landsknechthauptmanns stellen, um die Stadt einzunehmen.

à propos:  Kleiderfunde aus dem 16. Jh. im Gewölbekeller des Klosters Alpirsbach von 1958 als Dauerausstellung: spitze Bundschuhe abgelöst von breiten Kuhmaulschuhen Haushaltswaren, Kacheln, Fundstücke aus dem Alltag der Schüler der damals Evangelischen Klosterschule, leinener Schulsack, Tuschgefäße, ein Mühlespiel auf der Rückseite eines Vesperbrettchens, Spielchips aus Bein, zahlreiche Strafarbeiten, Briefe und Karikaturen. Die Zeichnungen verraten nicht nur Schülerspott, sondern auch Aufschlussreiches über die Kleidung des Spätmittelalters.

II-VII: Pestfolgen, Hunger, Überschuldung, Leibeigenschaft, unentlohnte Ausbeutung, Prasserei

  Bundschuhfahne "Fryheit" - Holzstich um 1522 -

 

 

 

 

 

verführte die nur Schnürschuhe tragenden Bauern zu gewaltsamen Aktionen. Sie begannen damit sich zuerst von ihrer aussichtslosen Verschuldung bei jüdischen Mitbewohnern durch Plünderung und Vertreibung zu befreien; denen ihrerseits wiederum die Ausübung eines Handwerks derart christlich untersagt blieb. Sie wollten die Einführung eines Jubeljahres erreichen, mit dem alle Schulden verjähren sollten und die Aufhebung des Zolls, nebst finanzieller Beschränkung ihrer herrschenden Pfarrer mit je einer Pfründe von 50-60 Gulden und die Abschaffung der Ohrenbeichte. Vorgesehen war das Beschlagnahmen der Klöster- und Stadtkassen. 1493 erreichten sie das alte Schlettstadt, angeführt vom dortigen, ehemaligen Bürgermeister Johann Ullmann und Nicolaus Ziegler. Der Aufstand wurde gewappnet niedergeschlagen, für die Gefangenen gab es keine Scheiterhaufen mehr, dafür die Vierteilung des Schlettstädter Anführers in Basel und die Hinrichtung von Nicolaus Ziegler in Schlettstadt. Der Bauernkrieg ging weiter. Im März 1525 fand eine der allerersten Kundgebungen gegen den Herr von Rathsamhausen in  Mollkirch  statt. Das Röderer Schloß bei Niederroedern bei Seltz wurde zerstört; das Schloß Buchsweiler in Bouxwiller geplündert und schwer beschädigt, die Hohenstauferburg von Lauterbourg wurde geplündert, das Dorf Kestenholtz bei Châtenois verwüstet, der Aufstand endete vor den Toren der freien staufischen Reichsstadt Schlettstadt in einem Blutbad. Die Wallfahrtskapelle St. Sébastien birgt Reliquien (Gebeine) derer, die dabei  in Scherwiller ums Leben gekommen sind. Bedrohte Herren fanden Zuflucht auf Schloss Bernstein (Castellanus Berenstein) beim bischöflichen Landvogt Schall bei Dambach-la-Ville. Haguenau wurde belagert und die Abtei Neubourg zerstört. Elsässische Bauern versuchten Rosheim zu stürmen. Einer ihrer bekanntesten elsässischen Bauernanführer war der Molsheimer Erasmus Gerber, der mit 30.000 Bauern aus Riquewihr, Val de Villé und Dambach am 24.4.1525 Marmoutier (Mauersmünster) besetzte. Dort schlossen sich ihm die Bürger der Stadt mit denselben Forderungen an. Den zehn bereits zusammen geschlossenen Verbänden schlossen sich drei weitere aus dem Sundgau an. Alle diese Bauernverbände, mit zum Teil lothringischen und pfälzischen Bauern, hatten für einige Wochen Macht über das gesamte Elsass. Für die von Gott berufenen, gebeutelten Katholiken wie für die ansässigen Juden waren, die bereits als Verleger tätigen Reformer die größte Machtbedrohung. Der bekannteste unter ihnen, war der auf Straßburgs Anhöhen arbeitende Drucker Gutenberg, neben dem die Bibel ohne lohnende Zusätze erstmals in ein einheitliches Deutsch verfassende Übersetzer Martin Luther. Dem gebürtigen Hagenauer und in Obernai lebenden Jude Josel von Rosheim gelang, was den beiden elsässischen Reformatoren Wolfgang Capito und Martin Bucer misslang, den Bauernanführer Gerber in einer längeren Disputation zu überzeugen, Stadt und Juden zu verschonen die ihn 1554 aufnahm; ganz im Gegensatz zum Sundgau, wo die aufständischen Bauern die Vertreibung aller Juden forderten. Mit Gerbers Entscheidung, trotz Warnungen vor den Söldnern des lothringischen Herzogs Anton II, dennoch auf Zabern (Saverne) loszumarschieren um dort ihr verschanztes Hauptquartier zu errichten, waren 18.000 von 20.000 dieser Bundschuh-Bauern nach Waffenniederlegung auf Versprechen ihrer Verschonung vor dem Palais Rohan das blutige Ende seiner Landsknechte beschieden am 17. Mai 1525. Die Chronik besagt, dass bis nach Lupstein (10 km) die Erde rot vom Blut gefärbt war. Nach dem Bauernmassaker von Lupstein suchten die Kochersberg'er Frauen mit ihren Kindern Schutz im Schloß. Die vorderösterreichische Habsburgmetropole Ensisheim wütete hier, wie bei anderen Gelegenheiten auch, dem Bischofsschloss gleich; auf Befehl wurde geköpft, gerädert und gevierteilt.

Ihre mehr als nur berechtigten Forderungen wurden im eigenen Blut erstickt; im Nachahmen ihrer Herren waren diese schlecht organisierten Bauern wohl 'Heiden'; keine heidnischen Opfer, dennoch Opfer der Feudalmacht. Auf dem Reichstag zu Augsburg 1529, legte Straßburg ebenfalls ein Reformationsbekenntnis ab, ohne sich jedoch Protestanten der "Confessio Augustana" anzuschließen, gemeinsam mit Memmingen, Konstanz und Lindau. Mit diesem elsässischen Analphabeten Gerber, wie ihn der spätere Grimmelshausen genannt hätte, war den Katholiken wie Jesuiten unaufhaltsam auch an ihren ersten Schulen die protestantische Flutwelle aus der Gutenberg-Flussmündung als Leseschnellkurs beschieden. Die folgende, gefahrenvollere Flutwelle, ausgehend vom Französischen König und der römisch-katholischen Kirche,  brachte um der lukrativen Pfründe willen die christlichen Gräueltaten der Bartholomäusnacht von 1572 mit sich. Die Sturmflut der lutherisch revoltierenden Bauernaufstände, besonders nach dem Sonnenaufgang der christlichen Gräueltaten dieser Bartholomäusnacht, flutete Straßburg mit 15.400 Welschen. - Der Buchdrucker Gutenberg befand sich inmitten der Zeit, die Victor Hugo euch in seinem im 15. Jh. angelegten Paris-Roman "Der Glöckner von Notre Dame" schilderte, in ihrem Grauen der Geistlichkeit vor jener neuen Kraft: "...dieses wird jenes töten. Das Buch wird das Gebäude töten". Die Religions- und Sprachenkriege verweigerten diesen französisch sprechenden Franzosen, Savoyern und Lothringern nicht nur in Straßburg das Bürgerrecht, bis hin zu den Kriegen Ludwig XIV ab 1648. Diese Genannten verweigerten ihrerseits wiederum jegliche intellektuelle Präsens für die Dauer von einem halben Jahrtausend.

III: die Regio: Silberminen und Kinzig-Flößerei

 

 

 

 

Die Blütezeit des elsässischen Silber-, Kupfer- und Bleibergbaus in Markirch (Sainte-Marie-aux-Mines) lag in den Jahren um 1545-1580. In 34 Jahren wurde ein Reingewinn von 310.000 Gulden erwirtschaftet. Wie in anderen benachbart pfälzischen Bergbaurevieren wurde der Hüttenbetrieb im Dreißigjährigen Krieg (um 1637) eingestellt. (Die Wiederaufnahme der Bergwerke erfolgte erst wieder im Jahre 1710/1711. Eine Gewerkschaft aus den Straßburger Kaufleuten Knoll, Durninger und Sederer, die bereits die Bergwerke auf der pfälzischen Rheinseite betrieb, der rappoltsteinischen Seite der Leber, übernahm die zentrale Seigerhütte des Ortes.) - Mit der Auflösung des 'Rappenbund' und der Stilllegung der Freiburger Münzstätte anno 1584 wurde eine Krise, die bereits den Bauernkrieg ausgelöst hatte, immer gravierender. Die Schwarzwälder Erzvorräte zur Herstellung großer, schwerer Münzen waren bereits erschöpft. Der mittelalterliche Bergbau in der 'Cosmographia universalis' des Sebastian Münster zeigt schon den Einsatz von Wünschelrutengängern auf ihrer Suche nach Erz. Die Stadt Münster, die durch Silberhandel und Münzprägungen im Mittelalter reich und berühmt wurde, existiert nicht mehr, der geologische Bergbau-Lehrpfad ab dem Bahnhof Münstertal führt zu stillgelegten und begehbaren Gruben. Der Name Rappen hat sich bis in unsere Zeit erhalten. In der deutschsprachigen Schweiz werden die offiziell 'Centimes' genannten kleinen Münzen noch immer mit Rappen bezeichnet. Es ist die Dialektform für Rabe, dem Krähen ähnlichen Vogelkopf der Adler, der allenfalls aussah wie eine schreiende Krähe nachdem sie mit dem Prägestempel mit einem Hammerschlag in Reliefform auf kleine Silberblech-Scheibchen geschlagen wurden; die rasch schwarz anliefen, bis der angebliche Adlerkopf auch noch die Farbe einer Krähe annahm. Während die ersten Silbermünzen des Oberrheingebietes nur hauchdünne Silberplättchen von weniger als einem halben Gramm Gewicht waren, die sogenannten Brakteate, wurden die Münzen als Folge verstärkter Bleiförderung ständig größer und schwerer. Der Guldiner (60 Kreuzer) aus dem Jahre 1565 mit dem Bildnis des Kaiser Ferdinand I. hatte das stattliche Gewicht von fast 25 g und einen Feinsilbergehalt von 930,3 g in 1.000g Gesamtgewicht. Der Bedarf an Blei, Zink und Silber führte dazu, daß man den Bergbau immer intensiver betrieb. Nach der Ausbeutung der Erzminen kam billiges Silber aus Mexiko und beschwor so eine regionale Krise herauf, ähnlich der heutigen Globalisierung, die sich zur europäischen Krise entwickelte; und somit zum Dreißigjährigen Krieg unter dem Deckmantel eines Konfessionskrieges im folgenden Jahrhundert.

à propos:  Der Bergbaupfad (geologisch bergbaugeschichtlicher Lehrpfad Erläuterungstafeln - Wanderweg in die eigentümliche Geologie dieses Schwarzwaldgebiets mit historisch sehr bedeutsamer Bergbaugeschichte im Münstertal. Der 12 km lange Ostweg und der 5 km lange Westweg beginnen am Bahnhof Münstertal mit ausreichenden Parkplätze. Ostweg:  Steinbruch mit einstigem Quarzporphyr-Abbau - Schwärzhalde-Stollen - Kloster St. Trudpert - Schaubergwerk Teufelsgrund - Walzpochwerk mit einstiger das Erzzerkleinerung - Gasthaus Neumühle zur Krone (seit 1717 stand hier eine Getreidemühle vom Kloster St. Trudpert gebaut. Der Müller durfte schon damals Gäste bewirten und beherbergen; vor allem Bergleute.) - zurück am Bach entlang. Westweg: Laisackerstollen - Riggenbachgang (bei all diesen Stollen ist das Betreten nicht ungefährlich, ohne Risiko zu betreten sind Schwärzhalde-Stollen und Wildbach-Stollen) - Wildsbach-Schmelzhütte aus dem 18. Jh. - Kohlenmeiler im Dietzelbachtal (hier als Modell aufgeschichtet) - Neumagental - über eine Brücke zurück zum Bahnhof. - - - Fotos von Exkursionen des Basler Mineralienvereins Silber aus dem Schwarzwald und aus der Grube Clara in Oberwolfach - - - Bergbaupfad zum Bildsteinfelsen und zur ehemaligen Fluss- und Schwerspatbergwerk Grube Gottesehre in Höll-Bildstein im Hotzenwald mit Mineralienmuseum in Dachsberg-Urberg.  

Das nächst einträglich, wie nachzulesen bei Sebastian Münster in seiner 'Cosmographia Universalis' von 1544: "Das Volk so bey der Kyntzig wohnet, besonder umb Wolfach, ernehret sich mit den grossen Bawhölzern, die sie durch das Wasser Kyntzig gen Straßburg in den Rhein flößen, un groß Gelt jährlichen erobern. - Dann da findt man zwey oder drey Dörffer, deren Eynwohner alle jahr 200 und ettlich mehr Zentner Hartz von den Thannbäumen sammeln, und gen Straßburg zu verkaufen bringen." - Die Gestöhrflößerei oder das Wolfacher Schifferthumb (Schiffertum), die einstige Wildflößerei auf Schwarzwaldbächen einiger Schwarzwaldbauern mangels Strassen, bestand darin, Holzstämme und Scheitholz ins Bachbett zu werfen und durch Schwallungen (künstlich erzeugte Flutwellen) flott zu machen für den Weitertransport durch Wasserströmung. Bis zu den Kriegen im 14. Jh. bedeckten im Schwarzwald riesige Wälder die Bergkuppen und Talabhänge. Die Urbarmachung des Wolftal zog alte Berufe nach sich, wie Glaser, Harzer und Köhler. Wie seit 1470 in Wolfach belegt, so riet man auch Graf Heinrich VI. zu Fürstenberg ebenfalls auf einem Floß zum Ritterspiel nach Offenburg zu kommen. 1487 belegte die Gräfin von Ochsenstein, wohnhaft auf der Burg Romberg vor Wildschapbach, dass sie 'schon lange ihr Holz die Wolfach hinabzufahren pflege.

IV: im Visier des Bischofs: die Ottrotter Schlösser und die Hugenotten

Das Geld ist der Nerv des Kriegs. » (aus 'Gargantua' und 'Pantagruel' dem jeden Gattungsbegriff sprengenden Werk des frz. Mönchs, Humanisten und Mediziners François Rabelais (1483-1553) >: 1471 wurde die Raubritterburg zum Stein in Bellefosse des Raubritters Gerotheus von Rathsamhausen von den Straßburgern, den Lothringern und den Bischöflichen erobert und zerstört. (Der Legende nach, trieb er sich herum, in Form eines großen schwarzen Hundes, unmittelbar bei der ferme Sommerhof.) - Seht nur her, welche Greueltaten im Namen des Herrn (frägt sich: wessen Herrn?) und einer Religion jedwede Gottesfürchtigkeit überwanden und das Fegefeuer im Diesseits einführten: Schreie der verbrannten Hexen, Schreie der bis zum Hals eingegrabenen Juden, Schreie der im Schloss eingekerkerten Opfer, und falls man Gerothus aus Dorfbewohner zusammen gesetzter Garnison habhaft wurde, wurden sie erhängt. Doch was war mit den Klosterruinen von Niedermunster, am Abhang des Odilienberg (Mont-Sainte-Odile) gelegen? Das von der Heiligen selbst gegründete Kloster von Niedermunster, das  während der Bauernkriege verwüstet, und anno 1542 und 1572 gebrandschatzt wurde? Unter Karl V., als man 1547 im gesamten Heiligen Römischen Reich deutscher Nation die Juden (Marranes) verfolgte, hat man 16 dieser Reisenden in Sainte-Croix-en-Plaine inhaftiert und 43 in Colmar, die man erst wieder frei ließ nachdem man sie schwören ließ, dass sie wahre Christen seien. Caspar von Mullenheim verkaufte 1553 für 400 Floriner das Schloss Rathsamhausen an Konrad Dietrich von Rathsamhausen-Ehenweier; dieser Rückkauf machte sie zu den Besitzern beider Ottrotter Schlösser, die ehemalige Hinter Lutzelburg wurde Rathsamhausen genannt. - 1554, wurde die Reformation in Drachenbronn von den Herren der Fleckenstein angeordnet; wohl wissentlich um die strategisch zentrale Lage des Hochwaldes. (Als die Fleckensteiner es jedoch verweigerten den Machtanspruch des frz. Königs anzuerkennen, hat dieser 1679 all ihre Besitztümer an sich gerissen.) Das Dorf Ottrott wurde 1562 zweigeteilt (Oberottrott) und prozessierte mit mit den Herren von Rathsamhausen-Ehenweier um die Weiderechte auf den Hochweiden des 'Elsassberg' und der 'Waldsbergscher Halde', auch 'Haule' oder 'Haulthal' genannt. (Die Ruinen des Hagelschloss am Odilienberg blieben in ihrem Besitz bis zur Frz. Revolution 1789). 

IV-I Jerri Hans 'Europa-Stadt' auf der Pfaltzburg 

Schloss Einhartshausen           Einarzhausen/Phalsbourg

 

 

 

 

 

 In den Grenzgebiet-Schlössern zu Frankreich, im Nordelsass, so auf der in der Grafschaft Lützelstein (La Petite Pierre: der Ort und die Burg der Grafen von Lützelstein sind der Verwaltungssitz des Naturparks Nordvogesen) und auf der Phalsburg machte 1556 einer durch Mitgift der reichsten Männer des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation elsässische Stadtgeschichte. Ihr nennt ihn Jerri Hans (Jerrihans), Graf Georg Johann II. von Veldenz, heute 'ein Mann fürs kleine Volk.  Mangels Nachkommenschaft, im Alter von 20 Jahren an Prinzessin Anna Maria (Tochter des Schwedenkönigs), verheiratet, profitierte er vor seiner Verschuldung von seiner Mitgift von 300.000 florins/100.000 Gulden. Bereits 1557 führte er in den 7 Kirchen (Lützelstein, Weinburg, Wintersberg, Hambach, Tieffenbach, Bettweiler und Hangweiler) die Reformation ein. Mit dem Bau seiner gräflichen Wohnsitze und der Pfaltzburg als Westreich, wollte er wohl nicht nur "ein Schlüssel zwischen Frankreich und dem Elsaß" (Wegkreuz zu Frankreich, den Niederlanden, Lothringen und das Rheinvorland Elsass) ermöglichen, sondern eher das Grenzgebiet weit ab vom Rhein gegen die Begier des König von Frankreich schützen. Nach der Bartholomäusnacht vom 24. August 1572 und den Verfolgungen der unheilvollen Religionskriege, anno 1568, wurden zahlreiche Reformierte verfolgt vom Staat und benachbarter Städte.  Georg Johann II. bot den Protestanten  eine Periode des Friedens und der Untastbarkeit an, nutzte sein Erbe samt Mitgift um auch die Stadt Phalsbourg 'europäisch wieder bevölkernd' als ein 'zweites Nürnberg' aufzubauen. Eine populistisch geniale Werbekampagne auf 12 DIN A5-Seiten gedruckt, verteilt in Lothringen, im Elsass, im ganzen Westreich, am Saarland, der Mosel und dem Rhein bis nach Holland! (Der Dreißigjährige Krieg wird die europäisch politische Szene durch unaufhörliche Truppendurchgänge wieder ändern.) Deutschsprachige Lutherianer (Protestanten) mit 'teutscher Kultur' kamen aus  Andlau, Straßburg, Worms, um mit reformierten Französischsprechenden, teils welscher Herkunft auf der Pfaltzburg zweisprachig und bi-kulturell zusammen zu leben. Am 27. September 1570, erteilte der tirolisch parlierende Kaiser Maximilian II. die Privilegien zwei Wochenmärkte und drei Messen (Jahrmärkte) abzuhalten. 1583 zählte Phalsbourg 1.200 Seelen. 1576 erschien der Name Pfaltzburg erstmals auf der karte des Elsässers Daniel Specklin.

à propos:   La Petite Pierre Ort und Burg in den Nordvogesen gehen auf Besitztum lothringischer Grafen im 12. Jh. aus (Metz, Lunéville, Bliescastel, Dabo), bevor es Sitz der Grafschaft Veldenz wurde. Damals germanisch-elsässisch-mittelhochdeutsch als 'lützel' für klein, bezogen auf den kleinen Felsenvorsprungs als Burgsockel? Seither Grenzgebietlage, um den Handel mit der Rheinebene im Süden mit dem Bistum Straßburg und zur Grafschaft Bitche (N) zu sichern. Um 1190 übergab Hugues de Lunéville (Lienstadt) seinem Sohn diese Gegend. Hugo, comtes de Parva Petra bedeutet Hugo, Graf vom Kleinen Stein, ob nun der Ort schon so hieß, oder ob der jüngere Hugo den kleinen Felsvorsprung zum Namen wählte bleibt Burgengeheimnis. Die frz. Bezeichnung dieser Bewohner Parva-Pétriciens könnte sich auch vom lateinischen zu Lützelsteiner her ableiten. Schon Mitte des 16. Jh. waren die Grafen von Veldenz und ihre Leibeigenen lutherisch (evangelisch). Dieses einst katholische Bischofsschloss Einarzhausen wurde als strategisches Westreich von Pfälzer Grafen eingenommen. Der bekannteste unter ihnen, Georg Hans I., Herzog zu Lützelstein-Veldenz, verschuldete sich ab 1568 trotz Leibeigener seiner Dinghöfe mit dem Bau seines Schlosses Lützelburg um das alte Schloss Einarzhausen herum und der Pfalzburg so sehr, dass er bald mit dem berüchtigten Straßburger Bischof Johann von Manderscheid zu tun bekam. Nichts da an Frankreichs Krone verkaufen, die Lützelstein gegen die neue Pfalzburg als Residenz eintauschen, für die Schäferei in Berlingen, die Münzen in Winterberg-Weinburg und in Pfalzburg. 1583 verkaufte er dem Herzog Karl III. von Lothringen die ganze Herrschaft Pfalzburg, Schloß Lützelburg, die Erzgruben in Walscheid, in St. Quirin und diejenigen im Breuschtal für 400.000 Florins. 1592 wurde sein 2. Sohn, Johann August, Regent von Lützelstein. 1694 brachten endlose Erbschaftssplittereien gar den Straßburger Bischof Cardinal Wilhelm Egon von Fürstenberg erfolglos auf die Grafschaft Lützelstein für sein Bistum.

V:  Badener - Badenser - Schwaben - Gälfi(a)ßler

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Die geistigen Erben der Sagengestalt der spanischen Inquisition des 13. Jh., die Dominikaner und Franziskaner, im Kampf gegen die Ketzer (Juden und Katarher), nun im gegenseitigen Kampf und in dem gegen die Reformatoren des 16. Jh. - Der Elsässer Johann Fischart führt euch als Satiriker anno 1571 mit seinen polemischen Werken gegen den Katholizismus zu ihrem eigenen Hasswettstreit. Die weiteren Titel des aus Mainz abstammenden, europaweit Gelehrten in deutscher Sprache liefern das Bildnis seiner Zeit: Nachtrab oder Nebelkräh gegen die Jesuiten), Der Barfüßer Sekten- und Kuttenstreit, anzuzeigen die römische Einigkeit (1570), Bienenkorbdes Heiligen RömischenImmenschwarms und Jesuiterhütlein (gegen die Prüderie). Die alemannisch singende, badische Mundartgruppe D'Gälfiäßler (Gelbfüssler) singen besonders diese Welschkornseiten betreffend: 'uns'Rindvieh bin i doch!', sie singen vom Schwarzwälder Bollehuet, gar von der badischen Schimpfkanonade, die 'Alemannische Begrüßung' und den Vers von Johann-Peter Hebel:'Z'Mülle an dr Post'. Fischart übersetzte nicht nur, er verfasste in Versen Bericht erstattend über seine Zeit, was Grimmelshausen mit seinem autobiografischen Kriegs- und Schelmenroman ihm ein Jahrhundert später gleicht tat:  in seinem Werk Affentheuerlich Naupengeheuerliche Geschichtsschrift (1575) läßt er euch lesen, dass die Schwaben gelb Füß haben. Den historischen Hintergrund für den heutigen Spottnamen der Schwaben für die Badener birgt die Überraschung für die Schwaben selbst, dass sie einst und ursprünglich selbst als solche bezeichnet wurden! Es waren nun doch nicht der gelbe badische Lehmboden, wohl nicht irgendwelche gelbe Uniformhosen oder -strümpfe der badischen Söldner, die dieses spöttische Schimpfwort im Ursprung zeugte. Die Gebrüder Grimm im deutschen Wörterbuch mit ihren Sieben Schwaben: "vor zeiten ein Spottname der Schwaben bei ihren Nachbarn" führt zum gleichnamigen Schwank (um 1756) von Sebastian Sailer. Anno 1827, im Kriegszug der Sieben Schwaben wurde gar einer der Sieben als Bopfinger Gelbfüßler bezeichnet, weil er aus Wut, Platzmangel oder Bequemlichkeit  die Steuerabgabe des Zehnten, in Form von Eiern, mit seinen Füßen zertrat, um die geforderte Menge in einem Korb unterzubringen. Die geistigen Erben der Sagengestalt der spanischen Inquisition des 13. Jh., die Dominikaner und Franziskaner, im Kampf gegen die Ketzer (Juden und Katarer), nun im gegenseitigen Kampf und in dem gegen die Reformatoren des 16. Jh.

à propos:   Wer vermag sie noch zu entziffern, diese Zeitzeugnisse des großen Fischart aus: Abenteuerliche und ungeheuerliche Geschichtsschrift vom Leben, Raten und Taten der Herren Grandgusier, Gargantua und Pantagruel >: Das Acht Capitel. Das Truncken Gespräch, oder die gesprächig Trunckenzech, ja Truncken Litanei, vnnd der Säuffer vnnd guten Schlucker, Pfingstag, mit jhrer vnfeurigen doch dürstigen Weingengen Zungenlös, schönem gefräß vnd gethös. Das Viertzigst Capitel. Wie dem Strozzagurgel, als er sich strälet vnd butzet, die Büchssenkugeln auß dem Haar fulen mit viel tutzent.

VI: Jesuiten und Hexenverbrennungen: im Teufelsglauben

gossen Bischofsstädte Öl ins Feuer der Holzstöße. Die Reformationsanhänger als geistige Hauptmacht gegen den Teufelsaberglauben der Katholischen Kirche? Diese bischöflich eingesetzten Jesuiten wiederum ließen in Christo und unterm Kreuz einheimische Ketzer, ebenso wie Juden verbrennen. In selbem Auftrage bezichtigt sie die Geschichtsschreibung, zuvor schon den elsässischen Bauernaufstand gewaltsam niedergeschlagen zu haben. So wie die Blutspur vom Palais de Rohan in Saverne nach Lupstein ganzer 18.000 Bundschuh-Aufständische niedergemetzelt von der herbei gerufenen Landsknechte-Armee des lothringischen Kardinals, ungeachtet ihrer niedergelegten Waffen auf zuvor gemachte Amnestieversprechungen. Andere so genannte 'Aufständische' ließen sie erst gar nicht aufstehen, sondern standesgemäß an den Ästen der einst heiligen Stieleichen aufspießen. Diese von Rom geführten Christen steckten keineswegs mehr nur noch in ihren Kinderschuhen: ihre berüchtigte Bibel der Hexenhammer nach den irrealen Vorstellungen des Thomas von Aquin, umgesetzt  von den mit krankhaft frauenfeindlich religiösen Wahnvorstellungen behafteten Verfolger zur Zeit der Hexenverbrennung. Dieses 'menschliche Teufelswerk', vom Elsässer Johann Fischart anno 1580 ins Deutsche übersetzt, wurde in Frankreich seit den Valois-Königen viel gelesen. 1581 in Straßburg erschienen, ließ es Jahrs darauf die Hexenverbrennungen im Elsass 'seuchenartig' auf ein nie wieder übertroffenes Maß ausbreiten. Hochgeistige Humanisten glaubten an Hexen, was immer das sein mochte. Kirchen, besonders Wallfahrtskirchen, wurden damals bereits auf Jahrhunderten alten, erhöhten und zerstörten vorchristlichen Kultplätzen erbaut. Wo dieses Umgestalten alter Kultstätten nicht möglich war, zerstörte man diese, und sagte ihnen nach, dass der 'leibhaftige Teufel' (das Böse) hier verweile. Das Wort Teufel kommt aus dem griechischen Diaboses für Verwirrer - Verleumder, es entwickelte sich über Diobol und Duvel zu Teufel. So erreichte die Christenheit, was dem Heidentum fremd war, die  Vorstellung des Teufels und teuflischer Geister, welche erst ab der christlichen verordneten Gotteslehre für das Böse in persona auftrat. Die Darstellung des Teufels als tierköpfiges Ungeheuer mit Hörnern, struppigem Haar und aus dem Mund herausragenden Zähnen (mit Pferdefuß oder Fledermausflügeln), existierte auf dessen päpstliche Anordnung ab dem 12./13. Jh. und hat in den regionalen Hexenmasken der Alemannischen Fasnacht überlebt. Die hohe Zeit des Teufelsglaubens war das Mittelalter des 15./16. Jh.. Der vom Dominikaner Heinrich Institoris verfasste Malleus Maleficarum (1487) gab darin die Laien und Kleriker, die diese Hexenjagd ablehnten, als Häretiker preis und erklärte darin : Hairesis maxima est opera maleficarum non credere (Es ist die größte Häresie, nicht an das Wirken von Hexen zu glauben). Doch hier am Oberrhein waren die Jesuiten beteiligt mit ihrem  politisch neu gegründeten Jesuiten-Kolleg in Molsheim anno 1583. 

 Als publizierender Freischärler der Reformation mit Polemie gegen den passionierten Katholiken Murner führten mit zum geistigen Zerfall einer bislang geschlossenen Welt. Der politische, in Form des Dreißigjährigen Krieges, sollte auf dem Fuße folgen. Ob im Elsass, Schwaben oder im Breisgau der Scheiterhaufen machte selbst vor über neunzig jährigen Greisinnen nicht halt. Allein im Bereich des Bistums Straßburg wurden zwischen den Jahren 1615 bis 1635 ca. 5.000 Frauen und Mädchen als Hexen gefoltert, verbrannt oder ertränkt. Kirchenfürsten und Seelenhirte haben dabei nicht nur schweigend zugesehen, sondern mit Öl ins Feuer der Holzstöße gegossen. Habsburger Herren der Diözese, wie Leopold (Erzherzog von Österreich) und sein Nachfolger Leopold Wilhelm, veranlassten diese unmenschliche Gräueltaten zur Wiederherstellung des Katholizismus. Bereits ein geistiges Ursprungszeugnis für frühneuzeitliche Gesellschaftskrisen ? - Noch einen Blick über den Tellerrand des 16. Jh.: Staatsschulden und wirtschaftliche Konkurrenz auf den Weltmeeren.

Haut-Barr

 

 

 

 

 

Burg Hohbarr in Zabern die heute noch bemerkenswert schöne Stauferburgruine thront auf eiszeitlich abgelagerten Findlingen, dem Markfels über der Zaberner Senke bei Saverne (Nordvogesen), einst mächtiges Bischofschloss Haut-Barr unter dem Episkopat des Straßburger Bischofs Jean de Manderscheidt (Johann von Manderscheid-Blankenheim). Mit Beginn des Straßburger Bischofskriegs (1583) befahl er wichtige Festungsausbaumaßnahmen, ...in weiser Voraussicht als Zufluchtsort der Straßburger Religionskriege (1592-1608)? Auf dem Südfels, der durch die Teufelsbrücke mit dem Markfelsen verbunden ist, vermutet man den staufischen Palas, von dem eine mehrgliedrige Fenstergruppe von etwa 1170 erhalten ist. Manderscheids Wohnschloss in der Unterburg beherbergt auch die Räume der Hornbruderschaft, die Manderscheid 1586 stiftete, und in die der trinklüsterne Bauherr nur solche Zecher aufnahm, die ein riesiges Wein gefülltes Horn in einem Zuge zu leeren vermochten.

Der mächtige Hornbruder, Johann IV. von Manderscheid-Blankenheim, erhielt erst im Sommer 1573, während eines Romaufenthaltes, die päpstliche Konfirmation als Bischof von Straßburg. Bereits 1571, ließ der Bischof Jesuiten aus den Niederlanden ins Elsaß kommen und übergab ihnen das Franziskanerkloster Zabern (Saverne). Seine Reformen der 1575-80 ließen Auseinandersetzungen mit der Stadt Straßburg nicht aus. Der Hornbruder-Bischof weigerte sich lange, der Stadt den herkömmlichen Eid zu leisten, weil Straßburg angeblich die Rechte der Katholiken verletzt hätte, so erfolgte die Aussöhnung und Eidesleistung erst im November 1578. Es ging dem Bischof um die Wiederherstellung der landesherrlichen Macht,  nach dem Fehlschlag von 1577 die Kölner Kurwürde zu erhalten, fehlgeschlagen war (gewählt wurde Gebhard Truchseß von Waldburg). Während M. einerseits als Gegenreformator 1581 den Katechismus des →Petrus Canisius neu herausgab und im selben Jahr die Jesuiten nach Molsheim berief, suchte er andererseits in dieser Zeit für seinen Neffen Philipp Dietrich auf Wunsch der Mutter einen „Lehrer augsburgischer Konfession“ aus. 1583 griffen die Kölner Unruhen auf das Straßburger Kapitel über, da acht Kölner Domherren auch in Straßburg Sitz und Summe hatten: die kath. Domherren schlossen die sieben ev. Domherren aus. Gestützt auf die Hilfe der Stadt Straßburg, bemächtigten sich jedoch diese des „Bruderhofes“, des Sitzes der domkapitularischen Finanzverwaltung. M. suchte Unterstützung bei Herzog Karl III. von Lothringen und bei den drei geistlichen Kurfürsten. Nachdem der Papst bereits 1583 die Exkommunikation der prot. Domherren ausgesprochen hatte, erließ der Kaiser erst nach langem Zögern am 24.3.1589 ein Dekret gegen die abtrünnigen Kleriker, die den exkommunizierten Kölner Erzbischof zu ihrem Dechanten wählten. Der Zwistigkeiten in seinem Bistum müde, trug sich M. 1590 mit dem Gedanken an Abdankung. Nach seinem Tod gab Kardinal Karl von Lothringen der kath. Restauration neue Impulse.

Hinweis für Schatzsucher im unterirdischen Gang von Saverne zur Burgkapelle der Hohbarrà propos: der irdische Geheimgang der Hohbarr nach Saverne, in dem in einer Felsnische eine goldene Christusfigur, Edelsteine und  andere Schätze niedergelegt wurden, blieb das Geheimnis des jeweiligen Bischofs bis kurz vor seinem Tod seinem Nachfolger bestimmt. Manderscheid in seinen Zechlagen wurde unversehens vom Schlag getroffen. Der aus Baden (CH) stammende Brunnenmacher Hans Königgolt machte diesen Gang um 1642 ausfindig und offenbarte Gesehenes außer der genauen Stelle einem Zaberner Kapuziner, ehe er in den Wirren wieder in seine Heimat floh, ohne jedoch wiederzukehren. In einer Urkunde war zu lesen: im Jahre 1636, dem 28. August, der ehrwürdige Pater Bidacus, Franziskaner aus Zabern verstarb,....Dieser Priester ging von Zeit zu Zeit durch einen verborgenen Weg nach Hohbarr um Messen zu lesen. 1925 fand man den Eingang stark verschüttet. 

VII:  Straßburg's Bischofskrieg mündete in den privaten Religionskrieg

Karl von Lothringen

 

 

 

 

 

 

Das vorzeitlich keltische Fegersheim, südwestlich von Straßburg, an der alten Verbindung von Colmar aus, anno 1590 bischöfliches Lehen der mächtigsten Habsburger hier, derer von Ochsenstein, von Hanau-Lichtenberg und von Rathsamhausen, bietet euch aus der Vogelperspektive gesehen einen eigenen Wink westlich der Ill:  nach ihm tauchen die Orte wie Katzenpfoten ins Breuschtal, direkt auf Molsheim zu. In der Rheinebene stand es noch, sein Kastell Guibertsbourg aus dem 13. Jh. Geschichtsforscher rätseln heute, ob es dasselbe ist, das Jakob von Rathsamhausen an Rudolf von Breitenlandenberg und an seine Frau, die Veronika von Landsberg, anno 1590 verkaufte. Erlitt es deshalb seine Zerstörungen im Bischofskrieg nur 2 Jahre später? In Fegersheim, waren es die Herren von Rathsamhausen, die in 2 Anläufen versuchten die Reform wieder einzuführen: von 1576 bis 1589 mit dem Pastor Ambrosius Specker, dann 1596, mit dem Pastor Caspar Klee. Die protestantischen Dörfer der Habsburger Ritterschaft des Heilig Römischen Reiches Deutscher Nation waren 1590 u.a. die stets gepeinigten Dörfer Achenheim, Scharrachbergheim, Breuschwickersheim und Fegersheim. (siehe Elsass-Lothringischer Atlas, Karte 18a, 1931 der Universität de Haute-Alsace) - War es also ein erneuter Versuch, Bischofsgebiete mit Kaiserbesitz zu vergrößern, so wie im 13. Jh., beim vom Papsttum exkommunizierten Hohenstaufer Friedrich II?

1592: Mit dem plötzlichen Tod des legendär trunksüchtigen Straßburger Bischofs Johann IV. von Manderscheid in seiner Stauferburg Hohbarr, fand in Straßburg eine Nachfolger-Doppelwahl statt: Das protestantische Domkapitel erwählte den 15/16-jährigen protestantischen Markgrafen Johann Georg von Brandenburg zum neuen Bischof, was von Rom abgelehent wurde, da sich dieser wohl noch im Studium zum Administrator gegen den Katholizismus befand. Am 9. Juni 1592 wählten die katholischen Domherren hingegen den Bischof von Metz, Karl von Lothringen, bekannt als Herzog von Lothringen und Charles de Lorraine zum Straßburger Bischof. Diese Wahl wurde am 1. Juli 1592 von Papst Clemens VIII. bestätigt. Doch diese Bestätigung Roms führte zum Krieg, verharmlost als "Straßburger Kapitelstreit". Hatten die Katholiken doch gleichzeitig gegen die Bevölkerung Straßburg's gewählt. Die protestantischen Domherren hinter ihrem unmündigen Bischof besetzten daraufhin mehrheiltich das Straßburger Bistum. Mit Hilfe der mehrheitlich protestantischen Bürger Straßburgs brachten sie das Domkapitel wieder unter ihre Aufsicht. Dies wiederum, war er den katholischen Stiftsherren zu Hohbarr in Saverne Grund genug, für einen Truppeneinsatz aus dem katholischen Lager des Herzog von Lothringen. Denn auf diese mächtige Burg zogen sich die katholischen Domherren ihrem Metzer Bischof zurück, und erklärten sich selbst, gegen den Willen der Straßburger Reformationsbürger,  für das einzig rechtmäßige Kapitel der Diözese Straßburg, da ja vom s.g. heiligen Stuhl bestätigt. Mit dem Straßburger Religionskrieg, genannt 'Bischofskrieg' (1592-1608), wüteten oppositionierende Katholiken und Protestanten um den Bischofssitz Straßburg und seine allzu weltlichen Güter. Die Truppen dieses lothringischen Kardinals bekriegten sich 8 Monate lang, unnötig das schöne Land verwüstend, mit denen des jungen Markgrafen Brandenburg, ehe Straßburg den Kardinal als Bischof und sein Domkapitel im Münster anerkannte. 1593 vorläufiger Kompromiss: Karl von Lothringen im linksrheinischen und Johann Georg im rechtsrheinischen Teil des Bistums die Vorherrschaft zu überlassen. Letzterer führte in seinem Gebiet die Reformation ein, und hob neben anderen, die Klöster Allerheiligen und Ettenheimmünster auf, um diese an den Herzog Friedrich I. von Württemberg zu verpfänden.

Gut, wer derzeitlich Pfründe am hiesigen Straßburger Domstift besaß. So wie der Kölner Fürstbischof und Kurfürst, Gebhard Truchseß von Waldburg. Er wechselte zum protestantischen Glauben und konnte so Gräfin Agnes von Mansfeld heiraten. Nach seiner Vertreibung deshalb zog er sich in das Stift Straßburg zurück, wo er als Domherr starb. Ihm folgten andere protestantische Domkapitulare aus Köln, da sie am hiesigen Straßburger Domstift Pfründe besaßen. Dieser 3 Millionen Gulden verschlingende Straßburger Bischofskrieg (1583-87) gipfelte am 22. November 1604 im Hagenauer Vertrag: der den lothringischen Kardinal aus französischem Adelsgeschlecht in seinem Amt bestätigte. Wann hätten diese rechtmäßigen Oberhirten jemals so viel Geld für ihre von ihnen abhängigen Schäfchen ausgegeben? Kaiser Rudolf übergab den Schlichtungsauftrag an den Erzherzog  Ferdinand, einer seiner Brüder, mit dem Auftrag diese Ungleichheit zugunsten Lothringens auszugleichen. Weder die Katholiken noch die Protestanten empfingen ihn. Der lothringische Kardinal holte sich sein nicht gewähltes Recht mit 2.000 Männern. Die Kantone Bern, Zürich und Basel entsandten anno 1602 Truppen an den truppenlosen protestantischen Bischof, angeführt von einem Prinzen von Anhalt, der aus Frankreich zurückkam, wo er 'unnötig' Henri IV diente, bevor er sich "den Kardinal aus Lothringen vom Hals schaffte". Diese Intervention endete 1603 in Schiedsgerichtsbarkeit gestellt, mit der Vereinbarung, daß der Kardinal aus Lothringen dadurch  Bischof von Straßburg bleiben sollte, indem er 130.000 Goldstücke an den Prinzen Johann Georg von von Brandenburg zahlt. Ihr sagt, ein Bischofsstuhl könnte nicht teurer erkauft werden. Die Wahl eines neuen Bischofs nach des Zechers Manderscheid unvorbereitetem Ableben, über den sich Katholiken und Protestanten nicht einigen konnten,  wütete 20 Kriegsjahre lang Verzweiflung in die Gegend. - Das Nordelsass in der Blütezeit der Renaissance, die Grafen von Hanau-Lichtenberg (Nachfolger derer von Lichtenberg) ließen 1580 in La Petite Pierre verschiedene Neubauten von Daniel Specklin (Architekt der Festungswerke der Stadt Straßburg) ausführen.

à propos:  *): Kardinal Karl von Lothringen (Charles de Lorraine) Lothringer Kardinäle der Familie 'Guise', ein französisches Herzogsgeschlecht (jüngere Seitenlinie des Hauses Lorraine), von denen gleich mehrere Vertreter eine große Rolle spielten im Frankreich des 16. Jh. - 1563 wurde der älteste Sohn des Begründers, Claude I. von Lothringen (Feldherr, erster Herzog von Guise, einflussreicher Politiker unter den Königen Franz I., Heinrich II., Franz II. und Karl IX.), von einem Hugenotten ermordet. Die 'Guise' waren entschiedene Gegner der Hugenotten. - - -  Die Hugenottenkriege ließen den Botschafter Spaniens in Frankreich und England folgendes Schriftliche veröffentlichen: Des Hochwürdigsten ... Herrn Caroli ..., Bischoffen zu Straßburg un(d) Metz, Hertzogen zu ... Lottringen ... Darin(n) gründtlich zusehe(n), wie es mit dem Straßburgischen unruwigem wesen beschaffen, Sampt Copeyen der Missiven zwischen Irer Hochfürstl. Gnaden und der Statt Straßburg, vom 10. Junij biß auff den 10. Julij ergangen, Straßburg 1592 (Briefwechsel  dieses vom katholischen Lager gewählten Bischofs von Straßburg mit der Stadt Straßburg)

  

 

 

Die spanische Armada (die Bewaffnete) stach anno 1588 mit 130 Schiffen in See. Zu Fahrt gegen die jungfräuliche englische Königin Elisabeth I. und ihre englische Flotte mit 197 Schiffen unter Charles Howard. Treffpunkt, der an dieser Misere Unschuldigen, war der Ärmelkanal und die südenglische Küste. Historischer Ausgang und kein Seemannsgarn, war der zwar sehr verlustreiche Sieg der Engländer über den spanischen Grande des 16.Jh., Alonso Pérez de Guzmán (Herzog von Medina Sidonia). Der von ihm geplante Sturz der fern ab in England regierenden, jüngsten Tochter Heinrichs VIII. hatte einen religiösen, streng katholischen Antrieb. Europa, zu einer von Glaubensfragen zerrissenen Zeit, deren Wirtschaft am Boden lag, als England sich im Krieg mit Frankreich befand, interessierte den spanischen, damals aufs damals katholisch getrimmten Philipp II. nur die Europa reformierende Tatsache, dass die britische Insulanerin Elisabeth I. die Protestanten in Frankreich und den Niederlanden unterstützte. Sie muss sehr wohl gewusst haben was sie tat, als sie sich hinter Heinrich von Navarra, dem "König ohne Krone, der ohne Geld Krieg führt" stellte um ihn gegen die katholische Gegenpartei des Herzogs von Guise und Spaniens zu stützten. In den Niederlanden unterstützte sie die Aufständischen (Geusen, die so genannten Bettler) bzw. Wilhelm von Oranien gegen die spanische Besatzung. Die Folgen eines Sieges der Spanier anstatt der Engländer für den begonnenen Humanismus wären eine ebenso brennende Angelegenheit für inquisitorisch durch päpstliche Bullen legalisierte Menschenverbrennungsholzstöße gewesen; wie im übrigen auch für das Europa, so wie wir es heute kennen. Nur ein Jahrzehnt nach dieser gigantischen Seeschlacht, 1598 garantierte das Edikt von Nantes den Hugenotten Toleranz in Frankreich, bis zum Sonnenkönig Ludwig XIV. 1685, auf der nächsten Seite, dieses Edikt wieder widerrief und es erneut zu Hugenottenverfolgungen kommen ließ.

Fortsetzung: zum Simplicissimus, Dr'Düwack, Frankreichs & Richelieu's böhmischer Kriegsgeselle gegen Habsburg: Herzog Bernhard von Weimar & seine Schlacht bei Wittenweier um die Rheinfestung Breisach und um das ortenauische Kinzigtal-Nadelöhr Offenburg, der kaiserliche Franzosenschreck Jan de Werth, Schweden an der Kehler Rheinbrücke, Lahr-Mahlberg in der (M)Ortenau...

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