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eurer Erzählung nach seien:
(Text-Links: A-Z)
Armagnaken:
Von der Arbeitslosigkeit einer Armee von 30 -
40.000 Söldnern, besser gesagt Schindern, aus der französischen
Grafschaft Armagnac, bedingt durch den Waffenstillstand im
Hundertjährigen Krieg zwischen Frankreich und England, profitierten der
französische Dauphin und spätere König Ludwig XI., die diese
brandschatzend durch das ganze Elsass bis vor die Tore Basels
dirigierten.
Bartenheim :
(im Sierentzer Land) birgt eines der ältesten Versöhnungskreuze
aus dem Rheintal, die zwischen dem 12. + 15. Jh.
einen Mord wie eine Hinrichtung kennzeichneten.
Bernwiller:
Ferme Pédagogique de
Bernwiller, 4, rue de Lattre de Tassigny, Tel. : (0033)(0)3.8925.3055 :
Besuch auf dem Bauernhof mit dem Programm: Milchverarbeitung, Tag des
Getreides und Tag der Korblfechterei (altes Handwerk) vom ? + Kostenlose Führung durch die Ferme
pédagogiqe von Bernwiller :
die verschiedenen Tätigkeiten bis
zur Fütterung der Tiere - Dauer 1,5 Std. - vom Fremdenverkehrsamt
Anmeldung Tel. (0033)(0)3.8940.0290 - e-mail -
Treff: vor der Ferme um 14h30 am
?
Carpe Frite:
kulinarische
Spezialität des Sundgau: gebackener Karpfen in Bierteig oder
die Legende des Grafen von Ferrette, der es einer Schäferin nur wegen
dieser köstlichen Zubereitung erlaubte seinen Sohn zu heiraten. Er
dankte es den jungen Brautleuten mit dem Bau des Schloß
Liebenstein
Dorffeste:
"vom
Rhein zum Sundgau Ronde
des fêtes : 54, rue de Mulhouse in
Saint-Louis -
Dreißigjährige
Krieg:
(1618-1648) - der im
Passieren des Sundgaus auch vor den schweizerischen Eidgenossen nicht
Halt macht
Erdwibelehöhle:
zur regionalen Urlegende der
Zwerge, in den Felswänden der Wolfshöhle in der Heidenflue
südlich von Ferrette arbeiteten kinderlose Gartenzwerge
mit Gartengeräten aus blankem Silber. Bei den Korn- und Getreideernten
halfen sie in Reih und Glied bei den, unter ihren Streichen reichlich
ausfallenden, Mahden. Bei Kilben und Hochzeiten
deckte man ihre Plätze am Tisch zuerst.
Fachwerkbau:
gesunder, atmungsaktiver Hausbau mit
Eichenholzträger, Lehmböden und Weidenruten für die
Wände bedeckt von Ziegeln aus dem Tonvorkommen
Fasnet der Waggis:
im März ist Sundgauer
Carnaval in den Städten Altkirch, Aspach, Carspach, Riespach
und Hirtzbach. Zu den standardisierten Maskentypen der Basler
Fasnacht gehören Harlekin und Pierrot
ebenso wie der Blätzlibajaß, der Glaun
und der Waggis. Letztere ist die Karikatur der
Sundgauer Bauern die einst ihre Waren zum Verkauf "in die Stadt"
brachten (nach Basel). Pausbäckig, mit riesiger Nase, blaukariertem
Kittel und elsässischem Jargon !
Ferrette (Pfirt):
(Aquarell von A. Kauw 1670)
war
Stammsitz der Landesgrafen, einer Nebenlinie des Geschlechtes derer von
Mömpelgard (Montbéliard). Reste des 1104
erstmals erwähnten Ober- und Unterschlosses noch erhalten. Sehenswert
die neogotische Kirche, erbaut auf den Resten eines
Gotteshauses aus dem 14. Jh.
gallo-romanisches Museum:
am Rhein bei
Vogelgrün - Römische Jahrhunderte am Oberrhein:
im architektonisch sehenswerten Capitole-Bau neben dem Rathaus im
elsässischen Biesheim zum Alltag von Asterix
und Obelix
Gallien:
entlang des Rheins folgten also drei
Siedlungen aufeinander: die Sequaner
(Besançon), die Mediomatriker (Metz) und die
Treverer (Trierer).
Glaserberg:
(817m) das elsässische Jura an der Schweizer
Grenze, von Winkel
aus zu besteigen.
Geschichtsverein:
Paul Bernard-Munch Vizepräsident
der Société d'Histoire du Sundgau veröffentlichte
bereits in französischer Sprache:
"Saint-Louis, Porte de France ", (1995) - "
Hésingue, Porte du Sundgau " (1998) und" Histoire
de l'hôpital de Sierentz 1898-1998 " (1999) und
publiziert im Jahreskalender
Grand canal du Rhin:
eine der größten Bauleistungen des 20.Jh. erstreckt
sich auf einer Länge von 126 km von Basel nach Straßburg -
der erste Bauabschnitt, die Stauwerke von Kembs, wurde 1932 beendet.
Hardt:
dieser Urwald erstreckte sich bis vor die
Stadtmauern Basels, dessen Rodung und Abholzung mit durch den
Johanniterorden eingeleitet wurden
Heidenfluh:
1348: auf dem Flühen, 1567: Heidenfluoch (640m) der
elsässische Jura zwischen Ruine Hohenpfirt und
Erdwibelefelsen, unmittelbar beim Löchlefelsen (Ferrette),
dessen schweizerische Namensgebung der Flühen (Felsen) auch an die
Präsens des Feinstofflichen gemahnte, wie die Zwerge auf dem schattig
belaubten Ahornast. - Hier mit Ausblick auf Belfort, Welscher Belchen,
Rossberg und großer Belchen.
Hésingue
:
südlich von Altkirch
unterhält der Geschichtskreis C.H.H. Cercle
d'Histoire de Hésingue das Museum: Musée du Patrimoine local
"Bockstall" - 13, rue de Saint-Louis : frei zu
besichtigen am Tag des europäischen Kulturerbes von 10h-12h + 14h-18h am 18.9.2005
Huningue:
Vauban-Rheinfestung, Wildwasser
- Kanalgewässer für Kajaks, Angler- und Wanderparadiese, Radtouren oder
Fischspezialitäten, feenhaften Dörfern.
Hundsbach:
das
Mühlen-Sommerfest Méhli Art in der
Mühle von Hundsbach Infos: Moulin de Hundsbach Tel.:
(0033)(0)3.8907.8842 im Regional-Agenda unter Altkirch
vom 20. - 21.8.2005
- - - Tag der offenen Tür des Kulturerbgutes der Hundsbacher
Mühle (Les Journées du Patrimoine au Moulin de Hundsbach)
Treffpunkt an der Mühle : 2 rue du Moulin - geführte Besichtigungen in
der Scheune. Infos : L'Association du Moulin de Hundsbach Tel.:
(0033)(0)3.8907.8842 oder 4402 am
18.9.2005
Illfurth:
kostenlose geführte Besichtigung der Mutterkirche
La Burnkirch
führt an einen Ort voller
Mysterien, von der Poesie bis zum Magnetismus. Der Kirchenbau der
“ecclésia matrix” begann im 8. Jh. - hier fand der Exorzismus an dem
jungen Joseph
Burner statt, anno
1869. Sie birgt Fresken aus dem 15. Jh. und das Grab des Ritters
Godefroy de Burnkirch. Dr Kaszuk führt in die Geschichte des Ortes
zusammen mit dem Fremdenverkehrsamt (Office de Tourisme d’Altkirch
tél.: 03.8940.0290) - Treff: vor der Kirche um 15h am ?
elsässischer Jura :
Jura alsacien - Das kalkhaltige Karstmassiv, seine weit
auslaufende Breite mit bescheidener Höhe begünstigten die menschliche
Frühbesiedlung seiner Orte : ihrer prähistorischen Grotten. - Office de
Tourisme du Jura Alsacien, Route de Lucelle, F-Ferrette, Tel.:
(0033)(0)3.8908.2388, Link, geöffnet: Mo-So: 9h30- 12h30 + 14h - 18h
Karst:
Karstlandschaften von Kalkgebirgen des
Jura, von Erde entblößt, meist leblose Landschaft, wo nur die
'Erdwibele' überleben
Landskron:
sie war die 'Krone
des Landes' und gehörte dem Stauferkaiser Friedrich
II. und Kaiser Maximilian I. (dem
'letzten Ritter'). Nach vielen Zwischenbesitzern kam sie an den
badischen Markgrafen, der sie an den Sonnenkönig Ludwig XIV
verkaufte. Dieser ließ die strategisch wichtige Burg durch seinen
Festungsbaumeister Vauban ausbauen. Weihnachten
1813 wurde die Burg gestürmt und später geschleift
Literatur:
"Dann habe ich auch Gedichte von Nathan
Katz, unserem Sundgauer Mistral, gelesen." schrieb einst André Weckmann,
zwangsrekrutiert, 1944 desertiert, der sich 2 ½
Monate im Keller in einem Weinfass des Elternhauses im Elsass
verstecken musste
Loesslehm:
der Elsässer Gold-Hahnenfuss
(Ranunculus alsaticus) markiert auf verschwemmten Loesslehm des
Basler Schützenmatt- und Margarethenpark und an der
Dorenbach-Promenade die Nähe des Sundgauer Hügellandes
Mülhausen:
Mitglied der schweizerischen Eidgenossenschaft von
1515 bis zum Revolutionsjahr 1798 mit einigen Unterbrechungen der
Religionsstreitigkeiten aufgrund seines 'Sechs-Plappert-Krieges'
!
Mühlen:
alte Sundgauer Mühlen, die
ländlichen Kulturschätze - das 'Ballte der Kornsäcken bis zur
Mühle' ist heute noch in den Sundgauer Dorffesten zu
finden
Sundgau:
geographisch die hügelige Region südlich von
Mülhausen, die sich bis zum Tal der Lucelle erstreckt, als südliches
Elsass -
"Der Sundgau ist im Sommer
am schönsten im südlichsten Teil, im elsässischen Jura, der in zwei
Falten west-ostwärts zieht und im Rämel und im Glaserberg auf über 800
m ansteigt."
(Paul
Stinzi)
Sundgauer Mühlen:
Im Getreide reichen Rheinbecken
zählen die Kantone Habsheim, Sierentz
(weniger Wahlbach und Zaessingue), Huningue
(weniger Knoeringue und die Kirchenmühle des Priorats
Saint-Apollinaire) und der südliche Teil des Kantons Ferrette.
Einige Hundert Mühlen ließen sich hier in den Grundbucharchiven finden,
und die mündliche Überlieferung einiger Mühlenbesitzer haben es den
Geschichtsforschern erlaubt - südlich von Mühlhausen - ihre Spuren
wieder aufzunehmen
Torque - torches :
archäologisch: starres Metallcollier
der Gallier, danach der
römischen Soldaten. Das Urband Liebender oder Ehegatten zur
Urmutter am rechten Arm - Dieser Ring, den schon Cernunnos der
Hirschgott (Gott der Gallischen Mythologie) seit grauer Vorzeit (15.000
Jahre vor Christus) trug hat in unserem Ehering
überlebt.
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"Sundgau
hieß man früher das im Süden des
Oberelsass zwischen Rhein und Belfort, dem Schweizer Jura und der Thur
gelegene österreichische Territorium. Sundgau nennt man heute das
südlich von Mülhausen 300 bis 500 m ansteigende und in den elsässischen
Jura übergehende, von Süden nach Norden von der Ill, der
Largue, dem Thalbach durchflossene, sanftgewellte, friedliche Hügelland,
das im Osten durch die Rheinebene begrenzt wird."
(Paul Stintzi)
|
zur
Fortsetzung : träumend
durch den Sundgau - das südlichste Elsass nahe dem Jura - Freizeit
& Schlemmern
Der
Süden des Elsass, der Sundgau (Südgau) lädt ein mit
seinen schönen alten Dörfern und reichhaltiger, wasserreicher
Naturlandschaften. Zahlreiche Fischteiche für Streifzüge abseits vom
Touristentrubel im übrigen Elsass. Ein historischer Überflug über
urzeitliche Besiedelungen bis zur heutigen kleinen Camargue im
elsässischen Jura südlich von Mulhouse
(Mülhausen).
Die
dörfliche Idylle der alten Riegelhäuser erschließt
sich vor allem den Radwanderern. Erbaut aus einheimischem Material wie
Eichenholz für die Konstruktion des nicht unterkellerten Riegelwerkes, Lehm
und Weidenruten für die Füllungen der Gefache und Ton
für die Ziegelbedachung. Typisch sind die steilen Dächer mit
'traufseitig' angehängten, offenen Lauben. Die Häuser aus dem
17. bis 19. Jahrhundert in einfacher regionaler Fachwerkbauweise prägen
das Ortsbild des typischen Sundgauerdorfes. Das
Zentrum bildet der Dorfplatz am ehemals offen fließenden Mühlebach. Das
historische Erbe befindet sich im schweizerischen Heimatmuseum
Allschwil. Dort ist ein erhaltener Wohnteil des Museums nach
Voranmeldung zu besichtigen. Die Schmiede, das Doktorhaus, die alten
Gaststuben (Wirtschaften, Landhus) und Jägerstübli sind, neben dem
ECO-Freilichtmuseum in
Ungersheim (Ensisheim), in ursprünglicher
Funktionen immer noch zu finden. Die mittelalterliche Kunst im Sundgau
blieb euch erhalten in zahlreichen Kirchtürmen mit Satteldächern
(clochers à / en bâtière), die achteckige Kirche von Ottmarsheim, die von
Feldbach,
das Kenotaph (Grabmal zur Erinnerung an einen Toten) des Heiligen
Morand in Altkirch...
Sundgau :
historisch Bedeutendes gibt
Kunde
von
diesem seit Urzeiten besiedelten Gebiet. Die ersten menschlichen
Siedlungen reichen zurück bis 500.000 Jahre vor Christi Geburt. Alt-
und Neusteinzeitliche Funde bis zur Bronzezeit einer Bevölkerung die
ihre Toten mit Feuer bestattete. Die besser bekannte Eisenzeit dank
ihrer Festung auf den Höhen des Britzgyberg in Illfurth. Im 1. Jh.
v.Chr. war der Sundgau dem weitläufigen Gebiet der Sequaner
einverleibt mit Sitz in Besançon. Im Jahre 16 vor Chr. wurde Gallien
durch den Kaiser Augustus neu organisiert: das Südelsass wurde fest an
das belgische Gallien angebunden, wohingegen der Norden, angesichts der
Eroberung Germaniens, den Status des Militärdistrikts erwirkte. Der
Rhein war somit die Reichsgrenze. Um 70 v. Chr., als sich diese vom
Joch der Eduaner befreien wollten, riefen sie die benachbarten Germanen
zu Hilfe. Letztere, angeführt von Ariovist,
beendeten 'dieses Joch' indem sie sich selbst im Gebiet der Sequaner
niederließen. So rief man die Römer zu Hilfe, die
ihrerseits dasselbe wiederholten: Julius Cäsar besiegte Ariovist 58
v.Chr. und die Römer ließen sich nun im Elsass nieder. Die alten
Keltenwege vereinnahmend entstand ein dichtes Straßen- und
Verkehrsnetz. An ihren Straßenrändern wuchsen vicus wie in Larga der
Bann der Friesen, Sierentz, Koestlach... - Anno 294 reorganisierte
Kaiser Diocletian Gallien erneut, mit dem Zerlegen in
Diözesen. Jetzt war das Elsass im ursprünglichen Germanien
integriert, dessen Hauptstadt Mainz war. Die Gebiete entlang des Rheins
gelangten Schritt für Schritt unter Kontrolle von fränkischen und
alemannischen Königen, welche, im Austausch ihrer Ländereien, die Bürde
hatten sie gegen andere germanische Invasionen zu verteidigen. So
wurden diese Gebiete zu verständigen Pufferstaaten um die ersten
wichtigsten Invasionsschrecken abzuschwächen. Die römische
Vorherrschaft endete, wie auf der Seite "Regio am Oberrhein" näher
erläutert, Anfang des 5. Jh.
Bis
zum Sieg der Franken bei Tolbiac anno 496 besetzten
die Alemannen den Sundgau, von an als elsässisches
Herzogtum Alemannien dem Austrasischen Reich einverleibt. Unter
Einfluss irischer Mönche und unter der Herrschaft der Merowinger
(östlicher Teil des fränkischen Königreichs) befahl König Chlodewig
ab 751 auch im Sundgau das Christentum zur
Staatsreligion. Um 700 erschienen die ersten, dem Heiligen Sankt Martin
gewidmeten Mutterkirchen. Im 9. + 10. Jh. wurde das Herzogtum
Alemannien Sitz zweier Grafschaften, des Nordgau und des Sundgau,
letzteres wurde von der Adelsfamilie Liutfried verwaltet. Um 750 setzte
sich das Herzogtum Elsass aus den letzten Merowinger zusammen.
Verwaltet von den Etichonen (Familie der heiligen Odilia auf dem
Odilienberg). Im Vertrag von Mersen anno 870 stand eine geteilte
Grafschaft, das Elsass als Nordgau und Südgau. Die
Grenze zwischen den beiden Territorien ist der Landgraben, südlich von Schlettstadt. Die
geschriebene Bezeichnung Sundgau erscheint im 12. Jh. Da schrieben die
Liegenschaften der Grafen zu Ferrette (Pfirt) und
derer von Habsburg die Geschichte, mit Ausnahme der
Stadt Mülhausen und seiner Gemarkungen Illzach ° und
Modenheim. In
Basel an der Stelle der Elsässerstrasse' floss
der Rhein floss schon seit Tausenden von Jahren vorbei, an dem die
Römer ihre Militärachse gebaut hatten, die nach Cambete,
dem heutigen
Kembs,
führte. Hier stand beiderseits dichter Hardtwald *.
à
propos : *): Um 1048 lebten in dieser Basler
Wildnis Rehe und Wildschweine, im Haus zu St. Johann wurde
ein Spital errichtet zur Unterstützung von Pilger, Bedürftigen und
Kranken. Die Pfleger verbanden sich zu einer weltlichen Gemeinschaft
und gründeten den Johanniterorden. Die Not war überall groß, der
Johanniterorden wuchs auch in Basel, wo außerhalb der damaligen
Stadtmauer ein ebenfalls ummauertes Hospiz mitsamt Kapelle und
Ritterhaus entstand. Basels unbesiedelte Waldgebiete waren billig zu
haben. So trugen Johanniter zur Urbarmachung der Gegend bei. Basels
Brenn- wie Bauholzbedarf trug so dazu bei, dass immer mehr Wald
abgeholzt wurde. Das Gebiet des heutigen St.Johanns-Parks war wohl im
13.Jh. nicht mehr bewaldet. - - - °): ein
einzigartiges Beispiel mittelalterlicher Baukunst, die ehemalige
Abteikirche von Ottmarsheim
bei Illzach wäre um
ein Haar abgerissen worden, weil man sie wegen ihrer sehr
außergewöhnlichen Form im späten Mittelalter für eine Kultstätte aus
schlimmer Heidenzeit hielt. Erst im 19. Jahrhundert wurde entdeckt,
dass sie eine Nachbildung der Aachener Pfalzkapelle
ist,
sie
ist zu besichtigen am Tag des
Kulturerbe (Journée du patrimoine) am 17. + 18.9.2005
Nach der Reichsteilung
Karls des Großen erfuhr der Sundgau eine instabile Periode die zum
Autoritätswachstum lokaler Herrscher führte. Es war der Anfang der
Feudalherrschaft, der Sundgau nun dem Heiligen Römischen Reich
deutscher Nation unter Othon I einverleibt. 1125 erbt
Friedrich, Sohn des Thierry I von Montbéliard, das Südelsass und wird
Graf von Pfirt. Friedrich I (1125-1160) nahm aktiv
teil an der Regierung des Heiligen Römischen Reichs deutscher Nation
und kämpfte gegen das Heidentum, indem er
klösterliche Einrichtungen dazu ermutigte wie in Feldbach und
Saint Morand in Altkirch.
Sein Sohn Ludwig (1160-1191) begleitete Friedrich Barbarossa
auf dem Kreuzzug und starb in Palästina. Ulrich I (1193-1197), Sohn des
Ludwig, wurde ermordet durch den Burgunder Pfalzgrafen Othon. Dessen
Bruder, Friedrich II (1197-1232) beerbt ihn mit
einer Regentschaft erschüttert von Gewalt und Kriegen. Er wurde zum
Bischof von Basel erhoben und dauerhaft abgestraft, bis ihn sein Sohn,
Ludwig der Grausame, ermordete, den man für sein Verbrechen
exkommunizierte. Ulrich II (1233-1275), Sohn
Friedrich II, vergalt die durch seinen Vater verlorenen Rechte und
verkaufte den Sundgau anno 1271 an den Bischof von Basel, der es ihm
als Lehensgut zurückgab. Sein Sohn Theobald (1275-1310) von großem
Kampfesgeist erfuhr viele bittere Enttäuschungen und ließ sich auf der
Engelburg in Thann nieder. Ulrich III (1310-1324) erschloss das Tal
von Saint Amarin, starb jedoch ohne männlichen Nachfolger.
Seine Tochter Jeanne heiratete Albert II (der
Weise) von Habsburg und brachte ihm den Sundgau als Aussteuer. Künftig
war die Macht weit weg in Österreich, in Innsbruck dann in
Wien.
à
propos : 2,5 Std.-Wanderung (8 km) vom Sundgau in die nahe Schweiz
- Wanderroute: von Leymen zur
Burgruine Landskron - von hier aus
über die Schweizer Grenze zur berühmten Wallfahrts- und Klosterkirche
Mariastein.
Eines der, oder das älteste Kreuz aus dem Sundgau
versteckt sich klein an der Strasse in
Bartenheim
(im Sierentzer Land) auf dem Gelände des heutigen Institut
Medico-Educatif. Massiv und grob gehauen aus einem Stein gehauen und
gestaltet zählt ihr es zu den Versöhnungskreuzen,
die überall im Rheintal zwischen dem 12. und 15. Jahrhundert errichtet
wurden, um einen Mord oder einer Hinrichtung zu kennzeichnen. Ohne
schriftliche Erwähnung dieses Monuments bleibt die volkstümliche
Geschichte erhalten: Ein Händler oder ein Ritter
kam auf seinem Ross von Blotzheim Richtung Bartenheim. In seinen
Satteltaschen befanden sich zahlreiche Gold- und Silber-Stücke. An
diesem Ort wurde er von einigen Räubern überfallen, die ihn, trotz
seiner tapferen Verteidigung, von dem Sattel warfen und ihn ermordeten.
Sein verwirrtes Ross ritt im wilden Galopp zurück nach Blotzheim mit
den begehrten Gold- und Silber-Stücken. Es wurden Untersuchungen
unternommen, um die Täter zu finden. Einige Tage später wurden drei
davon festgenommen und kurzweg ohne Prozess gehenkt. Die
Steinabnützung des Kreuzes führt ihr auf die Bauern zurück, die den
waagerechten Teil des Kreuzes als Wetzstein benutzten, und um sich
gegen den Blitz zu schützen.
Südlich
von Altkirch, im heutigen Hésingue (Häsingen),
entstand nach dem Auseinanderbrechen des ehemals karolingischen
Imperiums die Lehnbarkeit von Güter. Die reichsten Eigentümer der
Dörfer ließen starke Häuser bauen. Ab 1235 unterhält Hésingue ein
Schloss. Um 1234 zitierte man unter der Dorfnoblesse einen Hezilone
von Hesingin, 1284 einen Conradus von Hesingen,
1297 einen Meyer Johans von Hesingen "der Munzer" und 1359 den Ritter
Richard von Hesingen. Im Mai 1253 gab die Abtei von Murbach ihre Güter
von Hésingue, einschließlich des Dîmière-Hofes, an Jean Zu
Rhein (Gründer derer 'Zu Rhein de Hésingue') und an Ritter
Otto Schaler ('bourgmestre' von Basel). Aus Basel stammend zählten sie
zu den wichtigsten Abhängigen des Bischofs dieser Stadt, die Herren
derer Zu Rhein besaßen dort auch Kirchengüter.
Zahlreiche religiöse Häuser und Klöster besonders aus Basel hatten
ebenfalls einen Besitz an Hésingue. Alles im Herrscherwechsel von
Häsingen im 13. Jh. : begonnen mit Friedrich II. von Hohenstaufen
1215-1250, unter der Herrschaft von Saint-Louis 1226-1270, von Konrad
IV.1250-1254, von Raubrittern und deren Faustrecht 1250-1273, von
Philippe III. 1270-1285, von Rudolf I. von Habsburg 1273-1291 und von
Philippe IV. von Frankreich (der Schöne, als 11. König des einstigen
Karolingerreiches aus dem Hause der Capétiens)
1285-1314. In den letzten Maitagen 1425 erschienen die Truppen des
Thiébaud von Neuchâtel mit 500 Reitern vor den Toren von Basel, die das
Dorf von Hésingue sowie das Schloß mit Hof und Graben anzündeten, bevor
sie sich davon machten.
Elsässische und
breisgauische Gebiete waren 'Vorderösterreich'
von Ensisheim
verwaltet durch eine große Vogtei. Der Sundgau aufgeteilt in 4 Vogteien
(Landser, Thann, Altkirch und Pfirt), und 135 als habsburgische
Lehensgüter von dessen Herren direkt verwaltetet. Dieser dörfliche Adel
errichtete zahlreiche Herrenhäuser. Die Bevölkerung war geprüft mit den
Pestepidemien von 1313 und 1349, dem Erdbeben
von 1356 und mehreren Kriegen den Basler Kriegen
von 1354 und 1369, dem Hundertjährigen Krieg durch
Engländer anno 1369 und 1375, den Armagnacs von
1444, den Kriegen von Solothurn und Basel 1445-1146, der 'Sechs-Plappert-Krieg',
aus nichtigem Anlass des rückständigen Lohns eines Müllerknechtes
brachte die Stadt Mülhausen
beinahe dem Untergang nahe 1466-1470 - nur durch burgundische Drohungen
kam ein langer Schutzvertrag mit Basel zustande, - dem Schwabenkrieg
von 1499.... - 1444: Die Hauptmacht der Armagnaken
füllte das Leimental und das Birseck bis hinauf nach Pfeffingen
mit Kriegsvolk. Sie tauschten jeweils einen gefangenen Bauern gegen ein
Mass Wein um. Ein Häuflein Eidgenossen bringt dem
Dauphin Ludwig, Sohn des Königs von Frankreich, am 26. August 1444 bei St. Jakob in
einer heldenhaft geschlagenen Schlacht das Fürchten bei. 1486 kam der
römisch-deutsche Kaiser Maximilian I. nach Basel erhielt einen
großartigen Empfang mit 400 Pferden und höfischen Empfang für die
kaiserliche Majestät. - Der Sundgau, trotz seiner Nähe zu Mülhausen und
Basel, ließ sich nicht reformieren und blieb der Religion seiner
Herrschaft, der Habsburger, treu. Im Frühling 1445 erfuhren die
Armagnaken bei Dambach eine Niederlage und verließen Elsass nicht, ohne
es ruiniert zu haben, auch das Dorf Hésingue
überließen sie den Flammen. Ende 1448, waren es die Herren von
Rheinfelden selbst die täglich mit Herden in Richtung Basel zogen um zu plündern,
verjagen und zu ermorden, bis sich die Basler als Vergeltungsmaßnahmen
dieselbe kriegerische Art anei das ihre Herrschaften bei ihnen
einzuführen versuchten, nicht akzeptieren wollten. Der Adel ging daraus
geschwächt hervor, bürgerliche Gesellschaft befand sich auf dem
Höhepunkt ihrer Macht. Zahlreiche Häuser der Renaissance datieren aus
dieser Epoche in Lutter, Obermorschwiller, und das Rathaus von
Ferrette. Im
Frühjahr 1586 führte der Basler Fürstbischof Jakob Christoph Blarer von
Wartensee den Gregorianischen Kalender und
verschiedene katholische Feiertage, Fronleichnam und Marienfeste ein.
Ritter, Tod und Teufel - Stockach und der Schweizerkrieg 1499
Die
Kriegscharen
der eidgenössischen Orte Zürich, Bern, Freiburg, Solothurn
und Schaffhausen hatten, wie Graf Wolfgang an Hans
Nyffer und dieser weiter an die Reichstadt Eßlingen berichtete: ihren
ersten Einfall im Hegau. Der Graf, welcher den
Oberbefehl über die Wirtemberger übernommen hatte,
ward zu Lutterbach bei Mühlhausen vom 8. bis 10. Mai
und vom 11.-13. in Ensisheim, wo sich ein Landtag der
vorderösterreichischen Stände versammelte. Dieser beschloss, gegenüber
dem Befehl des Königs, der Graf solle sich mit seinen Truppen in die
vier Waldstädte legen. Die königlichen Statthalter zu Freiburg dazu
ersuchen, beim Könige darauf hinzuwirken, dass sein 'Feldherr'
wenigstens eine Garde in dieser Gegend belassen werde; wie auch Graf
Heinrich (das Haus Fürstenberg im Dienste Habsburgs)
betonte, dass man dem Feinde jetzt nicht so viel Land
preisgeben dürfe. Feindesabzug vermeldete sein Bruder Wolfgang an den
König um Streitmacht abzulehnen. Vom 19. bis 26. Mai war Graf Heinrich
in Altkirch,
wo sich schon länger ein Standlager befand und wo nun die Rüstung des
Heeres vollendet wurde. Von hier aus befahl er seinen freien Knechte
Streifzuge beim Feind, wo sie vier Dörfer nieder brannten. Das
Rechnungsbuch das der Zahlmeister des Grafen vom 20. April bis zum 10.
Juli über Einnahmen und Ausgaben beim Heere führte, hat sich nebst
vielen dazu gehörigen Quittungen und Belegzetteln als schweizerisches
Beutestück im Archive zu Luzern bis heute erhalten. Aus demselben geht
hervor, dass unter dem Grafen von Fürstenberg
Friedrich Kappler die Ritterschaft und Reisigen aus dem
Sundgau, Hans Kaspar von Laubenberg 'den Zeug' (die
Artillerie) von Louis von Bandre und Rodrigo de la Lang die wälsche
(welsche) Garde befehligten. Markgraf Christoph von Baden
im Kampf gegen die schweizerischen Eidgenossen, die auf ihrem 3.
Hegau-Feldzug über Schaffhausen und Stein erneut in den Hegau
einfielen. Dies mobilisierte gar Graf Wolfgang, aufgrund
einer Nachricht von der Gefahr in seinen eigenen Herrschaften im
Kinzigtal, aus dem Fürstenbergischen zog nun zum Landsturm aus "was
nur machtbar war und Stab und Stange zu tragen vermochte".
Die pfälzischen Truppen und Markgraf Friedrich von
Brandenburg in eigener Person rückten heran. Vom Sundgau aus
zog Graf Heinrich an um eiligst in Richtung gegen
Stockach 3.000 Fußgänger und 1.000 Reiter heranzuführen; vom Schicksal
begünstigt durch den zeitweiligen Abzug des Feindes der ihm
gegenüberstand. Der Plan war 15.000 Mann zu Fuß und 3.000 zu Roß zum
'Entsatze' (Einsatz) zu versammeln. Den Eidgenossen ward der Plan der
Deutschen durch einen Gefangenen der 'Schaffhauser' verraten worden,
angesichts der nun von zwei Seiten anrückenden Streitkräfte befanden
sie es für gut das Feld zu räumen. In Altkirch
lagerte der Bruder von Graf Wolfgang mit einem Teil der im Lager
versammelten Truppen, samt 600 Pferden und 1.500 Mann zu Fuß. Am 27.
Mai 1499 brach er in Altkirch auf um in vier Tagemärschen über
Jettingen, Brattelen und Säckingen bis Waldshut vorzurücken. Am Morgen
des 31. Mai zog er von dort das Wutachtal hinauf gegen Fützen weiter,
um sich mit Graf Wolfgang zu vereinigen, der ihn schon am 30. Mai in
Hüfingen erwartete, als er die Nachricht erhielt vom Abzuge des Feindes
vor Stockach; seine Bestimmung lautete zunächst zur Rückkehr nach
Waldshut. Der König richtete zwischenzeitlich sich widersprechende
Warnungen, Ratschläge und Wünsche an die im Lager zu Altkirch zurück
gebliebenen Hauptleute zugingen; also unternahm er einen Umweg über
Rheinfelden um dort die Feindesabsicht zu erkunden, ehe er am 4. Juni
wieder ins Altkircher Lager zurückkehrte. Ein Schreiben von Graf
Heinrich vom 25. Mai aus Altkirch kündete dem Statthalter und
den Räten zu Freiburg seine Absicht an, mit den freien Knechten, der
Mannschaft der Städte Straßburg, Kolmar, Schlettstadt und 500 Pferden
von der Garde 'hinaufzuziehen'. Am 27. Mai teilte er denselben seine
beabsichtigte Marschroute mit und meldete, dass die Hauptleute und die
Ritterschaft aus Geldmangel ungeduldig wurden.
à propos :
Sigmund
Riezler:
Die Grafen von Fürstenberg im Schweizerkriege 1499
(1883)
Ende 1632 traf der Dreißigjährige
Krieg (1618-1648) den Sundgau mit beispielloser Grausamkeit,
wie alle von ihm heimgesuchten. Die Schweden nahmen Landser, Altkirch
und Ferrette widerrechtlich in Besitz. Die revoltierend aufständischen
Bauern wurden auf tragische Weise unterdrückt. Am 3. Februar 1633
setzten schwedische Truppen das elsässische Dorf Leimen und stecken in
Brand. Der Vogt auf Dorneck schickte Truppen in die benachbarten
Leimentaldörfer zum Schutz des solothurnischen Gebiets. Diese
schweizerischen Schutztruppen wurden verstärkt - "gange es wie es
wölle" - als auf der Bättwiler Egg etwa 50 Schweden
auftauchten mit der Drohung auf Hofstetten zuzugehen. Um Pfingsten fand
ein schwedischer Scheinangriff auf Bättwil
statt, dessen angreifende Reiter dem aus dem Dorf erwiderten Feuer die
Umkehr vorzogen. Im Herbst fielen vom Hunger und der Pest angetriebene
Flüchtlingsströme im Leimental ein, und das schweizerische Bättwil
zählte die ersten Sundgauer Flüchtlinge. Anfangs
der vierziger Jahre zählten Witterswil und Bättwil 250 Flüchtlinge. Im
Verlauf dieses Jahrzehnts gab es weitere Scharmützel und
Grenzverletzungen durch schwedische Krieger, die ohne große Schäden für
die Bättwiler blieben. Die Region war nacheinander besetzt von den
Kaiserlichen Truppen, den schwedischen Söldnern und den französischen
Truppen. Von 1637 bis 1640, erfuhr der Sundgau (wie das gesamte Elsass)
das dunkelste Kapitel seiner Geschichte, aus dem er ausgeblutet
hervorging, je nach Region, mit 30-80% Verlusten seiner Bevölkerung.
Während des Dreißigjährigen Krieges war der Hunger der Hüninger
Bevölkerung (bei Basel) so groß, dass die Menschen sich vor den
Stadtmauern um die herumliegenden Kadaver *
stritten.
à
propos
:
*): Der 30jährige
Krieg: in Basel erinnert die Entenweid
ums St. Johanns-Tor, dass hier Geflügel seinen Auslauf fand. Dieser
traditionelle Weidegang lässt sich ab Ende des 15. Jh. bis ca. 1850
nachweisen. Noch 1831 sind dort von der Gesellschaft genutzte
Mägd Weiden im Parzellenverzeichnis aufgeführt.
Ihre Jahrhunderte lange Nutzung als Ablagerungsplatz für Abfälle und
besonders für Keiben, den Tierleichen wurden vor
dem St.Johanns-Tor entsorgt, falls diese nicht in den Rhein geworfen
wurden. Der Wasenmeister, der auch als Stadthenker wirkte, war nur bei
Seuchengefahr verpflichtet, die Kadaver zu vergraben. Ab 1750 wurde
seine Wirkungsstätte durch Landwirtschaft betreibende Bauern eingeengt.
Genannte
Bättwiler Bauern waren fast ausnahmslos Leibeigene der Edlen von
Reichenstein oder Solothurns. Diese Bauernbevölkerung *
kannte besitzende Vollbauern, Halbbauern (die nur ein halbes Gespann
hatten) und die Tauner, die keine Zugtiere besaßen. So zählte
Witterswil und Bättwil anno 1644 seine 16 Vollbauern, 5 Halbbauern und
15 Tauner. Im Dezember 1659, gewährte der französische König Mazarin
die Grafschaft von Ferrette. Frankreich betrieb eine Politik der Wiederbevölkerung
seiner Ostgrenze und begünstigte die Einwanderung von Ausländern, im
südlichen besonders von Schweizern. Die Region leidet immer noch an den
Kriegen Ludwigs XIV, seinen Kritikern und dem Holländischen
Krieg. Diese oberrheinische Gegend wurde durch den
Dreißigjährigen Krieg im 17. Jh. und die Napoleonischen Kriege zwischen
1797 und 1815 neu gestaltet. Die alten Gemeinden wie Cambete (Kembs),
Blotzheim, Hésingue, Hégenheim, und Alt-Huningue erlebten 1680 das
Huningue
des auf der 'Ried-Elsaß-Seite' beschriebenen Festungsbaumeisters
Vauban, neben Neuf-Brisach auf den Rhein gebaut. Ebenso wie Village-Neuf und Saint-Louis, deren
offizielle Existenz Ludwig XIV auf den November 1684
festlegte. Diese bewegte Geschichte legte 1792 den Baustein für
Rosenau. Etwas später, war die Festung Huningue um ihr
dreifaches vergrößert und im Zentrum der Kriege von 1797, 1814 und
1815.
à
propos
: *): Giovanni
Segantini's Ölgemälde "An der Tränke"
(Vorfrühling in Savognin) von 1838 im Kunstmuseum Basel mit seinem
Zuggespann liefert Eindrücke zu diesem kargen Bauernleben.
Das
18. Jh. ist die Zeit des Fortschritts, der Entwicklung der
Landwirtschaft mit der Einführung der Kartoffel um 1720, mit dem Beginn
der Schmieden und Textilindustrie. Die barocke Kunst hinterließ
zahlreiche Kirchenaltäre. Ende des 18. Jh. verschlechtert sich die
wirtschaftliche Lage durch zu hohe Steuerlast und Überbevölkerung. Der Sturm
auf die Bastille 1789 hatte starke Auswirkungen im Sundgau.
In Hirsingue, Carspach, Hirtzbach, Seppois le Bas, Ferrette...
eskalierten zahlreiche Übergriffe. Man attackierte die Häuser der seit
der Pest mit Berufsverbot belegten, Geld verleihenden Juden.
Adelsfamilien emigrierten, die Klöster wurden geschlossen oder, wie in
Lucelle, zerstört. 1790: Gründung des Departement Haut Rhin
(Hochrhein) den Sundgau einschließend, Altkirch wurde
Distriktshauptstadt. Unter dem Konsulat und dem Kaiserreich fand der
Sundgau fand zurück zur Ordnung und blieb vorwiegend
landwirtschaftlich. Gegen Ende des Kaiserreichs wurde der Sundgau von
den Württembergischen, den Badenern und den Russen überfallen. Die
Alliierten verließen den Sundgau endgültig erst am 11. November
1818.
Die Landwirtschaft
auf dem sehr fruchtbaren Loessboden des Sungau aus dem Tertiär wurde im
19.Jh., unter leichter Modernisierung, zur Hauptbeschäftigung. Aber die
dreijährige Fruchtfolge blieb in der Tradition fest verankert. Das
Bevölkerungswachstum war beachtlich und nährte eine starke
Auswanderungswelle in Richtung der Industrie von Mülhausen und hin zum
amerikanischen Kontinent. Unter den wenigen Industrien die sich im
Sundgau niederließen notiert die Ziegelei Gilardoni in Altkirch, die
Keramik-Kachelöfen Hanser, die Töpfereien und Keramiköfen Wanner in
Linsdorf, die Webstuhlbauer Xavier Jourdain in Altkirch, die
Seidenbänderweberei Foltzer in Tagolsheim, die Weberei Emanuel Lang in
Waldighoffen, die Bierbrauereien in Altkirch und die
Buchdruckereien und Steindruck-Ateliers in Altkirch, Ferrette... 1824
begann der Bau des den Sundgau durchquerenden '
Rhône-Rhein-Kanals', und 1840 der der Eisenbahnstrecke
Mulhouse-Saint Louis. Unter dem Zweiten Kaiserreich baute Bazaine die
Gleisstrecke Mulhouse-Belfort. 1848, aufgrund erheblicher,
antisemitischer Bewegungen in Durmenach, Altkirch und Hirsingue,
verließen die Juden nach und nach die sundgauischen Dörfer in Richtung
städtischer Zentren. Der Krieg von 1870-71
unterbrach 50 Jahre Frieden. Die Kämpfe begannen in der Region um
Kembs, Ende September 1870 war der gesamte Sundgau von deutschem
Militär besetzt. Nach dem Friedensvertrag vom 10. Mai 1871 kam der
Sundgau zu Deutschland. Infolge dieser Anpassungsperiode beginnt die
industrielle Entwicklung mit neuen Niederlassungen. Der Sundgau öffnete
sich kommerziell dem Rest des Departements, dem Territorium von Belfort
das französisch blieb. 1874 verband eine Telegrafenlinie Altkirch mit
Ferrette. 1891 verband die Eisenbahn diese zwei Städte, und andere
Bahnlinien wurden 1910 gebaut zwischen Dannemarie und
Pfetterhouse,
zwischen Blotzheim und Waldighoffen 1915. Mehrere Kirchen wurden wieder
aufgebaut: Saint Morand in Altkirch, Ballersdorf, etc. Zu Ende dieses
19. Jh. blieb der Sundgau ein großer Getreideanbauer und Viehlieferant
für Metzgereien und Aufzucht.
à
propos : Besuch
auf dem Bauernhof in Bernwiller
:
Herbstfest und Theaterspiel (poetische
Komödie) Regie: Philippe Pflieger - Bauernvesper (Suppe, Speck, Käse,
Nüsse und Trauben 7€) - 5€ Eintritt ab 12 J. ab 17h am 1.10.2006 - - -
Milchverarbeitung in der von der Sahne zur Butter,
Stallbesuch und Kostproben der einzelnen Milchprodukte - Kosten
7€/Erwachsene, 5€/Kinder ab 3 Jahren 14h-17h am ? +
Tag des Getreides : Füttern der Tiere, Brotbacken,
Flammenkuchen backen fürs gemeinsame Mittagessen- Kosten
18€/Erwachsene, 12€/Kinder ab 3 Jahren 10h-16h am ? + Tag
der alten Handwerke (Beruf): Stallbesichtigung vormittags und
Besichtigung einer Korblfechterei nachmittags - Kosten
16€/Erwachsene, 14€/Kinder ab 3 Jahren 10h-16h am ? (Ferme
Pédagogique von
Bernwiller
Via la Ferme,
4 rue de Lattre de Tassigny, Tel.: (0033)(0)3.8925.3055, e-mail)
Es klappert die Mühle am
rauschenden Bach...
Die Mühlen
an den Illufern von Zillisheim
wurden anno 1444, zur Zeit der regional marodierenden Armagnacs,
erstmals erwähnt. Sie bedeuteten die lokal dynamische Entwicklung
ebenso wie die des Müllerhandwerks. Das an Frucht und
Getreide reiche Sundgauer Rheinbecken südlich von 'Mühl'hausen
(Mulhouse) war einst das Reich der Mühlen. Ein Besuch im elsässischen
Freilichtmuseum ECO-Musée in Ungersheim oder im Schwarzwälder Pendant
des Vogtsbauernhof in Gutach
(mit ihrem fast 400 Jahre alten Mühlwerk samt Stampfe) veranschaulicht
deutlich diese beeindruckende, alte Technik des Getreidemahlens der
verschiedenen Körner. Der Sundgauer Geschichtsverein hat die
Geschichte mehrer Hundert durch Wasserhydraulik betriebene Mühlen mit
viel Geduld mit ca. 150 Farbfotos, alten Dokumenten, Rheinkarten vor
und nach Tulla's Rheinbegradigung und dem Porträt deren Müller
zusammengetragen. - Aus dem Getreidekorn wird Mehl dank dem
Steinmahlgang (Kernstück jeder Getreidemühle) und seinem Zusammenspiel
der Mühlsteine die in Mahlbewegung Getreidemehl mahlen. Der Läuferstein
(der obere Mühlstein) zermalmt das Korn auf dem festsitzenden unteren
Mühlstein (Bodenstein), das nur durch das Mühlrad oder die Windflügel
angetrieben wird. Das Korn wird durch einen Trichter in den Mahlgang
geschüttet und fällt vom Trichter durch das Steinauge des Läufersteins
zwischen die Mahlflächen. Als Mehl, Grieß und Kleie kommt es wieder
heraus. Kleie sind die Spelzen, die angeblich nicht verdaulichen Teile
des Getreides (...das hättet ihr beim Dinkel die Hildegard von Bingen
wohl nicht hören lassen dürfen). Grieß ist grob gemahlenes Getreide,
die erneut in den Mahlgang kommen. Das Mehl selbst wird mit einem
feinmaschigen Sieb von Grieß und Kleie getrennt aufgefangen (Mehlbeutel
im Mehlkasten). - Ein Verzeichnis der 36 vorgestellten Gemeinden wird
ihr Entdecken erleichtern. Das 'Ballte der Kornsäcke bis zur
Mühle' ist heute noch in den Sundgauer Dorffesten zu finden.
-
à
propos
: In
Uffheim
fand rund um die Mühlen das Mühlenfest
'La cité des Moulins' statt - - -
La fête des Moulins
Journée Nationale des
Moulins mit Führungen, Vorführungen,
handwerkliche Animationen ab 10h, Musik und Theater
am Nachmittag im Hof der Mühle - Flammenkuchen
ab 16h (Mme Pfimlin Tel.: (0033)(0)3.8907.8842) -Eintritt
frei- in der Mühle von Hundsbach
am ?
und in der Mühle von Walheim (M. Hugelé
Tel.: (0033)3.8940.9846) 14h30 am ?
Vernissage der Mühlen-Fotoausstellung der
Mühlen von Hundsbach
und Walheim
unter Beisein des im Sundgau gefeierten Künstlers und Fotografen
Jean-Paul Girard im Blochturm (Tour Bloch) im Office de Tourisme von Altkirch, Infos
Tel. 0033.38940.0290, um 11h am ? - - - Das
Mühlen-Sommerfest Méhli Art in
der Mühle von
Hundsbach
Infos: Moulin de Hundsbach Tel.: (0033)(0)3.8907.8842 im Regional-Agenda
unter Altkirch vom ? - - - Tag der offenen Tür des
Kulturerbgutes der Hundsbacher Mühle (Les Journées du
Patrimoine au Moulin de Hundsbach) Treffpunkt an der Mühle : 2 rue du
Moulin - geführte Besichtigungen in der Scheune. Infos : L'Association
du Moulin de Hundsbach Tel.: (0033)(0)3.8907.8842 oder 4402 am
? - - -
Spaziergang und Besichtigung der Mühle von Walheim mit dem Club
Vosgien von Altkirch - Infos: Tel. (0033)(0)3.8940.2874 am ? - - -
Loesshaltige
Niedertrasse der Rheinebene
Die
elsässische Rheinebene mit ihren hügeligen Vogesenausläufern,
den Sundgauhügel
entsprechen einer eingesenkten Zone und beginnen im Südelsass in der
Höhe von Thann.
Hauptsächlich aus Kalksteinen zusammen gesetzt, in bester Lage, liefern
sie beste Voraussetzungen für einen begünstigten Weinanbau. Die
Niederterrassen der Oberrheinebene, nach Art des Hardter Waldes, oder
durch die Vogesenflüsse wie im Wald von Nonnenbruch, sind die Schwemmkegel
geformt von Kies oder von Kieselsteinen. Der
Untergrund der loesshaltigen Tiefebene besteht aus
oligozänen Kalksedimenten aus der Zeit der Entstehung von
Oberrheingrabens im Teriär, und erstreckt sich zwischen Mulhouse und den
Umgebungen von Ensisheim
und ist im Süden (Hoher Sundgau) mit einer alten Lößschicht bedeckt.
Durchgängige Flachheit bieten hier eine Region mit traditioneller
Landwirtschaft. Geformt durch die Launen des Oberrheinverlaufs
bieten die örtlichen Landschaften Waldgebiete und Sümpfe
der Ill und ihrer Zuflüsse, das Ried
der Petite Camargue Alsacienne
im Südosten, das von der Thur und der Lauch durchflossene Rouffacher
Ried zwischen Cernay und Rouffach.
Der
Sundgau führt im Westen etwa ab Belfort in die Burgundische Pforte und
bildet gleichzeitig die kontinentale Hauptwasserscheide zwischen den
Einzugsgebieten des Rheins und der Rhône. Zu beiden Seiten der Ebene
erfolgt der Übergang in die Mittelgebirgskörper durch unterschiedlich
breite Hügelländer mit dazwischen geschalteten holozänen Schwemmfächern
der Mittelgebirgsflüsse. Auf badischer Seite ist dies das Markgräfler
Hügelland, auf elsässischer Seite das schmale Band der
Vogesenvorbergzone. Diese Hügelländer sind Bruchschollen, die im Rahmen
der Grabeneinsenkung nicht so tief abgesunken sind wie der Zentralteil
des Rheingrabens und aus tertiären sowie mesozoischen Ablagerungen mit
einer unterschiedlich mächtigen Lößbedeckung bestehen. Im Nordteil
dieses Gebietes tritt die starke tektonische Beanspruchung erneut
zutage.
Die Hügel des Sundgau
befinden sich zwischen dem Jura im Süden und Mulhouse
im Norden, zwischen den Gräben von Sierentz und Wolschwiller im Osten
und der Burgunder Pforte (oder ins Elsass) im Westen. Ihre abgerundete
Kuppeloberflächen sind umschlossen von den durch die
Illverläufe und ihrer Zuflüsse bestimmten Täler, die dem
elsässischen Jura entspringenden Flüsse des Thalbach
und der Largue. Im Westen (der Burgunder Pforte)
durchfliessen eben diese Hügel: die Allaine mit
ihrer Quelle im schweizerischen Jura und die Savoureuse,
die dem Ballon d'Alsace entspringt. Hier befindet sich die
Wasserscheidelinie zwischen der Nordsee und dem Mittelmeer. Die
geologische Oberflächenstruktur des Sundgau setzt sich zusammen aus den
Kalkablagerungen des Tertiär und dem im Quartär angeschwemmten Land,
welche beide ihrerseits von der Schlammschicht des Kiesschotter des
alten Rheinverlaufs überdeckt wurden. Im östlichen Sundgau ist der
Loess sehr fruchtbar, im Gegensatz zum westlichen, was
besonders vom unterbrochenen Beschaffenheit des Loessmantels herrührt.
Die Wälder sind dort ebenso vertreten wie die Naturwiesen und die
Viehweiden, dort befinden sich seine zahlreichen 'durchschwimmbaren'
Weiher.
Beim elsässischen
Jura handelt es sich um die gefaltete, äußerste
Nordflanke, geformt von zwei parallel nach Westen verlaufenden
Bergketten, den typischen Satteln der gefalteten Jurareliefe. Die sich
im äußersten Norden befindende Bergkette beginnt am Morimont
(747 m) und verlängert sich gen Süden durch den Kastelberg
von Koestlach, den Rossberg und
dem Berg von Oltingue.
Die zweite Bergkette setzt sich vom Morimont aus mit dem Glaserberg
(817m), dem Rämelsberg (dessen Gipfel, der
Rämelspitz mit seinen 832m, die höchste elsässische Juraerhebung ist)
und dem Landskronberg. Auf Höhe des Brandenberg
haben seine Kammlinien einen Einbruch durch ein Erosionstal im Jura.
Die erdkundliche Beschaffenheit des Elsässischen Jura setzt sich aus
mittleren und oberen Jurakalkstein
zusammen. Diese beiden Bergketten sind durch ein Tal
getrennt, eine von den oberen Illflussverläufen durchquerte. Eine
andere Mulde wurde vom Tal der Lucelle geschaffen. Ein weiteres Merkmal
des Jurareliefs sind die quer einschneidenden Schluchten, die von den
Wasserläufen durchflossenen Berge, wie die Schlucht von Ferrette. Durch
seine Geologie stellt der Jura die typischen Aspekte eines Karstreliefs
dar, infolge der den Kalkfels bestimmenden chemischen Erosion durch
natürliche Abtragungsarbeit von Wind, Eis und fließendem Wasser. Dort
findet ihr Karsthöhlen, schlundartige Abgründe oder Grotten
von begrenzten Ausmaßen und Tiefen, wie die Grotte der Erdwibelehöhle
bei Ferrette. Die moosartige Möhringie (Moehringia muscosa L.) liebt
die feucht steinige Heidenfluh in der Wolfsgrube
oder Erdwibeleschlucht. Auch 'wieder zu Tage getretene' wie die des
Rheinschlunds von Winkel,
Grottenschluchten der Erdgeister *, kleine
rundliche ovale Niederungen wie die vom Geisberg.
à
propos
:
*):
Hier beginnt regional die wahre Legende der
Gartenzwerge. Ihr findet sie in der Legende von F.
Bouchholtz, dem ihr eigenwilliges, der Schweiz nahes Verhalten
verdankt. - In den Felswänden der Wolfshöhle
in der Heidenflue
(Heidenflüh ~ Heidenfels) südlich von Ferrette
(Pfirt um 1104, castrum Ferretum). Es
geht um wohlwollende Kobolde an einst heiligen Orten mit Kulten bis ins
2. Jahrtausend v.Chr., an feucht felsig schluchtartigen Orten wie dem
Männelstein am Odilienberg.
Legende: Kinderlose Männlein und
Weiblein halfen als Gartenzwerge mit Gartengeräten aus blankem Silber
den Menschen aus. Unter ihren Streichen bei den Korn- und
Getreideernten fielen die Heumahden besonders reichlich aus. Zum Dank
dafür deckte man bei Kilben (alemannischer Begriff
für Kirchweih) und Hochzeiten ihre Plätze am Tisch zuerst. Bei den
ersten Sonnenstrahlen hüpften sie zu zweien aus ihrer Berghöhle und
wandelten über die Felsplatte dem Walde zu. Bis einige junge Mädchen
ihre Neugier nicht bezwingen konnten und ihnen die Felsplatte am
Eingang mit Sand bestreuten. Da sahen nun die Mädchen, dass sie Stapfen
von Geißenfüßen im Sande zurück ließen. Darüber mussten sie so heftig
lachen, dass es die Zwerge hörten, sich umwandten und, den Betrug
gewahrend, mit traurigen Mienen in die Höhle zurück kehrten. Seit jenem
Tag kamen sie nicht wieder zum Vorschein. - - - Die sogenannte
3 stündige Balade autour de Ferrette während der
Sommermonate des Office de Tourisme du Jura Alsacien in Ferrette
beinhaltet eine kommentierte Stadtführung, den Aufstieg zur Schloßruine
derer von Mömpelgard und die Wolfshöhle Heidenfluh, oder auch der
Grotte des Nains (Erdwibelefelsen, Erdwibelehöhle) mit gutem Schuhwerk.
Musée Gallo-Romain Le
Capitole in F-68600 Biesheim, place de la Mairie, tél.
03.8972.0158, Fax: 0157
Ortsfunde seit dem 18. Jh. im
nördlichen
Biesheim
bei Vogelgrün aus der Zeit 100 v. Chr. bis zur Mitte des 5. Jh. (Anfang
der Merowingerzeit) überraschen ihre Besucher mit den Ausgrabungen
einer der orientalischen Göttin Mithra geweihten Tempels
stellt die verschieden religiösen Glaubensrichtungen dar. Ein
beträchtlicher Silberbarrenfund verdeutlicht die Bedeutung des
römischen Militärs an diesem ehemals wichtigen Straßenprätorium.
Stumme Zeugen antiken Städtebaus aus dem Elsass unter römischer
Besetzung an einer Nord-Süd-Militärachse 'Cardo'
dem Rhein entlang. Auch der erst 1981 erforschten Ost-West-Achse 'Decamus'.
Die Besiedelung dieses Gebietes erstreckt sich von der gallischen
Unabhängigkeit (gegen 30 vor Chr.) bis zur Merowingerzeit (der
fränkischen Könige östliches Reich im 5.Jh. n.Chr.). Ein schöner Sarkophag,
ein aus einem Sandsteinblock gehauener, prunkvoller Sarg aus dem 3.-4.
Jh. n. Chr. Eine Gemme, ein Schmuckstein mit Bild, aus rotem Achat aus
dem 1.Jh. samt Funde von Glasurnen, Glasvasen, Eisenhandwerkzeug und
Hausgegenstände laden ein zur Zeitreise. Die Sammlungen reichen von dem
Militär dienlichen wie kommerziellen Funden, von Begräbnisriten
und der Religion, den diversen Aspekten alltäglichen
Lebens.
Die zum
Mithra-Tempel gehörenden Intarsien aus Halbedelsteinen belegen neben
Hohlziegeln mit den Namen bestätigend die militärische Funktion
verschiedener römischer Legionen. Die 8. Augusta,
die 4. Macedonia, die 14. Gemina, die 21. Rapax und die Martia waren
hier einst in Stellung. Der Handel hinterließ seine Spuren in Form von
harter Währung aus
Bronze- und Silbermünzen (gegossen wurden sie um Ehl bei
Sand, südlich von Straßburg) und sehr zahlreicher Amphorefragmenten.
Diese Bruchstücke zweihenkeliger Krüge aus Italien, Spanien und
Südgallien beinhalteten einst Wein, Öle oder Eingesalzenes.
Handelsgüter wie Keramik, Glasbehälter oder Kunstgeschmeide wie die
berühmten 'torque' * (das rechte Armband des
Hirschgottes der Gallischen Mythologie, das die Römer übernahmen),
Halsbänder, Glasperlen, etc. - Hier findet ihr die
Hauptüberreste der gallo-romanischen Epoche - am Oberrhein vereint. Von
den verschiedenen Keramikarten, diversen Geschmeiden, Toilettenartikel,
medizinische Gebrauchsgegenstände, Essgeschirr, Bauelemente etc. - Die
ersten Stoffwebereien oder -spinnereien, Knochenbearbeitung bis zu
Metzgerutensilien. Kurz - 'Antike life' auf der Durchfahrt.
à
propos :
*): Eine gallische
Gottheit, der Jahreszeiten und der Wiedergeburt, genannt
CERNUNNOS, deren Ursprung zur grauen Vorzeit zurück geht. Gefaltet,
aufrecht stehend, im Schneidersitz, am rechten Arm ein ‚torque',
am linken eine Schlange. Ein deutliches Zeichen der Wichtigkeit des
Hirsches in der
keltischen Symbolik ist seine relativ häufig Erscheinung in
der Ikonographie oder in der Legende. Dieser Hirschgott ist uns die
meiste Zeit im Schneidersitz gezeigt worden: in Lotoshaltung, die Beine
gekreuzt, in buddhistischer Positur, auf dem Kopf ein Hirschgeweih
tragend. Sein Nacken ist mit einem gallischen Metallcollier
geschmückt. In seiner linken Hand hält er manchmal eine
Schlange als Symbol für Tellurismus (Naturkraft der Erde, tierischer
Magnetismus). Diese Schlange war, konform mit dem großen Sonnenkalender
der 2000 Jahre lang den Widder durchlief, generell mit einem Widderkopf
ausgestattet. In der rechten Hand ein ‚torque'. Er erschien in
Abwechslung mit TARANIS, dem Gott des Feuerrades. Stärke war - wenn man
einen jahreszeitlich über einen Teil des Jahres regierenden Gott
interpretiert - von einer Kraft die lebt, stirbt und wiederaufersteht
im Rhythmus der pflanzlichen Natur, Sinnbild für Langlebigkeit und
Überfluss. Hirschgeweihe beschworen die Wiedergeburt herauf, und die
Schlange erschien als Hüterin der höllischen Welt. Ein Spiegelabdruck
des Hirschgottes aus dem INDUS-Tal, Jahre vor unserem Zeitalter,
veranschaulicht einen Gott mit affenähnlichem Gesicht, mit großen,
umgebogenen Hörnern, im Schneidersitz und umgeben von wilden Tieren;
wie der CERNUNNOS aus dem Flussbecken von GÜNDESTRÜP (Dänemark). Die
älteste Darstellung des, von einer gehörnten Schlange begleiteten,
Hirschgottes - welche 15.000 Jahre vor unserer Ära datiert - ist eine,
auf einen Stein eingeschnittene, Felszeichnung in der Lombardei im
italienischen Camonica-Tal. Die sinnbildliche Darstellung des Hirsches
in der Welt der Kelten war also sehr ausgebreitet, und handelte sicher
vom ursprünglichen Wesen
Fortsetzung
Seite 2: Träumend durch die Natur des Sundgau

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